Die Kon­zern­ju­ris­ten der Deut­schen Bahn

DB Netz AG darf sich nicht durch Juris­ten der Deut­sche Bahn AG bera­ten las­sen

Die Kon­zern­ju­ris­ten der Deut­schen Bahn

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig hat heu­te ent­schie­den, dass d

Die DB Netz AG darf sich in Fra­gen des Netz­zu­gangs und der Wege­ent­gel­te nicht durch Juris­ten der Deut­sche Bahn AG bera­ten und ver­tre­ten las­sen. Damit bestä­tig­te jetzt das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig eine ent­spre­chen­de Ver­bots­ver­fü­gung, die das Eisen­bahn­bun­des­amt als Auf­sichts­be­hör­de der DB erlas­sen hat­te.

Die DB Netz AG betreibt ein Groß­teil der Eisen­bahn­schie­nen­we­ge in Deutsch­land. Ihre Gesell­schafts­an­tei­le wer­den von der Deut­sche Bahn AG – ihrer "Kon­zern­mut­ter" – gehal­ten, an die sie auch durch einen Beherr­schungs- und Gewinn­ab­füh­rungs­ver­trag gebun­den ist. Zum Kon­zern gehö­ren neben der DB Netz AG auch ver­schie­de­ne Eisen­bahn­ver­kehrs­un­ter­neh­men. Für ihre "Kon­zern­töch­ter" hält die Deut­sche Bahn AG ver­schie­de­ne zen­tra­le Ser­vice­funk­tio­nen vor, unter ande­rem eine zen­tra­le Rechts­ab­tei­lung. Die­se berät und ver­tritt alle Gesell­schaf­ten des Kon­zerns, so auch die DB Netz AG, nament­lich in Regu­lie­rungs­sa­chen gegen­über der Bun­des­netz­agen­tur und ande­ren Stel­len.

Das Eisen­bahn-Bun­des­amt unter­sag­te der DB Netz AG, die Diens­te die­ser "Kon­zern­ju­ris­ten" bei Ent­schei­dun­gen über den Netz­fahr­plan, bei der sons­ti­gen Zuwei­sung von Zug­tras­sen und bei Ent­schei­dun­gen über die Wege­ent­gel­te in Anspruch zu neh­men. Das wider­spre­che § 9a des All­ge­mei­nen Eisen­bahn­ge­set­zes, der in Umset­zung euro­pa­recht­li­cher Richt­li­ni­en die Unab­hän­gig­keit der Betrei­ber von Schie­nen­we­gen in netz­zu­gangs­re­le­van­ten Ent­schei­dun­gen sicher­zu­stel­len suche. Gegen das Ver­bot haben sowohl die DB Netz AG als auch die Deut­sche Bahn AG Kla­ge erho­ben.

Das erst­in­stanz­lich mit den bei­den Kla­gen befass­te Ver­wal­tungs­ge­richt hat sie abge­wie­sen. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len in Müns­ter hat ihnen jedoch statt­ge­ge­ben 1: Die Unter­sa­gungs­ver­fü­gung sei, so die Müns­te­ra­ner Rich­ter, rechts­wid­rig; sie fin­de in § 9a AEG kei­ne Grund­la­ge. Die bean­stan­de­te Beauf­tra­gung von Kon­zern­ju­ris­ten füh­re nicht dazu, dass die­se Ent­schei­dun­gen über den Netz­zu­gang oder die Wege­ent­gel­te für die DB Netz AG trä­fen. Mit ihrer Tätig­keit gehe auch kei­ne Ein­fluss­nah­me der Deut­sche Bahn AG auf die Ent­schei­dun­gen der DB Netz AG ein­her, die sich nicht durch unter­neh­mens­in­ter­ne Rege­lun­gen aus­schlie­ßen lie­ßen und vor­lie­gend hin­läng­lich aus­ge­schlos­sen sei­en.

Dem ist Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt nicht gefolgt und hat auf die Revi­si­on des Eisen­bahn­bun­des­am­tes die Kla­gen abge­wie­sen: Das Gesetz erlau­be zwar, dass ein Schie­nen­we­ge­be­trei­ber wie die DB Netz AG in Kon­zern­struk­tu­ren mit Eisen­bahn­ver­kehrs­un­ter­neh­men ver­bun­den sei; dann müs­se er aber in sei­ner Ent­schei­dungs­fin­dung von ihnen unab­hän­gig sein, soweit es um die Zuwei­sung von Zug­tras­sen an Ver­kehrs­un­ter­neh­men und um die dafür erho­be­nen Ent­gel­te gehe. Dabei genü­ge es nicht, dass der Schie­nen­we­ge­be­trei­ber die­se Ent­schei­dun­gen selbst, also durch eige­ne Orga­ne (Vor­stän­de) tref­fe und aus­ge­schlos­sen sei, dass die­se Orga­ne zugleich Funk­tio­nen in dem Mut­ter­un­ter­neh­men oder einem ver­bun­de­nen Ver­kehrs­un­ter­neh­men wahr­näh­men. Erfor­der­lich sei auch, dass die Vor­be­rei­tung die­ser Ent­schei­dun­gen von jeg­li­cher Ein­fluss­nah­me im Inter­es­se des Mut­ter­un­ter­neh­mens oder eines ver­bun­de­nen Ver­kehrs­un­ter­neh­mens frei­ge­hal­ten wer­de. Hier­ge­gen wer­de ver­sto­ßen, wenn die DB Netz AG Juris­ten mit ihrer recht­li­chen Bera­tung und Ver­tre­tung beauf­tra­ge, die Arbeit­neh­mer des Mut­ter­un­ter­neh­mens sind. Rechts­be­ra­tung neh­me auf die Ent­schei­dungs­fin­dung Ein­fluss; dar­in lie­ge gera­de ihr Sinn. Sei der Rechts­be­ra­ter aber Arbeit­neh­mer des Mut­ter­un­ter­neh­mens, so sei er von die­sem per­sön­lich abhän­gig. Schon des­halb las­se sich auch durch inter­ne Ver­hal­tens­re­geln nie völ­lig aus­schlie­ßen, dass die Inter­es­sen des Mut­ter­un­ter­neh­mens in sei­ne Bera­tungs­tä­tig­keit ein­flös­sen. Der DB Netz AG sei des­halb zuzu­mu­ten, auf die Beauf­tra­gung der Kon­zern­ju­ris­ten zu ver­zich­ten und statt­des­sen auf eige­ne Juris­ten zurück­zu­grei­fen oder aber selb­stän­di­ge Rechts­an­wäl­te ein­zu­schal­ten.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 18. Mai 2010 – 3 C 21.09

  1. OVG NRW – 20 A 3609/​07 u. 3607/​07[]