Die Mit­glie­der­zahl von Aus­schüs­sen des Stadt­rats

In der Regel ist die Grö­ße von Gemein­de- bzw. Stadt­rats-Aus­schüs­sen ange­mes­sen, wenn sie unge­fähr ein Vier­tel der Ple­nums­grö­ße betra­gen, selbst wenn dann klei­ne Frak­tio­nen nicht ver­tre­ten sind. Klei­nen Grup­pen steht ein soge­nann­tes "Grund­man­dat" in einem Rats­aus­schuss nicht zu. Dadurch wird nicht gegen den Min­der­hei­ten­schutz klei­ner Grup­pen oder Frak­tio­nen ver­sto­ßen, weil die Aus­schüs­se die gemeind­li­chen Ange­le­gen­hei­ten grund­sätz­lich nur vor­be­ra­ten und ledig­lich in Fäl­len gerin­ge­rer Bedeu­tung abschlie­ßend ent­schei­den dür­fen.

Die Mit­glie­der­zahl von Aus­schüs­sen des Stadt­rats

So das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz in dem hier vor­lie­gen­den Fall einer Kla­ge der Frak­ti­on Die Lin­ke im Stadt­rat von Mainz, mit der die­se die Erhö­hung der Mit­glie­der­zahl der Aus­schüs­se des Stadt­rats begehrt hat. Der Stadt­rat von Mainz hat 60 Sit­ze. Nach der Kom­mu­nal­wahl 2009 ent­fie­len hier­von zwei Sit­ze auf Die Lin­ke. Der Stadt­rat leg­te die Mit­glie­der­zahl der soge­nann­ten Gro­ßen Aus­schüs­se auf 14 Mit­glie­der fest. Die Rats­frak­ti­on Die Lin­ke hat­te jeweils einen Sitz inne. Auf­grund eines Wech­sels eines Mit­glieds der Frak­ti­on ÖDP/​Freie Wäh­ler in die Frak­ti­on der FDP ver­än­der­te sich das Stär­ke­ver­hält­nis der im Stadt­rat ver­tre­te­nen Grup­pen der­art, dass sich eine ande­re Ver­tei­lung der Aus­schuss­sit­ze ergab und der Sitz der Rats­frak­ti­on Die Lin­ke ent­fiel. Dar­auf­hin bean­trag­te sie, die Zahl der Mit­glie­der der Gro­ßen Aus­schüs­se von 14 auf 18 zu erhö­hen, so dass sie in den Aus­schüs­sen wie­der ver­tre­ten wäre. Nach­dem der Stadt­rat ihren Antrag abge­lehnt hat­te, erhob sie Kla­ge, die das Ver­wal­tungs­ge­richt Mainz abwies. Dar­auf­hin ist von der Frak­ti­on Die Lin­ke beim Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz bean­tragt wor­den, die Beru­fung gegen die­ses Urteil zuzu­las­sen.

Nach Auf­fas­sung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Rhein­land-Pfalz habe das Ver­wal­tungs­ge­richt zu Recht die Kla­ge auf Ver­grö­ße­rung der der­zeit aus 14 Mit­glie­dern bestehen­den Aus­schüs­se des Main­zer Stadt­rats abge­wie­sen. Die Gemein­de­ord­nung räu­me dem Gemein­de­rat bei der Bestim­mung der Mit­glie­der­zahl in den Aus­schüs­sen ein wei­tes Rege­lungs­er­mes­sen ein. Bei der Aus­übung die­ses Ermes­sens kön­ne der Stadt­rat die Funk­ti­ons­fä­hig­keit des Rates und der Aus­schüs­se berück­sich­tig­ten. Des­halb sei der aus dem Demo­kra­tie­prin­zip fol­gen­de Grund­satz der Spie­gel­bild­lich­keit der Zusam­men­set­zung von Aus­schüs­sen und Gemein­de­rat nur dann ver­letzt, wenn die Mit­glie­der­zahl eines Aus­schus­ses so gering bemes­sen wer­de, dass auch ansehn­lich gro­ße Frak­tio­nen und Grup­pen von einer Ver­tre­tung im Aus­schuss aus­ge­schlos­sen wür­den. In der Regel sei die Grö­ße der Aus­schüs­se ange­mes­sen, wenn sie unge­fähr ein Vier­tel der Ple­nums­grö­ße betra­ge, selbst wenn dann klei­ne Frak­tio­nen nicht ver­tre­ten sei­en. Klei­nen Grup­pen ste­he ein soge­nann­tes "Grund­man­dat" in einem Rats­aus­schuss nicht zu. Hier­durch wer­de nicht gegen den Min­der­hei­ten­schutz klei­ner Grup­pen oder Frak­tio­nen ver­sto­ßen, weil die Aus­schüs­se die gemeind­li­chen Ange­le­gen­hei­ten grund­sätz­lich nur vor­be­ra­ten und ledig­lich in Fäl­len gerin­ge­rer Bedeu­tung abschlie­ßend ent­schei­den dürf­ten. Des­halb sei­en Min­der­hei­ten im Gemein­de­rat, die nicht in Aus­schüs­sen ver­tre­ten sei­en, an den wich­ti­gen Ent­schei­dun­gen betei­ligt und könn­ten im Übri­gen auch als Zuschau­er an den Aus­schuss­sit­zun­gen teil­neh­men.

Soweit das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt für Aus­schüs­se des Bun­des­ta­ges aus dem Grund­satz der Spie­gel­bild­lich­keit wei­ter­ge­hen­de Anfor­de­run­gen an deren Zusam­men­set­zung her­ge­lei­tet habe, sei die­se Recht­spre­chung auf Gemein­de­rats­aus­schüs­se bereits wegen der im Ver­gleich zu Par­la­ments­frak­tio­nen gerin­gen Min­dest­grö­ße von Gemein­de­rats­frak­tio­nen nicht zu über­tra­gen. Denn die Zubil­li­gung von "Grund­man­da­ten" für klei­ne Gemein­de­rats­frak­tio­nen kön­ne zu einer Ver­grö­ße­rung der Aus­schüs­se füh­ren, die sich immer mehr der Grö­ße des Gemein­de­ra­tes annä­he­re. Hier­von aus­ge­hend sei es recht­lich nicht zu bean­stan­den, dass der Main­zer Stadt­rat die von der Klä­ge­rin begehr­te Erhö­hung der Mit­glie­der­zahl von 14 auf 18 als eine Beein­träch­ti­gung der Arbeits­fä­hig­keit der Aus­schüs­se ange­se­hen habe, zumal es sich bei der Klä­ge­rin auch nicht um eine ansehn­lich gro­ße Frak­ti­on han­de­le, der ein Anspruch auf Ver­tre­tung in den Aus­schüs­sen auf­grund ihrer Grö­ße zuste­he.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Beschluss vom 15. Mai 2013 – 10 A 10229/​13.OVG