Finanz­aus­gleich für Orte mit Zen­trums­funk­ti­on

Der Umstand, dass in einer klei­nen Orts­ge­mein­de mit gerin­ger Bevöl­ke­rungs­zahl ein (klei­ner) Flug­ha­fen liegt, stellt kein taug­li­ches Kri­te­ri­um dar, um im Rah­men der Lan­des­ent­wick­lungs­pla­nung aus­nahms­wei­se eine Ver­bands­ge­mein­de mit Zen­trums­funk­ti­on aus­zu­stat­ten.

Finanz­aus­gleich für Orte mit Zen­trums­funk­ti­on

Mit die­ser Begrün­dung ent­schied jetzt das Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz, dass die Aus­wei­sung der Ver­bands­ge­mein­de Kirch­berg als eines von drei Mit­tel­zen­tren inner­halb des länd­li­chen Raums Sim­mern im Lan­des­ent­wick­lungs­pro­gramm IV (LEP IV) abwä­gungs­feh­ler­haft und damit unwirk­sam ist. Dies führt dazu, dass sich die der Stadt Sim­mern und der Ver­bands­ge­mein­de Sim­mern zuste­hen­den Schlüs­sel­zu­wei­sun­gen des Lan­des Rhein­land-Pfalz für zen­tra­le Orte erhö­hen.

Das LEP IV weist die Stadt Kas­tellaun, die Stadt Sim­mern und die Ver­bands­ge­mein­de Kirch­berg als koope­rie­ren­de Zen­tren im Mit­tel­be­reich für den länd­li­chen Raum Sim­mern aus. In den Erläu­te­run­gen ist hier­zu u. a. aus­ge­führt, die Ein­be­zie­hung der Ver­bands­ge­mein­de Kirch­berg sei wegen des Flug­ha­fens Hahn und geplan­ter ergän­zen­der Funk­tio­nen im Ver­kehrs­be­reich (Flug­ha­fen-Bahn­hof) erfolgt. Mit Beschei­den vom 3. August 2009 und vom 26. Juli 2010 setz­te das Land die Schlüs­sel­zu­wei­sun­gen für die Haus­halts­jah­re 2009 und 2010 für die Ver­bands­ge­mein­de Sim­mern und die ihr ange­hö­ri­gen Orts­ge­mein­den fest. Hier­mit waren die Stadt Sim­mern und die Ver­bands­ge­mein­de Sim­mern nicht ein­ver­stan­den und erho­ben Kla­ge. Sie mach­ten u. a. gel­tend, die Ein­be­zie­hung der Ver­bands­ge­mein­de Kirch­berg in das Zen­tra­le-Orte-Kon­zept des LEP IV sei feh­ler­haft. Von daher ste­he ihnen eine Erhö­hung der Schlüs­sel­zu­wei­sun­gen zu. Die­se betra­ge 2009 für die Stadt Sim­mern 87.269,– € und für die Ver­bands­ge­mein­de Sim­mern 39.481,– € und 2010 für die Stadt Sim­mern 83.149,– € und die Ver­bands­ge­mein­de Sim­mern 37.555,– €. Das Ver­wal­tungs­ge­richt setz­te das Ver­fah­ren nach Durch­füh­rung einer münd­li­chen Ver­hand­lung bis zum Abschluss des Nor­men­kon­troll­ver­fah­rens beim Ver­fas­sungs­ge­richts­hof Rhein­land-Pfalz zur Wirk­sam­keit von Nor­men des Lan­des­fi­nanz­aus­gleichs­ge­set­zes [1] aus [2].

Nach der Wie­der­auf­nah­me des Ver­fah­rens gab das Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz jetzt der Kla­ge statt, soweit die bei­den Klä­ge­rin­nen höhe­re Schlüs­sel­zu­wei­sun­gen für die Jah­re 2009 und 2010 ver­lang­ten. Die­ser Anspruch, so die Rich­ter, fol­ge aus der ver­fas­sungs­recht­li­chen Ver­pflich­tung des Lan­des Rhein­land-Pfalz, den Kom­mu­nen die erfor­der­li­chen Mit­tel im Wege des Las­ten- und Finanz­aus­gleichs zu sichern, sowie den Vor­schrif­ten des Lan­des­fi­nanz­aus­gleichs­ge­set­zes, die trotz der durch den Ver­fas­sungs­ge­richts­hof Rhein­land-Pfalz fest­ge­stell­ten Ver­fas­sungs­wid­rig­keit bis zum 1. Janu­ar 2014 wei­ter­hin Anwen­dung fän­den. Die­se Bestim­mun­gen sähen einen Leis­tungs­an­satz für zen­tra­le Orte vor. Hier­in sei fol­gen­de Ver­tei­lungs­re­ge­lung fest­ge­legt: Gebe es nach dem LEP in einem Ver­flech­tungs­be­reich meh­re­re zen­tra­le Orte, sei der nach der gesam­ten Bevöl­ke­rungs­zahl die­ses Bereichs zu berech­nen­de Leis­tungs­an­satz im Ver­hält­nis der Ein­woh­ner­zahl die­ser Orte zu tei­len. Zwar wei­se das LEP IV für den Ver­flech­tungs­be­reich länd­li­cher Raum Sim­mern neben den Städ­ten Sim­mern und Kas­tellaun auch die Ver­bands­ge­mein­de Kirch­berg als einen zen­tra­len Ort im Ver­bund aus. Jedoch ver­sto­ße die Ein­be­zie­hung der Ver­bands­ge­mein­de Kirch­berg gegen das Abwä­gungs­ge­bot und sei unwirk­sam. Die­se pla­ne­ri­sche Ent­schei­dung sei wegen der Lage des Flug­ha­fens Hahn im Ver­bands­ge­mein­de­ge­biet und geplan­ter ergän­zen­der Funk­tio­nen im Ver­kehrs­be­reich (Flug­ha­fen-Bahn­hof) und damit wegen einer aty­pi­schen Situa­ti­on erfolgt und wider­spre­che den Maß­stä­ben, die das LEP IV ansons­ten für die Aus­wei­sung von Mit­tel­zen­tren auf­ge­stellt habe. Zudem besit­ze eine Ver­bands­ge­mein­de als Gemein­de­ver­band mit Aus­nah­me der vor­be­rei­ten­den Flä­chen­nut­zungs­pla­nung selbst kei­ne Zustän­dig­kei­ten für die Pla­nung eines Flug­ha­fens nebst dazu­ge­hö­ren­dem Bahn­hof. Die Ver­ant­wor­tung hier­für ste­he den Orts­ge­mein­den als den Trä­gern der Pla­nungs­ho­heit zu. Die Ein­be­zie­hung der Ver­bands­ge­mein­de Kirch­berg sei nur des­we­gen erfolgt, weil der Flug­ha­fen inner­halb einer klei­nen Orts­ge­mein­de mit gerin­ger Bevöl­ke­rungs­zahl lie­ge. Die­ser Umstand stel­le aber kein taug­li­ches Kri­te­ri­um dar, um aus­nahms­wei­se eine Ver­bands­ge­mein­de mit Zen­trums­funk­ti­on aus­zu­stat­ten. Ange­sichts des­sen sei die Aus­wei­sung der Ver­bands­ge­mein­de sys­tem­wid­rig und damit feh­ler­haft. Die­ser Abwä­gungs­man­gel füh­re zu einer unan­ge­mes­se­nen Benach­tei­li­gung der Klä­ge­rin­nen im Sys­tem des Finanz­aus­gleichs, da die­se Kom­mu­nen ihren Anteil ohne sach­li­che Recht­fer­ti­gung mit der Ver­bands­ge­mein­de Kirch­berg tei­len müss­ten. Von daher erhö­he sich der Leis­tungs­an­satz der Klä­ge­rin­nen um die gel­tend gemach­te For­de­rung.

Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz, Urteil vom 10. April 2012 – 1 K 148/​12.KO

  1. VGH RLP – N 3/​11[]
  2. VG Koblenz, Beschluss vom 21.04.2011 – 1 K 960/​10.KO[]