Fran­zö­sisch statt Rus­sisch – Fremd­spra­chen­aus­lo­sung in der Schu­le

Schü­ler haben zwar kei­nen Anspruch auf Unter­richt für eine bestimm­te Fremd­spra­che, wohl aber bei in der Schu­le ange­bo­te­nen Fremd­spra­chen auf Zulas­sung inner­halb der bestehen­den schu­li­schen Kapa­zi­tät.

Fran­zö­sisch statt Rus­sisch – Fremd­spra­chen­aus­lo­sung in der Schu­le

So haben sich jetzt zwei Schü­ler des Bert­hold-Brecht-Gym­na­si­ums in Dres­den in gericht­li­chen Eil­ver­fah­ren vor dem Ver­wal­tugns­ge­richt Dres­den vor­läu­fig die Teil­nah­me am Fran­zö­sisch­un­ter­richt erstrit­ten. Sie setz­ten sich damit gegen ihre Schu­le durch, die sie für den Rus­sisch­un­ter­richt vor­ge­se­hen hat­te.

Die bei­den Schü­ler wer­den im kom­men­den Schul­jahr die 6. Klas­se des Gym­na­si­ums besu­chen und sol­len mit dem Erler­nen einer zwei­ten Fremd­spra­che – neben Eng­lisch – begin­nen. Ihre Erzie­hungs­be­rech­tig­ten wähl­ten jeweils Fran­zö­sisch als zwei­te Fremd­spra­che. Bereits im Janu­ar 2011 infor­mier­te der Schul­lei­ter des Gym­na­si­ums die Eltern, dass (bei ins­ge­samt ca. 110 Schü­lern) nur 14 Fami­li­en Rus­sisch als Wunsch für die zwei­te Fremd­spra­che ange­ge­ben hät­ten. Da die Bil­dungs­agen­tur nicht über genü­gend Fran­zö­sich­leh­rer ver­fü­ge, müs­se mög­li­cher­wei­se ein Los­ver­fah­ren durch­ge­führt wer­den. Nach­dem sich in der Fol­ge nicht genü­gend Frei­wil­li­ge für den Rus­sisch­un­ter­richt fan­den, führ­te das Bert­hold-Brecht-Gym­na­si­um am 20. Mai 2011 ein Los­ver­fah­ren durch, mit dem 56 Schü­ler (zwei Grup­pen mit jeweils 28 Kin­dern) ermit­telt wur­den, die Fran­zö­sisch ler­nen dür­fen.

Die gericht­li­chen Anträ­ge zwei­er nicht vom Los­glück begüns­tig­ter Schü­ler gegen den Frei­staat Sach­sen, ver­tre­ten durch die Säch­si­sche Bil­dungs­agen­tur, hat­ten vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Dres­den Erfolg: Die Behör­de wur­de ver­pflich­tet, sie vor­läu­fig ab Beginn des Schul­jah­res 2011/​2012 gemäß ihrer Wahl in Fran­zö­sisch als zwei­ter Fremd­spra­che zu unter­rich­ten.

Zwar bestä­tig­ten die Rich­ter die Auf­fas­sung der Schul­be­hör­de, dass kein Rechts­an­spruch auf Unter­richt in einer bestimm­ten Fremd­spra­che bestehe. Dies betref­fe jedoch zunächst Fäl­le, in denen ein Unter­richt in einer bestimm­ten Spra­che – etwa man­gels aus­rei­chen­der Nach­fra­ge – über­haupt nicht ange­bo­ten wird. Wer­de jedoch – wie hier – Unter­richt ange­bo­ten, so bestehe zumin­dest ein Anspruch auf Zulas­sung inner­halb der ver­füg­ba­ren Kapa­zi­tät.

Zur Über­zeu­gung des Gerichts sei­en am Bert­hold-Brecht-Gym­na­si­um noch min­des­tens zwei Unter­richts­plät­ze in den bei­den Fran­zö­sisch­klas­sen der Klas­sen­stu­fe 6 vor­han­den, da die­se vom Raum­an­ge­bot her mit bis zu 30 Schü­lern geführt wer­den könn­ten. Zwar sei damit eine Über­schrei­tung der regel­mä­ßi­gen Klas­sen­ober­gren­ze von 28 Schü­lern ver­bun­den. Auf­grund der vor­lie­gen­den außer­ge­wöh­li­chen Situa­ti­on – der gegen­über dem ange­bo­te­nen Rus­sisch­un­ter­richt mit gro­ßer Mehr­heit gewähl­ten zwei­ten Fremd­spra­che Fran­zö­sisch – sei »in beson­de­rem Maße auf die effek­ti­ve Aus­nut­zung der vor­han­de­nen räum­li­chen und per­so­nel­len Kapa­zi­tä­ten zu ach­ten.«

Ver­wal­tungs­ge­richt Dres­den, Beschlüs­se vom 21. Juli 2011 – 5 L 383/​11 und 5 L 385/​11