Ist das Ber­li­ner Spiel­hal­len­ge­setz ver­fas­sungs­ge­mäß?

Die Rege­lun­gen im Ber­li­ner Spiel­hal­len­ge­setz, nach denen kei­ne kos­ten­lo­se Geträn­ke in Spiel­hal­len abge­ge­ben wer­den dür­fen und bestimm­te Vor­schrif­ten beim Auf­stel­len der Spiel­ge­rä­te ein­ge­hal­ten wer­den müs­sen, die­nen dem Spie­ler­schutz und der Sucht­prä­ven­ti­on. Als Gemein­wohl­grün­de recht­fer­ti­gen sie Ein­grif­fe in die Berufs­frei­heit. Auch unter Berück­sich­ti­gung der abwei­chen­den Rechts­la­ge für Gast­stät­ten und Spiel­ban­ken liegt kein Ver­fas­sungs­ver­stoß vor.

Ist das Ber­li­ner Spiel­hal­len­ge­setz ver­fas­sungs­ge­mäß?

So hat der Ver­fas­sungs­ge­richts­hof des Lan­des Ber­lin in dem hier vor­lie­gen­den Fall einer Ver­fas­sungs­be­schwer­de ent­schie­den, die ein Geschäfts­füh­rers einer Spiel­hal­len GmbH in Ber­lin gegen gericht­li­che Ent­schei­dun­gen wegen Zuwi­der­hand­lung gegen das Spiel­hal­len­ge­setz Ber­lin (Spiel­h­G­Bln) erho­ben hat. Das im Juni 2011 in Kraft getre­te­ne Gesetz sieht zahl­rei­che Ver­schär­fun­gen des Rechts der Spiel­hal­len in Ber­lin vor. Dazu zäh­len auch zwei Bestim­mun­gen, deren vor­sätz­li­che Miss­ach­tung dem Beschwer­de­füh­rer vor­ge­wor­fen wur­de: Spiel­ge­rä­te dür­fen seit­her in Spiel­hal­len nur noch ein­zel­nin einem Min­dest­ab­stand von einem Meter und mit einer Sicht­schutz­blen­de auf­ge­stellt wer­den (§ 4 Abs. 2 Satz 3SpielhGBln). Fer­ner ist es ver­bo­ten, in Spiel­hal­len kos­ten­los Geträn­ke abzu­ge­ben (§ 6 Abs. 1 Spiel­h­G­Bln).

Das Bezirks­amt Span­dau erließ nach einer Spiel­hal­len­kon­trol­le im Som­mer 2012 gegen den Beschwer­de­füh­rer einen Buß­geld­be­scheid wegen vor­sätz­li­cher­Ver­stö­ße gegen die­se­Be­stim­mun­gen. Das Amts­ge­richt wies den Ein­spruch dage­gen zurück und ver­ur­teil­te den Beschwer­de­füh­rer zu Geld­bu­ßen von je 300 Euro für bei­de Ord­nungs­wid­rig­kei­ten. Das Kam­mer­ge­richt wies die wegen Ver­fas­sungs­wid­rig­keit der gesetz­li­chen Vor­schrif­ten ein­ge­leg­te Rechts­be­schwer­de zurück. Mit sei­ner Ver­fas­sungs­be­schwer­de mach­te der Beschwer­de­füh­rer erneut gel­tend, für die ange­wand­ten Geset­zes­be­stim­mun­gen bestehe kei­ne Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz des Lan­des Ber­lin. Die Vor­schrif­ten sei­en außer­dem – auch im Ver­gleich zu den Regeln für Gast­stät­ten und Spiel­ban­ken – unver­hält­nis­mä­ßig und ver­letz­ten sein Grund­recht der Berufs­frei­heit aus der Ver­fas­sung von Ber­lin (Art. 17 Abs. 1 VvB).

Nach Auf­fas­sung des Ver­fas­sungs­ge­richts­hofs des Lan­des Ber­lin ist die Ver­fas­sungs­be­schwer­de teils unzu­läs­sig und im Übri­gen unbe­grün­det: Dazu hat der Ver­fas­sungs­ge­richts­hof aus­ge­führt, dass sich die Zustän­dig­keit des Lan­des Ber­lin zum Erlass der bean­stan­de­ten Rege­lun­gen aus dem Grund­ge­setz (Art. 70 Abs. 1 i. V. m. Art. 74 Abs. 1 Nr. 11 GG) ergibt. Im Rah­men der Föde­ra­lis­mus­re­form haben die­Län­der die bis 2006 dem Bund zuste­hen­de Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz für das "Recht der Spielhallen"erhalten. Nach der Ansicht des Ver­fas­sungs­ge­richts­ho­fes fal­len dar­un­ter alle Regeln, die den Betrieb der Spiel­hal­len ein­schließ­lich der räum­li­chen Gege­ben­hei­ten im Land Ber­lin betref­fen. Hier­zu gehö­ren auch die vom Beschwer­de­füh­rer über­tre­te­nen und ange­grif­fe­nen Rege­lun­gen, die dem Spie­ler­schutz und der Sucht­prä­ven­ti­on die­nen. Die­se Gemein­wohl­grün­de recht­fer­ti­gen­den Ein­griff in die Berufs­frei­heit. Auch unter Berück­sich­ti­gung der abwei­chen­den Rechts­la­ge für Gast­stät­ten und Spiel­ban­ken liegt kein Ver­fas­sungs­ver­stoß vor.

Ver­fas­sungs­ge­richts­hof des Lan­des Ber­lin, Beschluss vom 20. Juni 2014 – VerfGH 96/​13