Kampf­mit­tel­räu­mung am Flug­ha­fen Tegel

Der Bund muss für das Auf­fin­den und Räu­men von Kampf­mit­teln auf dem Flug­ha­fen Tegel zah­len. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ver­ur­teilt, dem Land Ber­lin die Kos­ten für Maß­nah­men zu erstat­ten, die dem Auf­fin­den und Räu­men von Kampf­mit­teln auf dem Flug­ha­fen Ber­lin-Tegel dien­ten. Das Ver­lan­gen des Lan­des Ber­lin zur Erstat­tung der Kos­ten für ent­spre­chen­de Maß­nah­men auf dem Flug­ha­fen Tem­pel­hof blieb dage­gen vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ohne Erfolg.

Kampf­mit­tel­räu­mung am Flug­ha­fen Tegel

Das Gelän­de des Flug­ha­fens Ber­lin-Tegel wur­de bis zum Ende des Zwei­ten Welt­kriegs mili­tä­risch genutzt und war im Zwei­ten Welt­krieg Ziel von Luft­an­grif­fen. Nach dem Krieg wur­den die Kampf­mit­tel nicht voll­stän­dig geräumt. Die Flä­chen des Flug­ha­fens Tegel ste­hen heu­te teils im Eigen­tum des Lan­des, teils im Eigen­tum der Bun­des­an­stalt für Immo­bi­li­en­auf­ga­ben. Bei Bau­ar­bei­ten der Ber­li­ner Flug­ha­fen­ge­sell­schaft an einem Roll­weg des Flug­ha­fens im Jah­re 2004 wur­den in grö­ße­rem Umfang Kampf­mit­tel gefun­den. Auch eine Luft­bild­aus­wer­tung bestä­tig­te den Ver­dacht einer hohen Kampf­mit­tel­be­las­tung. Dar­auf­hin beauf­trag­te das Land zur wei­te­ren Auf­klä­rung ein Inge­nieur­bü­ro mit der umfas­sen­den Bepro­bung des Flug­ha­fen­ge­län­des. Dabei wur­den erheb­li­che Men­gen an Kampf­mit­teln unter­schied­li­cher Gefähr­lich­keit gefun­den und geräumt. Auf dem Flug­ha­fen Tem­pel­hof bestä­tig­te sich der Ver­dacht einer Gefähr­dung durch Kampf­mit­tel hin­ge­gen nicht.

Eine Erstat­tung der Auf­wen­dun­gen für die Bepro­bung und Räu­mung auf bei­den Flug­hä­fen lehn­te die Bun­des­re­pu­blik voll­stän­dig ab, weil er nach der von Art. 120 GG in Bezug genom­me­nen Staats­pra­xis nicht für sie auf­zu­kom­men habe. Der Bund mach­te zur Begrün­dung gel­tend, die Test­feld­un­ter­su­chun­gen und Räu­mun­gen hät­ten kei­ne unmit­tel­bar bestehen­de Gefahr abwen­den sol­len, das Land Ber­lin hät­te der Flug­ha­fen­be­trei­be­rin die Besei­ti­gung auf ihre Kos­ten auf­ge­ben kön­nen und die Auf­wen­dun­gen sei­en sach­lich unnö­tig und in ihrem Umfang über­zo­gen gewe­sen.

Mit sei­ner Kla­ge for­der­te das Land Ber­lin von der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land die Erstat­tung von rund 1,3 Mio. €, die das Land in den Jah­ren 2004 bis 2006 für Test­feld­un­ter­su­chun­gen, Son­die­run­gen und die Räu­mung von Kampf­mit­teln auf dem Gelän­de der geschlos­se­nen bzw. zur Schlie­ßung vor­ge­se­he­nen Flug­hä­fen Tem­pel­hof und Tegel auf­ge­wen­det hat.

Die Kla­ge des Lan­des Ber­lin auf Erstat­tung hat­te vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, das in die­sem Bund-Län­der-Streit erst- und letzt­in­stanz­lich zustän­dig ist, wei­test­ge­hend Erfolg.

Dass der Bund die not­wen­di­gen Auf­wen­dun­gen zum Auf­fin­den und Besei­ti­gen reichs­ei­ge­ner und auf Bun­des­flä­chen auch alli­ier­ter Kampf­mit­tel zu erstat­ten hat, soweit von die­sen eine unmit­tel­ba­re Gefahr aus­geht, ent­spricht einer durch das Grund­ge­setz für ver­bind­lich erklär­ten Staats­pra­xis. Dar­an ändert sich nichts dadurch, dass für die Gefah­ren­be­sei­ti­gung unter Umstän­den ein Zustands­stö­rer in Anspruch genom­men wer­den kann. Eine unmit­tel­ba­re Gefahr war nach dem Ergeb­nis der Test­feld­un­ter­su­chun­gen auf dem Flug­ha­fen Tegel gege­ben. Die Erstat­tungs­pflicht des Bun­des ent­fällt nicht dadurch, dass die Gefahr erst durch Bau­ar­bei­ten akut wur­de, die der Nut­zung eines Flug­ha­fens adäquat waren. Auch ihrer Höhe nach waren die Auf­wen­dun­gen im Wesent­li­chen ange­mes­sen und not­wen­dig. Die Sach­ge­rech­tig­keit und Ange­mes­sen­heit der Unter­su­chun­gen ist von der Beklag­ten nicht durch­grei­fend in Zwei­fel gezo­gen wor­den. Die Mehr­kos­ten, die dadurch ent­stan­den sind, dass der Flug­be­trieb wäh­rend der Erkun­dung und Räu­mung auf­recht­erhal­ten wur­de, durf­te die Beklag­te nicht in Abzug brin­gen. Es ist nicht zu bean­stan­den, dass das Land wegen der Dring­lich­keit von einer Aus­schrei­bung der Arbei­ten abge­se­hen hat.

Da sich eine Gefahr auf dem Flug­ha­fen Tem­pel­hof nicht erge­ben hat, bestand inso­fern kein Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruch.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 31. Mai 2012 – 3 A 1.11