Kein Glas­ver­bot im Köl­ner Kar­ne­val

Eine der unan­ge­neh­me­ren Fol­gen rhei­ni­schen Froh­sinns sind die Glas­scher­ben, die an den Kar­ne­vals­ta­gen die Wege des Stra­ßen­kar­ne­vals ver­un­zie­ren. Der Stadt Köln waren die­se eben­falls ein Dorn im kar­ne­va­lis­ti­schen Auge und so sprach sie unter Anord­nung des Sofort­voll­zugs in einer All­ge­mein­ver­fü­gung vom 13. Janaur 2010 für bestimm­te Zei­ten an den Kar­ne­vals­ta­gen in der Alt­stadt, im Zül­pi­cher Vier­tel und im Bereich der Rin­ge ein all­ge­mei­nes Ver­bot des „Mit­füh­rens und Benut­zens von Glas­be­hält­nis­sen“ aus.

Kein Glas­ver­bot im Köl­ner Kar­ne­val

Dies stopp­te das Ver­wal­tungs­ge­richt Köln nun jedoch in einem Eil­ver­fah­ren und hob ges­tern die von der Stadt Köln ange­ord­ne­te sofor­ti­ge Voll­zie­hung des „Glas­ver­bots“ an Kar­ne­val in der Köl­ner Innen­stadt wie­der auf­ge­ho­ben. Das Gericht gab damit dem Eil­an­trag eines Anwoh­ners aus dem Zül­pi­cher Vier­tel statt, der gegen die All­ge­mein­ver­fü­gung der Stadt Köln geklagt hat­te.

Dar­über hin­aus gab das Ver­wal­tungs­ge­richt Köln heu­te auch noch vier Eil­an­trä­gen von Kiosk­be­sit­zern aus der Köl­ner Innen­stadt gegen das „Glas­ver­bot“ an den Kar­ne­vals­ta­gen statt, denen die Stadt zusätz­lich noch mit indi­vi­du­el­len Ord­nungs­ver­fü­gun­gen ver­bo­ten hat­te, zu bestimm­ten Zei­ten wäh­rend des Kar­ne­vals Geträn­ke in Glas­be­hält­nis­sen zu verkaufen.Das Gericht hat die auf­schie­ben­de Wir­kung der ent­spre­chen­den Kla­gen gegen die Ord­nungs­ver­fü­gun­gen ange­ord­net. Die Kiosk-Betrei­ber müs­sen das Ver­bot damit vor­erst nicht befol­gen.

Das all­ge­mei­ne Recht der Gefah­ren­ab­wehr las­se, so das Ver­wal­tungs­ge­richt Köln in den Ent­schei­dungs­grün­den, rein vor­sorg­li­che Maß­nah­men, wie ein vor­beu­gen­des Ver­bot, grund­sätz­lich nicht zu. Allein das in der All­ge­mein­ver­fü­gung ver­bo­te­ne Mit­füh­ren und Benut­zen von Glä­sern und Glas­fla­schen stel­le noch kei­ne „Gefahr“ im Rechts­sin­ne dar. So sei die Benut­zung von Glas­be­häl­tern an sich nicht gefähr­lich. Sie wer­de es im Regel­fall erst dadurch, dass ord­nungs­wid­ri­ges oder straf­ba­res Ver­hal­ten, etwa die rechts­wid­ri­ge Besei­ti­gung von Glä­sern und Fla­schen oder Sach­be­schä­di­gungs- bzw. Köper­ver­let­zungs­de­lik­te, hin­zu­kä­men. Das Ver­bot trä­fe aber auch eine Viel­zahl von Per­so­nen, die sich ord­nungs­ge­mäß ver­hiel­ten und des­we­gen im Rechts­sin­ne „Nicht­stö­rer“ sei­en.

Ver­wal­tungs­ge­richt Köln, Beschluss vom 3. Febru­ar 2010 – 20 L 88/​10
Ver­wal­tungs­ge­richt Köln, Beschlüs­se vom 4. Febru­ar 2010 – 20 L 109/​10, 20 L 113/​10, 20 L 114/​10 und 20 L 115/​10