Kei­ne kos­ten­lo­se Gei­sel­be­frei­ung

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig hat soeben ent­schie­den, dass Gei­seln die von der Bun­des­re­pu­blik ver­aus­lag­ten Kos­ten ihrer Befrei­ung grund­sätz­lich erstat­ten müs­sen.

Kei­ne kos­ten­lo­se Gei­sel­be­frei­ung

Die Klä­ge­rin des jetzt vom BVerwG ent­schie­de­nen Falls war im Sep­tem­ber 2003 auf einer Trek­king­tour in Kolum­bi­en gemein­sam mit ande­ren Teil­neh­mern einer mehr­köp­fi­gen Rei­se­grup­pe unter­schied­li­cher Natio­na­li­tä­ten von einer Rebel­len­grup­pe ent­führt wor­den. Nach inten­si­ven Bemü­hun­gen des Aus­wär­ti­gen Amtes, der Deut­schen Bot­schaft in Bogo­ta, kolum­bia­ni­scher Behör­den sowie ver­schie­de­ner ande­rer inter­na­tio­na­ler Orga­ni­sa­tio­nen wur­de die Klä­ge­rin Ende Novem­ber 2003 – gemein­sam mit einer spa­ni­schen Gei­sel – frei­ge­las­sen. Wie von den Ent­füh­rern gefor­dert, wur­den die Klä­ge­rin und die spa­ni­sche Gei­sel von einem zivi­len Hub­schrau­ber nach Bogo­ta gebracht, von wo aus die Klä­ge­rin ihren Rück­flug nach Deutsch­land antrat. Das Aus­wär­ti­ge Amt hat­te zuvor – eben­so wie die spa­ni­sche Regie­rung – sei­ne Zustim­mung zur Über­nah­me der hälf­ti­gen Kos­ten für die Char­ter des Hub­schrau­bers erteilt.

Anfang 2004 for­der­te die beklag­te Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land die Klä­ge­rin zur Erstat­tung die­ser Kos­ten in Höhe von 12.640 € auf. Auf die dage­gen erho­be­ne Kla­ge hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin den Erstat­tungs­be­scheid auf­ge­ho­ben: Weder im Kon­su­lar­ge­setz noch im Aus­lands­kos­ten­ge­setz sei für sol­che Fäl­le eine Erstat­tungs­pflicht vor­ge­se­hen. Die­se Lücke kön­ne nicht durch Aus­le­gung, son­dern nur durch den Gesetz­ge­ber geschlos­sen wer­den. Auf die Beru­fung der Beklag­ten hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg das Urteil des Ver­wal­tungs­ge­richts auf­ge­ho­ben und die Kla­ge abge­wie­sen. Anders als die Vor­in­stanz war das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt der Auf­fas­sung, dass der Erstat­tungs­be­scheid ohne Wei­te­res auf das Kon­su­lar­ge­setz und das Aus­lands­kos­ten­ge­setz gestützt wer­den kön­ne. Die Erstat­tungs­pflicht der Klä­ge­rin fol­ge aus § 5 Kon­su­lar­ge­setz, der ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts weit aus­zu­le­gen sei und auch Ent­füh­rungs­fäl­le erfas­se.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat nun die Ent­schei­dung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Ber­lin-Bran­den­burg bestä­tigt und die Revi­si­on der Klä­ge­rin zurück­ge­wie­sen. Der Klä­ge­rin sei durch die Zusa­ge der antei­li­gen Kos­ten­über­nah­me eine kon­su­la­ri­sche Hil­fe zur Behe­bung einer Not­la­ge im Sin­ne von § 5 Abs. 1 Satz 1 KG geleis­tet wor­den. Nach § 5 Abs. 5 Satz 1 KG sei der Emp­fän­ger der Hil­fe zum Ersatz der Aus­la­gen ver­pflich­tet. Unter Aus­la­gen sei­en dabei nicht nur die dem Hilfs­be­dürf­ti­gen unmit­tel­bar zuge­wand­ten Sach- oder Geld­mit­tel, son­dern auch die­je­ni­gen finan­zi­el­len Mit­tel zu ver­ste­hen, die – wie hier die Kos­ten für den Hub­schrau­ber – unmit­tel­bar zur Behe­bung der Not­la­ge bestimmt sei­en und zu die­sem Zweck einem Drit­ten zuge­wandt wür­den.

Die Ent­schei­dung über die Rück­for­de­rung der Kos­ten lie­ge in den Fäl­len des § 5 Abs. 5 Satz 1 KG zwar nicht im behörd­li­chen Ermes­sen. Bei der Fest­set­zung der Höhe des Erstat­tungs­be­trags sei jedoch der Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­grund­satz zu beach­ten. Die­ser kön­ne – je nach den Umstän­den des Ein­zel­falls – die Rück­for­de­rung nur eines Teils der Kos­ten oder in Aus­nah­me­fäl­len auch den völ­li­gen Ver­zicht auf die Erstat­tung gebie­ten. Auch unter die­sem Gesichts­punkt sei der ange­foch­te­ne Bescheid nicht zu bean­stan­den, weil das Aus­wär­ti­ge Amt von vorn­her­ein nur einen Teil des ent­stan­de­nen Auf­wands gel­tend gemacht habe.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 28. Mai 2009 – 7 C 13.08