Kos­ten­freie Kin­der­be­treu­ung in den ers­ten 5 Stun­den

Die Rege­lung über die Befrei­ung der Eltern von Kos­ten­bei­trä­gen für den Zeit­raum der ers­ten fünf Betreu­ungs­stun­den in einer Kin­der­ta­ges­ein­rich­tung ver­stößt nicht gegen den sich aus Art. 3 Abs. 1 GG erge­ben­den Grund­satz der Abga­ben­ge­rech­tig­keit und das sog. Äqui­va­lenz­prin­zip.

Kos­ten­freie Kin­der­be­treu­ung in den ers­ten 5 Stun­den

Mit die­ser Begrün­dung hat der Hes­si­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof in dem hier vor­lie­gen­den Nor­men­kon­troll­ver­fah­ren die Gebüh­ren­re­ge­lun­gen in der Sat­zung der Lan­des­haupt­stadt Wies­ba­den über die Benut­zung der Kin­der­ta­ges­ein­rich­tun­gen vom 27. Dezem­ber 2011 für recht­mä­ßig gehal­ten. Die Sat­zung über die Benut­zung der Kin­der­ta­ges­ein­rich­tun­gen sieht in ihrem gebüh­ren­recht­lich rele­van­ten Teil u. a. vor, dass die Nut­zung der Tages­ein­rich­tun­gen für alle Kin­der der unter­schied­li­chen Betreu­ungs­for­men für die Dau­er von fünf Stun­den ab Beginn der Öff­nungs­zeit der jewei­li­gen Ein­rich­tung gebüh­ren­frei ist. Gegen die­se teil­wei­se Frei­stel­lung von Kos­ten­bei­trä­gen nach Zeit­ab­schnit­ten wen­den sich meh­re­re Eltern von Kin­dern, die eine Kin­der­ta­ges­stät­te in Wies­ba­den besu­chen. Sie sind der Auf­fas­sung, es stel­le einen ekla­tan­ten Ver­stoß gegen den Gleich­heits­satz dar, dass für die "Halb­tags­nut­zung" der jewei­li­gen Ein­rich­tung kei­ne Gebüh­ren erho­ben wür­den, wäh­rend die Kos­ten der Ein­rich­tung allein von den Erzie­hungs­be­rech­tig­ten zu tra­gen sei­en, deren Kin­der sich län­ger als fünf Stun­den in einer Kin­der­ta­ges­stät­te befän­den.

Nach Auf­fas­sung des Hes­si­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs sei die ange­grif­fe­ne Gebüh­ren­re­ge­lung der Sat­zung vom Gesetz gedeckt und auch durch sach­li­che Grün­de gerecht­fer­tigt. Die Rege­lung über die Befrei­ung von Kos­ten­bei­trä­gen für den Zeit­raum der ers­ten fünf Betreu­ungs­stun­den stel­le kei­ne Staf­fe­lung des Kos­ten­bei­tra­ges nach Betreu­ungs­zei­ten dar, denn mit der teil­wei­sen Frei­stel­lung von Kos­ten­bei­trä­gen nach Zeit­ab­schnit­ten habe sich die Lan­des­haupt­stadt Wies­ba­den in Aus­übung des ihr vom Gesetz­ge­ber ein­ge­räum­ten Gestal­tungs­spiel­raums dem Grun­de nach dafür ent­schie­den, für den genann­ten Zeit­ab­schnitt – Vor­mit­tag – die Eltern aller Kin­der kos­ten­bei­trags­frei zu stel­len, wäh­rend für den übri­gen, bei­trags­pflich­ti­gen Zeit­ab­schnitt für alle Pflich­ti­gen ent­spre­chend den unter­schied­li­chen Betreu­ungs­for­men ein ein­heit­li­cher Kos­ten­bei­trag erho­ben wer­de. Es sei nicht zu bean­stan­den, wenn die Lan­des­haupt­stadt Wies­ba­den Anrei­ze für eine Nut­zung der Kin­der­ta­ges­ein­rich­tun­gen durch eine teil­wei­se Frei­stel­lung vom Kos­ten­bei­trag für den Zeit­raum der ers­ten fünf Stun­den für die Kin­der aller Alters­grup­pen und Betreu­ungs­for­men anbie­te. Dass im Hin­blick auf die aktu­el­le Dis­kus­si­on um die Aus­wei­tung der Ganz­tags­be­treu­ungs­an­ge­bo­te in Kin­der­ta­ges­ein­rich­tun­gen die Kos­ten­bei­trä­ge der Eltern mit guten Grün­den auch anders hät­ten gestal­tet wer­den kön­nen, die Lan­des­haupt­stadt Wies­ba­den sich in Aus­übung ihres wei­ten, vom Gesetz­ge­ber ein­ge­räum­ten Gestal­tungs­spiel­raums sich jedoch für eine ande­re Art der Kos­ten­be­tei­li­gung ent­schie­den habe, mache die­se Ent­schei­dung nicht ermes­sens­feh­ler­haft.

Die in der Sat­zung fest­ge­leg­ten Gebüh­ren ver­stie­ßen auch nicht gegen den sich aus Art. 3 Abs. 1 GG erge­ben­den Grund­satz der Abga­ben­ge­rech­tig­keit und das sog. Äqui­va­lenz­prin­zip. Die Ent­schei­dung, die Eltern aller Kin­der – also auch die Pflich­ti­gen einer Ganz­tags­nut­zung – für den Zeit­raum der ers­ten fünf Stun­den gebüh­ren­frei zu stel­len, sei durch den über die Kos­ten­de­ckung hin­aus­ge­hen­den Zweck, Anrei­ze zur Nut­zung der Ein­rich­tun­gen für Kin­der aller Alters­grup­pen zu bie­ten, gerecht­fer­tigt und kom­me für den bei­trags­frei­en Abschnitt in glei­chem Umfang allen Kos­ten­bei­trags­pflich­ti­gen zugu­te, d. h. auch den nach der Sat­zung Ent­gelt­pflich­ti­gen wer­de die Bei­trags­frei­stel­lung für den Zeit­raum der ers­ten fünf Stun­den für die Kin­der aller Alters­grup­pen und Betreu­ungs­for­men gewährt. Die in der Sat­zung fest­ge­leg­ten Ent­gel­te über­stie­gen im übri­gen der Höhe nach die anteil­mä­ßi­gen rech­ne­ri­schen Kos­ten der gewähr­ten staat­li­chen Leis­tun­gen, so dass eine "Quer­sub­ven­tio­nie­rung" des­halb nicht statt­fin­de.

Hes­si­scher Ver­wal­tungs­ge­richts­hof, Beschluss vom 4. März 2014 – 5 C 2331/​12.N