Kriegs­dienst­ver­wei­ge­rung im Kla­ge­ver­fah­ren

Hat ein Wehr­pflich­ti­ger sei­nen im Ver­wal­tungs­ver­fah­ren unvoll­stän­dig geblie­be­nen Antrag auf Aner­ken­nung als Kriegs­dienst­ver­wei­ge­rer im Kla­ge­ver­fah­ren ver­voll­stän­digt, darf sei­ne Kla­ge in der Regel nicht ohne eine auf der Grund­la­ge einer förm­li­chen Par­tei­ver­neh­mung durch­ge­führ­te sog. Voll­prü­fung des Aner­ken­nungs­be­geh­rens abge­wie­sen wer­den.

Kriegs­dienst­ver­wei­ge­rung im Kla­ge­ver­fah­ren

Die auf die Aner­ken­nung als Kriegs­dienst­ver­wei­ge­rer gerich­te­te Kla­ge eines Wehr­pflich­ti­gen, des­sen Antrag im Ver­wal­tungs­ver­fah­ren unvoll­stän­dig geblie­ben und des­halb ohne Sach­prü­fung abge­lehnt, jedoch im Kla­ge­ver­fah­ren ver­voll­stän­digt wor­den ist, darf nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts in der Regel nicht abge­wie­sen wer­den, wenn der Wehr­pflich­ti­ge nicht zuvor zu den Grün­den der gel­tend gemach­ten Gewis­sens­ent­schei­dung förm­lich als Par­tei ver­nom­men und dabei eine sog. Voll­prü­fung des Aner­ken­nungs­be­geh­rens durch­ge­führt wor­den ist 1. Von die­sem Erfor­der­nis, das der beson­de­ren Bedeu­tung des Vor­brin­gens des Wehr­pflich­ti­gen in Kriegs­dienst­ver­wei­ge­rungs­sa­chen Rech­nung trägt, kann nur aus­nahms­wei­se dann abge­se­hen wer­den, wenn schon das eige­ne Vor­brin­gen des Wehr­pflich­ti­gen unschlüs­sig ist, weil sich aus ihm ergibt, dass er sich aus ande­ren als Gewis­sens­grün­den um die Aner­ken­nung bemüht oder sich nicht im Sin­ne des § 1 KDVG der Betei­li­gung an jeder Waf­fen­an­wen­dung zwi­schen den Staa­ten wider­setzt oder wenn sonst die gesam­ten Umstän­de des Fal­les den Schluss recht­fer­ti­gen, dass er kei­ne ernst­haf­te Gewis­sens­ent­schei­dung getrof­fen hat. Letz­te­res kommt vor allem dann in Betracht, wenn der Wehr­pflich­ti­ge nicht nur das Ver­wal­tungs­ver­fah­ren, son­dern dar­über hin­aus auch das Kla­ge­ver­fah­ren nicht ernst­lich, son­dern unin­ter­es­siert und ohne den gebo­te­nen Nach­druck betrie­ben hat und ins­be­son­de­re unent­schul­digt dem Ver­hand­lungs­ter­min fern­ge­blie­ben ist 2

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 13. Sep­tem­ber 2010 – 6 B 31.10

  1. vgl. hier­zu und zu den ein­zu­hal­ten­den Prü­fungs­schrit­ten: BVerwG, Urteil vom 19.08.1992 – 6 C 25.90, Buch­holz 448.6 § 5 KDVG Nr. 5 S. 19; Beschlüs­se vom 29.04.1991 – 6 B 40.90, Buch­holz 310 § 86 Abs. 1 VwGO Nr. 231 S. 59 f., vom 07.09.1995 – 6 B 32.95, Buch­holz 448.6 § 5 KDVG Nr. 7, vom 15.11.1996 – 6 B 61.96, Buch­holz 448.6 § 6 KDVG Nr. 3 S. 1 f., vom 11.10.2000 – 6 B 47.00, Buch­holz 448.6 § 5 KDVG Nr. 10 S. 7; und vom 30.05.2001 – 6 B 31.01, Buch­holz 448.6 § 19 KDVG Nr. 5 S. 1 f.[]
  2. BVerwG, Beschlüs­se vom 24.09.2003 – 6 B 34.03, Buch­holz 448.6 § 14 KDVG Nr. 28 S. 3; und vom 24.11.2004 – 6 B 38.04[]