Satu­darah Mal­uku MC – Satu­darah MC Tiga­ta­nah

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig hat die Kla­gen gegen das Betä­ti­gungs­ver­bot der nie­der­län­di­schen Rocker­ver­ei­ni­gung „Satu­darah Mal­uku MC“ in Deutsch­land abge­wie­sen.

Satu­darah Mal­uku MC – Satu­darah MC Tiga­ta­nah

Mit Ver­fü­gung des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums des Innern vom 19. Janu­ar 2015 wur­de fest­ge­stellt, dass Zweck und Tätig­keit der in den Nie­der­lan­den ansäs­si­gen Ver­ei­ni­gung ein­schließ­lich ihrer Teil­or­ga­ni­sa­tio­nen in Deutsch­land den Straf­ge­set­zen zuwi­der­lau­fen (§ 15 Ver­einsG, Art. 9 Abs. 2 GG). Sie­ben in der Ver­fü­gung genann­te inlän­di­sche Teil­or­ga­ni­sa­tio­nen wur­den auf­ge­löst. Dem Ver­ein wur­de jede Tätig­keit in Deutsch­land ver­bo­ten. Die Ent­schei­dung wur­de damit begrün­det, dass es im Rah­men von Aus­ein­an­der­set­zun­gen zwi­schen dem „Satu­darah Mal­uku MC" und ande­ren Rocker­grup­pen regel­mä­ßig zu schwe­ren Kör­per­ver­let­zungs- bis hin zu (ver­such­ten) Tötungs­de­lik­ten kom­me. Der Ver­ein wer­de aber auch durch sei­ne straf­ge­setz­wid­ri­ge Betä­ti­gung im Bereich der Rauschgift‑, Spreng­stoff- und Waf­fen­kri­mi­na­li­tät geprägt. In die­ser Wei­se sei er auch in Deutsch­land tätig.

Gegen die Ver­fü­gung haben fünf Mit­glie­der, die nach der Ver­bots­ver­fü­gung der Lei­tungs­ebe­ne in den Nie­der­lan­den ange­hört haben sol­len, in eige­nem Namen Kla­ge beim Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt erho­ben. Die­ses ist bei Ver­eins­ver­bo­ten durch das Bun­des­mi­nis­te­ri­um des Innern erst- und letzt­in­stanz­lich zustän­dig. Geklagt hat fer­ner das als Teil­or­ga­ni­sa­ti­on mit­ver­bo­te­ne Aache­ner Chap­ter, der „Satu­darah MC Tiga­ta­nah".

Die Klä­ger haben ins­be­son­de­re gel­tend gemacht, die ver­bo­te­ne Ver­ei­ni­gung exis­tie­re gar nicht. Da nicht der in den Nie­der­lan­den ansäs­si­ge Ver­ein selbst geklagt hat, hat­te das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt nur dar­über zu ent­schei­den, ob ein das Aache­ner Chap­ter mit­um­fas­sen­der Gesamt­ver­ein im Sin­ne des Ver­eins­ge­set­zes besteht. Das hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt nach einer mehr­tä­gi­gen Ver­hand­lung mit Beweis­auf­nah­me bejaht. Eine hin­rei­chend orga­ni­sier­te Wil­lens­bil­dung inner­halb der Gesamt­or­ga­ni­sa­ti­on ergab sich ins­be­son­de­re aus der Befug­nis des aus sog. „Natio­nals" bestehen­den Füh­rungs­gre­mi­ums in den Nie­der­lan­den, über die Auf­nah­me neu­er Chap­ter und über Sicher­heits­fra­gen zu ent­schei­den.

In die­se Orga­ni­sa­ti­ons­struk­tur war auch das Aache­ner Chap­ter ein­ge­bun­den. Das Vor­lie­gen von Ver­bots­grün­den war für das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt nicht ent­schei­dungs­er­heb­lich; ihr Feh­len hät­te nur der nie­der­län­di­sche Ver­ein selbst gel­tend machen kön­nen.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urtei­le vom 4. Novem­ber 2016 – 1 A 5.15 – und 1 A 6.15