Tier­schutz endet nicht an der Lan­des­gren­ze

Holt ein Rhein­land-Pfäl­zer einen "gefähr­li­chen Hund" aus einem baden-würt­tem­ber­gi­schen Tier­heim, kann ihm des­sen Hal­tung nicht mit der Begrün­dung unter­sagt wer­den, das Tier stam­me nicht aus einem Tier­heim des Lan­des Rhein­land-Pfalz. Dies hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Neu­stadt jetzt in einem Eil­ver­fah­ren ent­schie­den.

Tier­schutz endet nicht an der Lan­des­gren­ze

Im zugrun­de lie­gen­den Fall hat­te eine in der Süd­pfalz woh­nen­de Frau im Okto­ber 2008 einen Ame­ri­can Staf­fordshire Ter­ri­er-Misch­ling aus einem baden-würt­tem­ber­gi­schen Tier­heim zu sich genom­men. Nach­dem die Stadt­ver­wal­tung hier­von erfah­ren hat­te, unter­sag­te sie mit sofor­ti­ger Wir­kung die Hal­tung des Hun­des und ord­ne­te zugleich an, die­sen wie­der in das Tier­heim zu brin­gen. Sie begrün­de­te dies damit, dass es sich nach dem Lan­des­ge­setz über gefähr­li­che Hun­de um einen Hund han­de­le, für des­sen Hal­tung eine Erlaub­nis erfor­der­lich sei. Die Frau habe eine sol­che nicht und kön­ne auch kei­ne erhal­ten. Vor­aus­set­zung für die Ertei­lung einer Erlaub­nis zur Hal­tung eines gefähr­li­chen Hun­des sei näm­lich ein berech­tig­tes Inter­es­se. Ein sol­ches kön­ne aus Tier­schutz­grün­den bei der Über­nah­me eines Tie­res aus einem Tier­heim zwar bejaht wer­den, es müs­se sich aber um ein rhein­land-pfäl­zi­sches Tier­heim han­deln.

Hier­ge­gen erhob die Betrof­fe­ne Wider­spruch und wand­te sich wegen des ange­ord­ne­ten Sofort­voll­zugs zugleich mit einem Eil­an­trag an das Ver­wal­tungs­ge­richt.

Mit Erfolg: Die Antrag­stel­le­rin müs­se den Hund vor­läu­fig nicht abge­ben, denn es bestün­den erheb­li­che Zwei­fel an der Recht­mä­ßig­keit der behörd­li­chen Anord­nung. Ein berech­tig­tes Inter­es­se an der Hal­tung eines gefähr­li­chen Hun­des lie­ge dann vor, wenn das Tier aus einem Tier­heim an einen sach­kun­di­gen und zuver­läs­si­gen Hal­ter ver­mit­telt wer­de und ihm dadurch ein Leben im Tier­heim erspart wer­de. Dies gel­te ohne Rück­sicht dar­auf, in wel­chem Bun­des­land sich das Heim befin­de, denn der Tier­schutz sei ohne Bin­dun­gen an eine Lan­des­gren­ze garan­tiert. Die Beschrän­kung auf rhein­land-pfäl­zi­sche Tier­hei­me sei daher nicht gerecht­fer­tigt.

Ver­wal­tungs­ge­richt Neu­stadt, Beschluss vom 22. Dezem­ber 2008 – 5 L 1418/​08.NW (rechts­kräf­tig)