Ton­ab­bau oder Umge­hungs­stra­ße?

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig hat heu­te den Plan­fest­stel­lungs­be­schluss des Lan­des­ver­wal­tungs­am­tes Sach­sen-Anhalt für den Bau der Orts­um­ge­hung Naum­burg für rechts­wid­rig und nicht voll­zieh­bar erklärt.

Ton­ab­bau oder Umge­hungs­stra­ße?

Bei dem plan­fest­ge­stell­ten Vor­ha­ben han­delt es sich um einen ca. 5 km lan­gen Abschnitt der Umge­hungs­stra­ße Bad Kösen-Naum­burg-Wet­hau im Zuge des Neu­baus der Bun­des­stra­ße B 87. Der hier umstrit­te­ne Tras­sen­kor­ri­dor ver­läuft süd­lich der Stadt Naum­burg. Er beginnt öst­lich der B 88 und endet in einem Bereich zwi­schen den Orts­tei­len Weichau und Wet­hau mit Anschluss an die vor­han­de­ne B 87alt.

Die Klä­ge­rin, ein Abbau- und Gewin­nungs­be­trieb, ist Inha­be­rin des Berg­werks­ei­gen­tums an einer Ton­la­ger­stät­te, die durch die geplan­te Orts­um­ge­hung durch­schnit­ten wird. Sie hat­te schon wäh­rend des Pla­nungs­ver­fah­rens u.a. gel­tend gemacht, in die­sem Fal­le sei ein Ton­ab­bau auf den ver­blei­ben­den Teil­flä­chen wirt­schaft­lich nicht mehr mög­lich. Das beklag­te Lan­des­ver­wal­tungs­amt Sach­sen-Anhalt hat­te dies zum Anlass genom­men, vier Tras­sen­va­ri­an­ten zu prü­fen, sich nach Abwä­gung ver­schie­de­ner Belan­ge jedoch für eine Tras­se ent­schie­den, die das Abbau­ge­biet der Klä­ge­rin – wenn auch im Rand­be­reich – in vol­ler Län­ge durch­schnei­det.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt erach­te­te die­se Abwä­gung als feh­ler­haft, weil dar­in die gesetz­lich beson­ders geschütz­ten Belan­ge der Klä­ge­rin nicht aus­rei­chend berück­sich­tigt wur­den. Das Bun­des­berg­ge­setz schreibt vor, öffent­li­che Ver­kehrs­an­la­gen so zu pla­nen, dass deren Betrieb und die Gewin­nung von Boden­schät­zen ein­an­der so wenig wie mög­lich beein­träch­ti­gen. Nur dann, wenn ein sol­cher Aus­gleich nicht mög­lich ist, geht der Stra­ßen­bau der Gewin­nung von Boden­schät­zen grund­sätz­lich vor. Die­sen gesetz­li­chen Vor­ga­ben genügt der ange­foch­te­ne Plan­fest­stel­lungs­be­schluss nicht. Die Beklag­te hat das Aus­maß der Betrof­fen­heit der Klä­ge­rin nicht aus­rei­chend ermit­telt. Sie hat deren Berg­werks­ei­gen­tum bei der Abwä­gung der Vor- und Nach­tei­le der Tras­se­n­al­ter­na­ti­ven nur als einen von zahl­rei­chen Belan­gen berück­sich­tigt, ohne ihm das berg­recht­lich gebo­te­ne beson­de­re Gewicht bei­zu­mes­sen.

Das Lan­des­ver­wal­tungs­amt hat nun die Mög­lich­keit, den fest­ge­stell­ten Man­gel in einem ergän­zen­den Ver­fah­ren zu behe­ben.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 10. Febru­ar 2016 – 9 A 12015 -