Der "Grü­ne Punkt " – und die öffent­lich-recht­li­chen Ent­sor­gungs­ein­rich­tun­gen

Die Rege­lung der Ver­pa­ckungs­ver­ord­nung über die ent­gelt­li­che Mit­be­nut­zung von öffent­lich-recht­li­chen Ent­sor­gungs­ein­rich­tun­gen durch den "Grü­nen Punkt" sind nach einer Ent­schei­dung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts unwirk­sam.

Der "Grü­ne Punkt " – und die öffent­lich-recht­li­chen Ent­sor­gungs­ein­rich­tun­gen

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig hat jetzt die Kla­ge des Land­krei­ses Böb­lin­gen gegen ein pri­va­tes Rück­hol­sys­tem für Ver­kaufs­ver­pa­ckun­gen (Dua­les Sys­tem Deutsch­land GmbH) abge­wie­sen. Der Klä­ger, der in sei­nem Bereich öffent­lich-recht­li­cher Ent­sor­gungs­trä­ger ist, woll­te fest­ge­stellt wis­sen, dass die Beklag­te zur ent­gelt­li­chen Mit­be­nut­zung bestimm­ter Ein­rich­tun­gen des Land­krei­ses für die Samm­lung von Papier, Pap­pe und Kar­ton ver­pflich­tet ist. Dabei stand ins­be­son­de­re im Streit, wel­che Ein­rich­tun­gen des Klä­gers von der Mit­be­nut­zungs­pflicht erfasst sind und wie die Höhe des Ent­gel­tes zu bestim­men ist. Die Kla­ge hat­te in den Vor­in­stan­zen vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Stutt­gart und dem Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg teil­wei­se Erfolg 1.

Rechts­grund­la­ge für den gel­tend gemach­ten Anspruch könn­te allein § 6 Abs. 4 Satz 5 der Ver­pa­ckungs­ver­ord­nung in der Fas­sung von 2008 (Ver­packV 2008) sein. Danach kön­nen die öffent­lich-recht­li­chen Ent­sor­gungs­trä­ger die Über­nah­me oder Mit­be­nut­zung der Ein­rich­tun­gen, die für die Samm­lung von bestimm­ten Mate­ria­li­en – u.a. – erfor­der­lich sind, gegen ein ange­mes­se­nes Ent­gelt ver­lan­gen. Die­se Vor­schrift ist aber unwirk­sam, weil sie dem ver­fas­sungs­recht­li­chen Gebot hin­rei­chen­der Bestimmt­heit von Rechts­nor­men nicht ent­spricht, das in Art.20 Abs. 3 GG und in Art. 28 Abs. 1 Satz 1 GG ver­an­kert ist. § 6 Abs. 4 Satz 5 Ver­packV 2008 soll dem öffent­lich-recht­li­chen Ent­sor­gungs­trä­ger einen gericht­lich durch­setz­ba­ren Anspruch u.a. auf Ent­rich­tung eines ange­mes­se­nen Ent­gelts ver­mit­teln und muss daher den Bestimmt­heits­an­for­de­run­gen genü­gen, die für abga­be­be­grün­den­de Tat­be­stän­de – etwa Gebüh­ren und Bei­trä­ge – gel­ten. Die­se müs­sen so bestimmt sein, dass der Abga­be­pflich­ti­ge die auf ihn ent­fal­len­de Abga­be in gewis­sem Umfang vor­aus­be­rech­nen kann. Das ist bei § 6 Abs. 4 Satz 5 Ver­packV 2008 nicht der Fall; die Vor­schrift ent­hält kei­ne Vor­ga­ben, wie das ange­mes­se­ne Ent­gelt zu bestim­men ist. Dies führt zur Nich­tig­keit der gesam­ten Rege­lung, denn Mit­be­nut­zungs- und Ent­gelt­an­spruch sind untrenn­bar mit­ein­an­der ver­bun­den.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 26. März 2015 – 7 C 17.12

  1. VGH Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 24.07.2012 – 10 S 2554/​10; VG Stut­gart, Urteil vom 30.09.2010 – 2 K 639/​09[]