Der Schutz der Bie­nen bei der Ver­wen­dung von Pflan­zen­schutz­mit­teln

Bei der Anwen­dung von bie­nen­ge­fähr­li­chen Pflan­zen­schutz­mit­teln u.a. auf Kar­tof­feln ist dar­auf zu ach­ten, dass kei­ne Gefahr besteht, dass Bie­nen inner­halb des Wir­kungs­zeit­raums des Mit­tels zwecks Nah­rungs­su­che die behan­del­ten Pflan­zen anflie­gen.

Der Schutz der Bie­nen bei der Ver­wen­dung von Pflan­zen­schutz­mit­teln

Mit die­ser Begrün­dung hat das Nie­der­säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in den hier vor­lie­gen­den Fäl­len die nach­träg­li­che Kür­zung der Prä­mi­en um 5 % wegen Ver­sto­ßes gegen die Bie­nen­schutz­ver­ord­nung als recht­mä­ßig ange­se­hen, die Urtei­le des Ver­wal­tungs­ge­richts geän­dert und die Kla­gen gegen die Kür­zung abge­wie­sen. Der Klä­ger hat im Land­kreis Cel­le einen land­wirt­schaft­li­chen Betrieb und baut Kar­tof­feln an. Für das Jahr 2006 erhielt er eine pro­duk­ti­ons­be­zo­ge­ne Bei­hil­fe für den Anbau von Stär­ke­kar­tof­feln sowie eine all­ge­mei­ne Betriebs­prä­mie. Bei­de Bei­hil­fen sind dar­an gebun­den, dass der Land­wirt all­ge­mei­ne Anfor­de­run­gen beach­tet. Hier­zu zählt auch die sach­ge­rech­te Anwen­dung von Pflan­zen­schutz­mit­teln. Die­se Anfor­de­run­gen erge­ben sich u. a. aus § 2 Abs. 1 Nr. 2 der Bie­nen­schutz­ver­ord­nung. Vor­lie­gend strei­ten sich die Betei­lig­ten dar­über, ob der Klä­ger im Juli 2006 gegen die­se Norm ver­sto­ßen hat. Die Beklag­te, die Land­wirt­schafts­kam­mer Nie­der­sach­sen, sieht einen sol­chen Ver­stoß dar­in begrün­det, dass der Klä­ger Ende Juli 2006 sei­ne Kar­tof­fel­pflan­zen mit einem bie­nen­ge­fähr­li­chen Pflan­zen­schutz­mit­tel behan­delt hat. Dies habe er unter­las­sen müs­sen. Denn sei­ne Kar­tof­fel­pflan­zen sei­en damals stark mit Blatt­läu­sen befal­len gewe­sen, so dass sich Honig­tau gebil­det und Bie­nen ange­lockt habe. Tat­säch­lich hät­ten des­halb Bie­nen die Fel­der des Klä­gers beflo­gen und sei­en mas­sen­haft ver­en­det. Wegen des von ihr bejah­ten, als fahr­läs­sig ein­ge­stuf­ten Ver­sto­ßes hat die Beklag­te die dem Klä­ger gewähr­ten Bei­hil­fen jeweils um 5 % gekürzt und den über­zahl­ten Betrag zurück­ge­for­dert. Hier­ge­gen wen­det sich der Klä­ger mit der Begrün­dung, nicht gegen die Bie­nen­schutz­ver­ord­nung ver­sto­ßen zu haben. Danach sei es nur ver­bo­ten, bienen­gefährliche Pflan­zen­schutz­mit­tel anzu­wen­den, wenn die Pflan­zen im Anwendungs­zeitpunkt tat­säch­lich von Bie­nen ange­flo­gen wür­den. Dies sei vor­lie­gend jedoch Ende Juli 2006 nicht der Fall, zumin­dest für ihn trotz Kon­trol­len nicht zu erken­nen gewe­sen. Das Verwaltungs­gericht ist die­sem Ver­ständ­nis der Bie­nen­schutz­ver­ord­nung gefolgt und hat den Kla­gen in bei­den Ver­fah­ren statt­ge­ben. Die Beklag­te hat jeweils Beru­fung ein­ge­legt.

Nach Auf­fas­sung des Nie­der­säch­si­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richts ist das von der Beklag­ten ver­tre­te­ne Begriffs­ver­ständ­nis vom Wort­laut des § 2 Abs. 1 Nr. 2 der Bie­nen­schutz­ver­ord­nung gedeckt und ent­spricht allein dem Sinn und Zweck der Norm. Zudem ist die Ver­ord­nung gera­de des­halb erwei­tert wor­den, um auch Pflan­zen mit Honig­tau­bil­dung als Nah­rungs­quel­le für Bie­nen beson­ders zu schüt­zen. Andern­falls wäre der gewoll­te Bie­nen­schutz unvoll­kom­men. Dem Land­wirt bleibt die Mög­lich­keit, sei­ne Pflan­zen früh­zei­tig, also vor einer Honig­tau­bil­dung, zu behan­deln oder danach mit einem weni­ger bie­nen­ge­fähr­li­chen Mit­tel; not­falls muss er eine Aus­nah­me­ge­neh­mi­gung bean­tra­gen und recht­zei­tig vor der Behand­lung alle Imker im Umkreis benach­rich­ti­gen.

Da nach den Fest­stel­lun­gen des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts die Kar­tof­fel­pflan­zen des Klä­gers Ende Juli 2006 tat­säch­lich stark mit Blatt­läu­sen befal­len waren und sich Honig­tau gebil­det hat­te, kamen sei­ne Pflan­zen als Nah­rungs­quel­le für die im nähe­ren Umkreis von bis zu zwei Kilo­me­tern befind­li­chen Bie­nen meh­re­rer Imker in Betracht. Der Klä­ger hät­te des­halb nicht mehr mit dem bie­nen­ge­fähr­li­chen Mit­tel Tama­ron sprit­zen dür­fen. Er hat inso­weit auch fahr­läs­sig gehan­delt. Denn auf ein sol­ches Ver­bot waren die Kar­tof­fel­an­bau­er in Nie­der­sach­sen im Juli 2006 mehr­fach hin­ge­wie­sen wor­den. Daher war die auch nach­träg­li­che Kür­zung der Prä­mi­en um 5 % nicht zu bean­stan­den. Ob Bie­nen tat­säch­lich infol­ge des Ein­sat­zes von Tama­ron durch den Klä­ger ver­en­det sind, muss­te das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt nicht klä­ren.

Nie­der­säch­si­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Urtei­le vom 21. August 2013 – 10 LC 113/​11 und 10 LC 131/​11