Die Geneh­mi­gung zur Umwand­lung eines Wal­des

Ist eine Wald­um­wand­lungs­ge­neh­mi­gung unter Ver­stoß gegen die Bestim­mun­gen des Geset­zes über die Umwelt­ver­träg­lich­keits­prü­fung sowie wei­te­rer umwelt- und natur­schutz­recht­li­cher Vor­schrif­ten, ins­be­son­de­re des Arten­schutz­rech­tes und des Wald­ge­set­zes aus­ge­spro­chen wor­den, liegt eine rechts­wid­ri­ge Geneh­mi­gung vor.

Die Geneh­mi­gung zur Umwand­lung eines Wal­des

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Osna­brück in dem hier vor­lie­gen­den Fall der Kla­ge eines nach dem Umwelt-Rechts­be­helfs­ge­setz aner­kann­ten Umwelt­ver­ban­des statt­ge­ge­ben und eine vom Land­kreis Osna­brück erteil­te Geneh­mi­gung zur Umwand­lung einer 1,73 ha gro­ßen, in Bip­pen-Lon­ner­be­cke lie­gen­den Wald­flä­che auf­ge­ho­ben. Die­se Geneh­mi­gung dien­te dazu, eine unzu­läs­si­ge Belas­tung der Wald­flä­che durch Schad­stoffim­mis­sio­nen aus einer vom Sohn der Waldeigentümerin/​Genehmigungsempfängerin beab­sich­tig­ten Auf­sto­ckung sei­ner Hähn­chen­mast­an­la­ge auf 180.000 Tier­plät­ze und der Schwei­ne­hal­tung auf rd. 1.470 Mast­schwei­ne zu ver­mei­den. Gegen­stand die­ser Geneh­mi­gung war die Rodung und ander­wei­ti­ge Nut­zung eines ca. 100 Jah­re alten Misch­wal­des sowie eines Nadel­baum­be­stan­des. Die­ser Wald liegt inner­halb des Natur­par­kes Nörd­li­cher Teu­to­bur­ger Wald; ein Teil gehört zu einem Bio­top der Art „Eichen­misch­wald, tro­cke­ne Sand­bö­den”.

Im Rah­men eines vor­aus­ge­gan­ge­nen Ver­fah­rens des vor­läu­fi­gen Rechts­schut­zes um die Voll­zieh­bar­keit der Wald­um­wand­lungs­ge­neh­mi­gung hat­te das Ver­wal­tungs­ge­richt Osna­brück in sei­nem Beschluss vom 12. März 2013 u.a. aus­ge­führt, die Genemi­gung sei unter Ver­stoß gegen die Bestim­mun­gen des Geset­zes über die Umwelt­ver­träg­lich­keits­prü­fung sowie wei­te­rer umwelt- und natur­schutz­recht­li­cher Vor­schrif­ten, ins­be­son­de­re des Arten­schutz­rech­tes und des Wald­ge­set­zes aus­ge­spro­chen wor­den. Dies eEnt­schei­dung ist vom Nie­der­säch­si­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richt 1 bestä­tigt wor­den.

In dem hier vor­lie­gen­den Ver­fah­ren hat sich das Ver­wal­tungs­ge­richt Osna­brück in sei­ner Begrün­dung zur Rechts­wid­rig­keit der Wald­um­wand­lungs­ge­neh­mi­gung auf die Beschlüs­se des Nds. Ober­ver­wal­tungs­ge­richts und des Ver­wal­tungs­ge­richts Osna­brück Bezug genom­men.

Die jüngst abge­ge­be­ne Erklä­rung der Geneh­mi­gungs­emp­fän­ge­rin, sie ver­zich­te auf die Wald­um­wand­lungs­ge­neh­mi­gung, soweit die­se eine Flä­che von mehr als ca. 0,9 ha betref­fe, las­se die Pflicht zur Durch­füh­rung einer Umwelt­ver­träg­lich­keits­prü­fung und das an die­sen Umstand anknüp­fen­de Kla­ge­recht des Umwelt­ver­ban­des nicht ent­fal­len, denn ein (Teil-) Ver­zicht kom­me nach den ein­schlä­gi­gen Vor­schrif­ten nicht in Betracht. Aber selbst wenn unter­stellt wer­de, dass eine Pflicht zur Umwelt­ver­träg­lich­keits­prü­fung nicht gege­ben sei, so ste­he dem Umwelt­ver­band bei der erfor­der­li­chen euro­pa­rechts­kon­for­men Aus­le­gung des § 44 des Bun­des­na­tur­schutz­ge­set­zes auch des­halb ein Kla­ge­recht zu, weil der zu den beson­ders geschütz­ten Arten zäh­len­de Schwarz­specht in dem betrof­fe­ne Bereich nis­te und die­ser Stand­ort durch die geneh­mig­te Rodung des Wal­des gefähr­det wäre.

Ver­wal­tungs­ge­richt Osna­brück, Urteil vom 11. Dezem­ber 2013 – 3 A 1/​13

  1. Nds. OVG, Beschluss vom 29.08.2013 – 4 ME 76/​13