Gefah­ren­ab­wehr für die Fische­rei auf Hoher See

Die Was­ser- und Schiff­fahrts­ver­wal­tung des Bun­des ist nach einer aktu­el­len Ent­schei­dung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts zur Abwehr von Gefah­ren u.a. für die Fische­rei auf Hoher See, also in der aus­schließ­li­chen Wirt­schafts­zo­ne der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land see­wärts des Küs­ten­mee­res, zustän­dig.

Gefah­ren­ab­wehr für die Fische­rei auf Hoher See

Im August 2008 hat­te Green­peace im Bereich des als FFH-Schutz­ge­biet aus­ge­wie­se­nen so genann­ten Syl­ter Außen­riffs groß­flä­chig etwa 300 min­des­tens 1 m³ gro­ße Natur­stei­ne ver­senkt. Damit soll­te die Fische­rei mit Grund­schlepp­net­zen und der dort betrie­be­ne Sand- und Kies­ab­bau am Mee­res­grund behin­dert wer­den. Die Was­ser- und Schiff­fahrts­di­rek­ti­on Nord unter­sag­te Green­peace die­se auf ins­ge­samt 1 000 Stei­ne ange­leg­te Akti­on, weil sie gegen das gesetz­li­che Ver­bot ver­sto­ße, Gegen­stän­de in die Hohe See ein­zu­brin­gen; in den Stei­nen könn­ten sich Schlepp­net­ze ver­fan­gen, und Fische­rei­fahr­zeu­ge könn­ten ken­tern.

Das Schles­wig-Hol­stei­ni­sche Ver­wal­tungs­ge­richt hat der Kla­ge von Green­peace statt­ge­ge­ben und die Unter­sa­gungs­ver­fü­gung auf­ge­ho­ben, weil die Was­ser- und Schiff­fahrts­ver­wal­tung für die Abwehr eines sol­chen Geset­zes­ver­sto­ßes nicht zustän­dig sei 1.

Auf die Sprung­re­vi­si­on der Beklag­ten hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt das ange­foch­te­ne Urteil auf­ge­ho­ben und die Sache an das Ver­wal­tungs­ge­richt in Schles­wig zurück­ver­wie­sen. Anders als das Ver­wal­tungs­ge­richt hat es die Zustän­dig­keit der Was­ser- und Schiff­fahrts­ver­wal­tung des Bun­des zur Gefah­ren­ab­wehr auf Hoher See bejaht. § 3 Abs. 1 Satz 2 in Ver­bin­dung mit § 1 Nr. 3 Buchst. b See­Auf­gG ver­leiht der Was­ser- und Schiff­fahrts­ver­wal­tung die Befug­nis zur Abwehr von Gefah­ren und zur Besei­ti­gung von Stö­run­gen der öffent­li­chen Sicher­heit auf dem Gebiet der See­schiff­fahrt in dem frag­li­chen See­ge­biet. Dar­un­ter fällt nach Auf­fas­sung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts auch die Ver­hin­de­rung von Ver­stö­ßen gegen das Hohe-See-Ein­brin­gungs­ge­setz, soweit die Gefähr­dung von Schif­fen aus­geht oder die Sicher­heit von Schif­fen betrifft. Das ist hier der Fall.

Das Hohe-See-Ein­brin­gungs­ge­setz ver­bie­tet das Ein­brin­gen von Abfäl­len, sons­ti­gen Stof­fen und Gegen­stän­den in die Hohe See. In die­sem Zusam­men­hang kommt es im Hin­blick auf ein­schlä­gi­ge völ­ker­recht­li­che Bestim­mun­gen dar­auf an, ob die ver­senk­ten Stei­ne die Fische­rei gefähr­den kön­nen. Ob das zutrifft, hat das Ver­wal­tungs­ge­richt nicht unter­sucht. Da des­halb ent­spre­chen­de tat­säch­li­che Fest­stel­lun­gen feh­len, hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt die Sache zur Nach­ho­lung die­ser Ermitt­lun­gen an das Ver­wal­tungs­ge­richt zurück­ver­wie­sen.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 28. Juli 2011 – 7 C 7.10

  1. Schlesw.-Holst. VG, Urteil vom 20.05.2010 – VG 6 A 88/​09[]