Natur­schutz­be­lan­ge bei Hang­si­che­rungs­maß­nah­men

Ein Bedürf­nis zur Siche­rung der Rech­te des Bun­des Natur­schutz ist bei geplan­ten Maß­nah­men zur Hang­si­che­rung an einem Ufer anzu­er­ken­nen, auch wenn noch kei­ne gesi­cher­te Aus­sa­ge dar­über getrof­fen wer­den kann, ob er vor der Rea­li­sie­rung der Maß­nah­men betei­ligt wer­den muss. Denn es ist kei­ne Ver­träg­lich­keits­prü­fung durch­ge­führt wor­den, die gera­de der Ermitt­lung dient, ob die beab­sich­tig­ten Maß­nah­men zu erheb­li­chen Beein­träch­ti­gun­gen des Natu­ra 2000-Gebiets füh­ren kön­nen und des­halb ein (natur­schutz­recht­li­ches) Zulas­sungs­ver­fah­ren erfor­der­lich ist.

Natur­schutz­be­lan­ge bei Hang­si­che­rungs­maß­nah­men

So hat der Baye­ri­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof in dem hier vor­lie­gen­den Fall zur Siche­rung der Rech­te des Bun­des Natur­schutz bei den Maß­nah­men zur Hang­si­che­rung am Isar­ufer ent­schie­den. Die Lan­des­haupt­stadt Mün­chen möch­te am süd­öst­li­chen Isar­ufer auf den im Gebiet der Lan­des­haupt­stadt lie­gen­den Flä­chen des Natu­ra 2000-Gebie­tes "Obe­res Isar­tal" Maß­nah­men zur Hang­si­che­rung durch­füh­ren, die mit mehr als nur gering­fü­gi­gen Bau­maß­nah­men ver­bun­den sind (Stein­schlag­schutz­zäu­ne, Fels­über­net­zun­gen, Beton­un­ter­fan­gun­gen), ohne eine Ver­träg­lich­keits­prü­fung durch­zu­füh­ren. Der Bund Natur­schutz bean­trag­te einst­wei­li­gen Rechts­schutz zur Siche­rung sei­nes Rechts auf Betei­li­gung in einem sei­ner Mei­nung nach erfor­der­li­chen (natur­schutz­recht­li­chen) Zulas­sungs­ver­fah­ren. Vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Mün­chen hat­te der Bund Natur­schutz dies­be­züg­lich Erfolg. Dar­auf­hin ist von der Lan­des­haupt­stadt Beschwer­de ein­ge­legt wor­den.

In sei­nem Beschluss hat der Baye­ri­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof aus­ge­führt, dass der Bund Natur­schutz antrags­be­fugt ist, da eine Rechts­be­ein­träch­ti­gung zumin­dest mög­lich erscheint. Ein Bedürf­nis zur Siche­rung der Rech­te des Bun­des Natur­schutz sei anzu­er­ken­nen, auch wenn noch kei­ne gesi­cher­te Aus­sa­ge dar­über getrof­fen wer­den kön­ne, ob er vor der Rea­li­sie­rung der Maß­nah­men betei­ligt wer­den müs­se. Denn die hier nicht durch­ge­führ­te Ver­träg­lich­keits­prü­fung die­ne gera­de der Ermitt­lung, ob die beab­sich­tig­ten Maß­nah­men zu erheb­li­chen Beein­träch­ti­gun­gen des Natu­ra 2000-Gebiets füh­ren kön­nen und des­halb ein (natur­schutz­recht­li­ches) Zulas­sungs­ver­fah­ren erfor­der­lich ist. Auch im einst­wei­li­gen Rechts­schutz­ver­fah­ren kön­ne bei der gege­be­nen Sach­la­ge der "Gegen­be­weis" der Unschäd­lich­keit des Vor­ha­bens grund­sätz­lich nur über eine Ver­träg­lich­keits­prü­fung sei­tens der Behör­de geführt wer­den. Solan­ge das nicht gesche­hen sei, sei nach den bis­her vor­lie­gen­den fach­li­chen Stel­lung­nah­men davon aus­zu­ge­hen, dass sich das Vor­ha­ben mit den Erhal­tungs­zie­len und dem Schutz­zweck des FFH-Gebiets nicht ver­tra­gen könn­te und in einem (natur­schutz­recht­li­chen) Zulas­sungs­ver­fah­ren gege­be­ne Betei­li­gungs­rech­te des Bun­des Natur­schutz durch die Schaf­fung voll­ende­ter Tat­sa­chen ver­ei­telt wer­den könn­ten. Zur Gewäh­rung effek­ti­ven Rechts­schut­zes sei es gebo­ten, die­se Rech­te zu sichern. Eine Vor­ran­gig­keit der kon­kret geplan­ten Siche­rungs­maß­nah­men gegen­über den Bestim­mun­gen des Euro­päi­schen Natur­schutz­rechts bestehe nicht, ins­be­son­de­re da die Lan­des­haupt­stadt nicht glaub­haft gemacht habe, dass die Maß­nah­men zum Schutz von Leib und Leben akut not­wen­dig sei­en.

Baye­ri­scher Ver­wal­tungs­ge­richts­hof, Beschluss vom 16. Juli 2013 – 14 CE 13.290