Umwelt­in­for­ma­tio­nen für die Fabrik­nach­barn

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Arns­berg hat in einem aktu­el­len Ver­fah­ren das Recht der zustän­di­gen Bezirks­re­gie­rung Arns­berg betont, einer in der Nähe eines Glas­wer­kes in Lünen woh­nen­den Per­son Aus­künf­te über die Ana­ly­se von Pro­ben zu ertei­len, die aus der Nach­bar­schaft des Betrie­bes stam­men sol­len. Mit die­ser Ent­schei­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Arns­berg die Kla­ge des Indus­trie­un­ter­neh­mens gegen das Land Nord­rhein-West­fa­len abge­wie­sen, die gegen die­se Infor­ma­ti­ons­er­tei­lung gerich­tet war.

Umwelt­in­for­ma­tio­nen für die Fabrik­nach­barn

In der Nähe des Glas­wer­kes, das in unmit­tel­ba­rer Nähe zu einer angren­zen­den Wohn­be­bau­ung liegt, waren in der Ver­gan­gen­heit Schä­den an der Lackie­rung eines dort abge­stell­ten Fahr­zeugs fest­ge­stellt wor­den. Im Mai 2007 und im Novem­ber 2008 soll es bei War­tungs­ar­bei­ten in dem Werk zu ver­mehr­ten Immis­sio­nen von Fil­ter­stäu­ben gekom­men sein. Auf Bit­ten des Nach­barn, der die Pro­ben nach eige­nen Anga­ben im Juni 2007 und im Novem­ber 2008 genom­men und spä­ter den Aus­kunfts­an­spruch erho­ben hat­te, hat­te die Bezirks­re­gie­rung im Früh­jahr 2009 die Ana­ly­se der Pro­ben beim Lan­des­amt für Natur, Umwelt und Ver­brau­cher­schutz (LANUV) in Auf­trag gege­ben.

Das kla­gen­de Indus­trie­un­ter­neh­men hat­te gel­tend gemacht, die nähe­ren Umstän­de der Pro­benah­men und ihrer Auf­be­wah­rung sei­en unklar, außer­dem wer­de das Unter­su­chungs­er­geb­nis wis­sen­schaft­li­chen Anfor­de­run­gen nicht gerecht. Die Ver­öf­fent­li­chung der unrich­ti­gen und unsach­li­chen Unter­su­chungs­er­geb­nis­se ver­let­ze sie in ihren Rech­ten.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Arns­berg stütz­te sich in der Begrün­dung des die Kla­ge gegen die Aus­kunfts­er­tei­lung abwei­sen­den Urteils auf das nord­rhein-west­fä­li­sche Umwelt­in­for­ma­ti­ons­ge­setz: Es gewäh­re im Grund­satz jedem den frei­en Zugang zu Umwelt­in­for­ma­tio­nen. Die im Gesetz vor­ge­se­he­nen Ein­schrän­kun­gen stün­den die­sem Anspruch im vor­lie­gen­den Fall nicht ent­ge­gen. Das kla­gen­de Unter­neh­men kön­ne sich ins­be­son­de­re nicht mit Erfolg dar­auf beru­fen, die im Auf­trag der Bezirks­re­gie­rung Arns­berg erstell­ten Ana­ly­sen sei­en unwahr und ent­hiel­ten fach­li­che Män­gel. Das Umwelt­in­for­ma­ti­ons­ge­setz, das der Umset­zung euro­pa­recht­li­cher Vor­ga­ben die­ne, sol­le eine wirk­sa­me­re Öffent­lich­keits­be­tei­li­gung bei umwelt­be­zo­ge­nen Ent­schei­dun­gen ermög­li­chen. Die Ertei­lung von Aus­künf­ten set­ze danach nicht vor­aus, dass die infor­ma­ti­ons­pflich­ti­ge Stel­le die Rich­tig­keit der ihr vor­lie­gen­den Infor­ma­tio­nen prü­fe. Eine sol­che inhalt­li­che Prüf­pflicht der Bezirks­re­gie­rung fol­ge hier auch nicht dar­aus, dass sie die Stel­lung­nah­me des LANUV selbst in Auf­trag gege­ben habe.

Ver­wal­tungs­ge­richt Arns­berg, Urteil vom 27. Janu­ar 2011 – 7 K 753/​10