Ver­fas­sungs­be­schwer­de gegen gericht­li­che Ent­schei­dun­gen – und die mög­li­che Ver­let­zung eines ver­fas­sungs­mä­ßi­gen Rechts

§ 23 Abs. 1 Satz 2 1. Halb­satz, § 92 BVerfGG erfor­dern eine hin­rei­chend deut­li­che und damit sub­stan­ti­ier­te und schlüs­si­ge Dar­le­gung der behaup­te­ten Ver­let­zung eines ver­fas­sungs­be­schwer­de­fä­hi­gen Rechts inner­halb der Frist gemäß § 93 Abs. 1 Satz 1 BVerfGG 1.

Ver­fas­sungs­be­schwer­de gegen gericht­li­che Ent­schei­dun­gen – und die mög­li­che Ver­let­zung eines ver­fas­sungs­mä­ßi­gen Rechts

Wen­det sich die Ver­fas­sungs­be­schwer­de gegen gericht­li­che Ent­schei­dun­gen, so bedarf es daher in der Regel einer ins Ein­zel­ne gehen­den argu­men­ta­ti­ven Aus­ein­an­der­set­zung mit den kon­kre­ten Ent­schei­dun­gen und deren kon­kre­ter Begrün­dung dahin­ge­hend 2, dass und wes­halb bei dem sub­stan­ti­iert und schlüs­sig dar­zu­stel­len­den Sach­ver­halt 3 ein Ver­stoß der ange­grif­fe­nen Ent­schei­dun­gen gegen das mit der Beschwer­de gel­tend gemach­te ver­fas­sungs­be­schwer­de­fä­hi­ge Recht mög­lich erscheint 4.

Dabei muss grund­sätz­lich auch die ver­fas­sungs­recht­li­che Rechts­la­ge dar­ge­stellt wer­den.

Hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zu den von der Ver­fas­sungs­be­schwer­de auf­ge­wor­fe­nen ver­fas­sungs­recht­li­chen Fra­gen bereits Maß­stä­be ent­wi­ckelt, muss die Ver­fas­sungs­be­schwer­de auch an die­se anknüp­fen, sich mit ihnen aus­ein­an­der­set­zen und auf die­ser Grund­la­ge dar­le­gen, dass und aus wel­chen Grün­den eine Ver­let­zung in den gel­tend gemach­ten ver­fas­sungs­be­schwer­de­fä­hi­gen Rech­ten vor­lie­gen soll 5.

Liegt die Ver­let­zung eines ver­fas­sungs­be­schwer­de­fä­hi­gen Rechts auf­grund des vor­ge­tra­ge­nen Sach­ver­halts und der Aus­ein­an­der­set­zung mit der ange­grif­fe­nen Ent­schei­dung und deren Begrün­dung jedoch auf der Hand, gel­ten im Hin­blick auf die Dar­le­gung des Ver­fas­sungs­ver­sto­ßes gerin­ge­re Anfor­de­run­gen, sodass die Ver­let­zung eines ver­fas­sungs­be­schwer­de­fä­hi­gen Rechts nicht im Ein­zel­nen anhand der ein­schlä­gi­gen Maß­stä­be dar­ge­legt wer­den muss 6.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 19. Dezem­ber 2016 – 2 BvR 1997 – /​15

  1. vgl. BVerfGE 6, 132, 134; 8, 1, 9; 11, 192, 198; 89, 155, 171; 108, 370, 386 f.; stRspr[]
  2. vgl. BVerfGE 88, 40, 45; 101, 331, 345; 105, 252, 264[]
  3. vgl. BVerfGE 9, 109, 114 f.; 81, 208, 214; 84, 366, 369; 99, 84, 87; 113, 29, 44[]
  4. vgl. BVerfGE 28, 17, 19 f.; 65, 227, 232 f.; 67, 90, 94; 89, 155, 171; BVerfGK 9, 174, 184 f.[]
  5. vgl. BVerfGE 99, 84, 87; 101, 331, 345 f.; 102, 147, 164[]
  6. vgl. BVerfG, Beschluss vom 12.12 2007 – 1 BvR 2697/​07 13; BVerfG, Beschluss vom 24.08.2010 – 1 BvR 1584/​10 3; BVerfG, Beschluss vom 29.05.2013 – 1 BvR 1083/​09 8[]