Ver­ga­be von Stu­di­en­plät­zen außer­halb der fest­ge­setz­ten Kapa­zi­tät

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig hat dem Eil­an­trag eines Bewer­bers um einen Medi­zin­stu­di­en­platz statt­ge­ge­ben und die baden-würt­tem­ber­gi­sche Rege­lung für die Ver­ga­be von Stu­di­en­plät­zen außer­halb der fest­ge­setz­ten Zulas­sungs­zah­len für das Win­ter­se­mes­ter 2010/​2011vorläufig außer Voll­zug gesetzt.

Ver­ga­be von Stu­di­en­plät­zen außer­halb der fest­ge­setz­ten Kapa­zi­tät

Stu­di­en­plät­ze in bestimm­ten stark nach­ge­frag­ten Stu­di­en­gän­gen – ins­be­son­de­re in den medi­zi­ni­schen Fächern – wer­den grund­sätz­lich inner­halb zuvor fest­ge­setz­ter Zulas­sungs­zah­len in einem zen­tra­len Ver­ga­be­ver­fah­ren zuge­teilt. Hält die zu Grun­de lie­gen­de Kapa­zi­täts­be­rech­nung der ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen Kon­trol­le im Rah­men von Rechts­schutz­ver­fah­ren abge­wie­se­ner Stu­di­en­be­wer­ber nicht Stand, wer­den die auf­ge­deck­ten Rest­ka­pa­zi­tä­ten außer­halb des gere­gel­ten Ver­ga­be­ver­fah­rens – in der Pra­xis viel­fach durch Los­ent­scheid – auf die erfolg­rei­chen Rechts­schutz­su­chen­den ver­teilt. Das baden-würt­tem­ber­gi­sche Wis­sen­schafts­mi­nis­te­ri­um hat dem­ge­gen­über nun­mehr durch Rechts­ver­ord­nung gere­gelt, dass eine Zulas­sung durch die Uni­ver­si­tä­ten des Lan­des außer­halb der fest­ge­setz­ten Zulas­sungs­zah­len einen Antrag im zen­tra­len Ver­ga­be­ver­fah­ren in dem betref­fen­den Stu­di­en­gang und für den betref­fen­den Stu­di­en­ort vor­aus­setzt und dass nach­träg­lich auf­ge­deck­te Stu­di­en­plät­ze ent­spre­chend der von der jewei­li­gen Uni­ver­si­tät im Hoch­schul­aus­wahl­ver­fah­ren erstell­ten Rang­lis­te ver­ge­ben wer­den. Die Uni­ver­si­tät hat dabei die Mög­lich­keit, die Ver­ga­be auf sol­che Antrag­stel­ler zu beschrän­ken, die im zen­tra­len Ver­ga­be­ver­fah­ren die­se Uni­ver­si­tät mit vor­ran­gi­ger Prio­ri­tät gewählt haben.

Der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg hat den Nor­men­kon­troll­an­trag, mit dem der Antrag­stel­ler die­se Rege­lung ange­grif­fen hat, im Wesent­li­chen abge­wie­sen. Auf die Beschwer­de des Antrag­stel­lers hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt die Revi­si­on gegen das Urteil des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs wegen der grund­sätz­li­chen Bedeu­tung zuge­las­sen, die der Rechts­sa­che im Hin­blick auf das aus Art. 12 Abs. 1 GG ableit­ba­re Gebot einer erschöp­fen­den Nut­zung der vor­han­de­nen Stu­di­en­ka­pa­zi­tät zukommt 1.

Dem Antrag, die Rege­lung im Wege der einst­wei­li­gen Anord­nung für das Win­ter­se­mes­ter 2010/​2011 außer Voll­zug zu set­zen, hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt auf Grund einer Inter­es­sen­ab­wä­gung – im Wesent­li­chen unter dem Gesichts­punkt der Ver­mei­dung eines gege­be­nen­falls mehr­ma­li­gen Wech­sels des Zulas­sungs­sys­tems – statt­ge­ge­ben. Dies bedeu­tet, dass im zen­tra­len Ver­ga­be­ver­fah­ren erfolg­lo­se Bewer­ber – wie bis­her – Kla­gen und vor­läu­fi­ge Rechts­schutz­ver­fah­ren gegen alle Uni­ver­si­tä­ten des Lan­des anhän­gig machen kön­nen, um dort unge­nutz­te Rest­ka­pa­zi­tä­ten auf­zu­de­cken.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 20. Mai 2010 – 6 VR 1.10

  1. BVerwG, Beschluss vom 20.05.2010 – 6 BN 3.09[]