Vor­läu­fi­ge Pla­nung einer Bun­des­was­ser­stra­ße

Nach § 14 Abs. 2 Satz 1 WaStrG kann nach Ein­lei­tung des Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­rens eine vor­läu­fi­ge Anord­nung, in der Teil­maß­nah­men zum Neu­bau oder Aus­bau einer Bun­des­was­ser­stra­ße fest­ge­setzt wer­den, dann erlas­sen wer­den, wenn Grün­de des Wohls der All­ge­mein­heit den als­bal­di­gen Beginn der Arbei­ten erfor­dern und die nach § 74 Abs. 2 VwVfG und nach § 14b Nr. 6 WaStrG zu berück­sich­ti­gen­den Inter­es­sen gewahrt wer­den. Die­se Ent­schei­dung, in die dem­nach nach­tei­li­ge Wir­kun­gen auf Rech­te ande­rer ein­ge­stellt wer­den müs­sen, erfor­dert in glei­cher Wei­se wie die Plan­fest­stel­lung, auf die sie bezo­gen ist (§ 14 Abs. 1 Satz 2 WaStrG), eine pla­ne­ri­sche Abwä­gung 1. Dar­über hin­aus ist der Anwen­dungs­be­reich der vor­läu­fi­gen Anord­nung inso­weit beschränkt, als sie nach § 14 Abs. 2 Satz 4 WaStrG nicht zu einer wesent­li­chen Ver­än­de­rung des Was­ser­stan­des oder der Strö­mungs­ver­hält­nis­se berech­tigt. Aus § 14 Abs. 2 Satz 7 WaStrG folgt, dass die zuzu­las­sen­den Teil­maß­nah­men so beschaf­fen sein müs­sen, dass sie wie­der rück­gän­gig gemacht wer­den kön­nen 2. Der von einer vor­läu­fi­gen Anord­nung in sei­nen Rech­ten Betrof­fe­ne kann die­se gericht­lich – auch im Ver­fah­ren des vor­läu­fi­gen Rechts­schut­zes – über­prü­fen las­sen. Soweit die­se Kon­trol­le nicht als all­ge­mei­ne Recht­mä­ßig­keits­kon­trol­le aus­ge­stal­tet, son­dern auf die Ver­let­zung eige­ner Belan­ge beschränkt ist, folgt dies bei einem Betrof­fe­nen, des­sen Grund­stück nicht unmit­tel­bar und somit mit ent­eig­nungs­recht­li­cher Vor­wir­kung in Anspruch genom­men wird und inso­weit nur mit­tel­bar betrof­fen ist, aus dem in Art. 19 Abs. 4 Satz 1 GG nor­mier­ten Schutz sub­jek­ti­ver Rech­te 3.

Vor­läu­fi­ge Pla­nung einer Bun­des­was­ser­stra­ße

Es bestehen daher kei­ne ernst­haf­ten Zwei­fel an der Ver­ein­bar­keit von § 14 Abs. 2 WaStrG mit der Rechts­schutz­ga­ran­tie des Art. 19 Abs. 4 Satz 1 GG.

Eine Ver­let­zung der Rechts­schutz­ga­ran­tie ist auch nicht des­we­gen gege­ben, weil das Gesetz eine güns­ti­ge Pro­gno­se hin­sicht­lich des Gesamt­vor­ha­bens als Vor­aus­set­zung der vor­läu­fi­gen Anord­nung nicht ver­langt 4. Denn der Betrof­fe­ne kann Rechts­ver­let­zun­gen, die erst durch die Ver­wirk­li­chung des Gesamt­vor­ha­bens zu besor­gen sind, im Rah­men der gericht­li­chen Über­prü­fung des abschlie­ßen­den Plan­fest­stel­lungs­be­schlus­ses gel­tend machen. Die­se Rechts­schutz­mög­lich­keit wird nicht etwa dann ent­wer­tet, wenn Teil­maß­nah­men – ent­ge­gen der gesetz­li­chen Bestim­mung des § 14 Abs. 2 Satz 7 WaStrG – im Fal­le eines Obsie­gens nicht wie­der rück­gän­gig gemacht wer­den kön­nen. Denn gegen die Aus­wir­kun­gen die­ser Teil­maß­nah­men kann sich der Betrof­fe­ne – aller­dings in den durch das Erfor­der­nis der sub­jek­ti­ven Rechts­ver­let­zung gezo­ge­nen Gren­zen – zuvor gericht­lich zur Wehr set­zen.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 29. Novem­ber 2010 -7 B 68.10

  1. vgl. Fries­ecke, Bun­des­was­ser­stra­ßen­ge­setz, 6. Aufl. 2009, § 14 Rn. 55[]
  2. vgl. Fries­ecke a.a.O. § 14 Rn. 62[]
  3. vgl. nur BVerwG, Urtei­le vom 18.03.1983 – 4 C 80.79, BVerw­GE 67, 74, 76 f. = Buch­holz 406.16 Eigen­tums­schutz Nr. 31; und vom 09.11.2006 – 4 A 2001.06, BVerw­GE 127, 95, 99 = Buch­holz 442.40 § 8 LuftVG Nr. 25[]
  4. vgl. Fries­ecke a.a.O. § 14 Rn. 63[]