Wenn bei Kat­zen die funk­ti­ons­fä­hi­gen Tast­haa­re feh­len

Die zustän­di­ge Behör­de kann eine Zucht unter­sa­gen, wenn eine Qual­zucht vor­liegt. Das ist bei der Zucht von Nackt­kat­zen, denen funk­ti­ons­fä­hi­ge Tast­haa­re feh­len, der Fall.

Wenn bei Kat­zen die funk­ti­ons­fä­hi­gen Tast­haa­re feh­len

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Kla­ge einer Züch­te­rin abge­wie­sen, die sich damit gegen die Kas­tra­ti­on ihres Katers gewehrt hat. Die Klä­ge­rin hält und züch­tet Cana­di­an-Sphinx-Kat­zen (sog. Nackt­kat­zen). Die Tie­re haben auf­grund einer Gen­ver­än­de­rung kei­ne funk­ti­ons­fä­hi­gen Tast­haa­re.

Nach dem Tier­schutz­ge­setz ist es ver­bo­ten, Wir­bel­tie­re zu züch­ten, wenn ihnen Kör­per­tei­le für den art­ge­mä­ßen Gebrauch feh­len oder die­se untaug­lich sind und hier­durch Schmer­zen, Lei­den oder Schä­den auf­tre­ten. Zur Ver­mei­dung der Zucht kann die zustän­di­ge Behör­de das Unfrucht­bar­ma­chen von Wir­bel­tie­ren anord­nen.

Das Vete­ri­när- und Lebens­mit­tel­auf­sichts­amt des Bezirks­amts Span­dau unter­sag­te der Klä­ge­rin auf die­ser Grund­la­ge die Zucht und for­der­te sie auf, den von ihr gehal­te­nen Kater „Wil­li” kas­trie­ren zu las­sen. Hier­ge­gen wand­te sich die Klä­ge­rin mit ihrer Kla­ge.

Nach Ein­ho­lung eines tier­fach­ärzt­li­chen Gut­ach­tens ist das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin zu der Über­zeu­gung gelangt, dass Tast­haa­re ein wich­ti­ges Sin­nes­or­gan sind, das der Ori­en­tie­rung und der Kom­mu­ni­ka­ti­on der Kat­zen dient. Deren Feh­len ist daher als Scha­den und Lei­den anzu­se­hen. Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin die Kla­ge der Züch­te­rin abge­wie­sen.

Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin, Urteil vom 23. Sep­tem­ber 2015 – VG 24 K 202.14