Wider­ruf der Bewil­li­gung von För­de­rungs­mit­teln aus dem Euro­päi­schen Sozi­al­fonds

Der Wider­ruf der Bewil­li­gung von För­de­rungs­mit­teln aus dem Euro­päi­schen Sozi­al­fonds ist nach einem Urteil des Ver­wal­tungs­ge­richts Trier rechts­wid­rig, wenn der Wider­rufs­be­scheid letzt­lich nicht erken­nen lässt, in wel­chem Umfang der Bewil­li­gungs­be­scheid auf­ge­ho­ben wird, wenn nicht nur auf Sei­ten des Sub­ven­ti­ons­emp­fän­gers, son­dern auch auf Sei­ten der Bewil­li­gungs­be­hör­de erheb­li­che Ver­stö­ße gegen die ein­schlä­gi­gen Bewil­li­gungs­be­stim­mun­gen fest­stell­bar sind und die Behör­de dies bei der Aus­übung ihres Ermes­sens nicht berück­sich­tigt hat.

Wider­ruf der Bewil­li­gung von För­de­rungs­mit­teln aus dem Euro­päi­schen Sozi­al­fonds

Die Klä­ge­rin vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Trier, ein Unter­neh­men aus Trier, hat­te im Mai 2007 beim beklag­ten Land Rhein­land-Pfalz für die Durch­füh­rung von Schu­lungs­maß­nah­men, deren Durch­füh­rung u.a. in Chi­na beab­sich­tigt war, die Bewil­li­gung von Mit­teln aus dem Euro­päi­schen Sozi­al­fonds bean­tragt. Im Dezem­ber 2007 bewil­lig­te das Land in vor­läu­fi­ger Höhe eine Qua­li­fi­zie­rungs­bei­hil­fe und wies dar­auf hin, dass bis spä­tes­tens zwei Mona­te nach Pro­jek­ten­de der Ver­wen­dungs­nach­weis vor­zu­le­gen sei und jede Ände­rung des Pro­jekts ange­zeigt wer­den müs­se. Im April 2008 leg­te die Klä­ge­rin den gefor­der­ten Ver­wen­dungs­nach­weis vor und führ­te aus, dass die geplan­ten Schu­lungs­maß­nah­men in Chi­na hät­ten abge­sagt und durch inter­ne Schu­lun­gen ersetzt wer­den müs­sen. Nach Prü­fung des Ver­wen­dungs­nach­wei­ses setz­te das Land die Zuwen­dung auf end­gül­tig 234.000,00 € fest.

Nach­dem eine im Nach­gang durch­ge­führ­te Vor-Ort-Kon­trol­le der beim Minis­te­ri­um für Wirt­schaft, Ver­kehr, Land­wirt­schaft und Wein­bau ange­sie­del­ten unab­hän­gi­ge EU-Prüf­stel­le zu dem Ergeb­nis gelangt war, dass einer­seits die Klä­ge­rin vor­zei­tig mit dem Pro­jekt begon­nen habe, ihren Mit­tei­lungs­pflich­ten nicht nach­ge­kom­men sei und nicht nach­voll­zieh­ba­re Stun­den­ab­rech­nun­gen vor­ge­legt habe, ande­rer­seits aber die Bewil­li­gungs­be­hör­de ver­al­te­te Bear­bei­tungs­vor­la­gen ver­wandt und die Klä­ge­rin nur unzu­rei­chend über ihre Mit­tei­lungs­pflich­ten bera­ten habe, wider­rief das beklag­te Land Rhein­land-Pfalz die Bewil­li­gung teil­wei­se und for­der­te die aus­ge­zahl­ten För­de­rungs­mit­tel unter Hin­weis auf die Fest­stel­lun­gen der EU-Prüf­stel­le zurück, wobei das Land die Auf­fas­sung ver­trat, wegen der fest­ge­stell­ten Unre­gel­mä­ßig­kei­ten müs­se auf­grund der im Haus­halts­recht ver­an­ker­ten Grund­sät­ze der Wirt­schaft­lich­keit und Spar­sam­keit von der Wider­rufs­mög­lich­keit Gebrauch gemacht wer­den. Raum für eine abwei­chen­de Ermes­sens­be­tä­ti­gung bestehe nicht.

Die­ser Rechts­auf­fas­sung trat das Ver­wal­tungs­ge­richt Trier nun ent­ge­gen: Zum Einen las­se der Wider­rufs­be­scheid bei dem aus­drück­lich nur teil­wei­se erfolg­ten Wider­ruf der Bewil­li­gung nicht erken­nen, in wel­chem Umfang die Bewil­li­gung letzt­lich wider­ru­fen wer­de. Zum Ande­ren tref­fe es zwar zu, dass beim Wider­ruf von Sub­ven­ti­ons­ent­schei­dun­gen in der Regel davon aus­zu­ge­hen sei, dass das der Behör­de zuste­hen­de Ermes­sen auf­grund der vom Beklag­ten in Bezug genom­me­nen Grund­sät­ze nur im Sin­ne eines Wider­rufs aus­zu­üben sei.

Lie­ge jedoch ein von der Regel abwei­chen­der Sach­ver­halt vor, müs­se die­ser in den Ermes­sens­er­wä­gun­gen Berück­sich­ti­gung fin­den. Da vor­lie­gend das Fehl­ver­hal­ten der Klä­ge­rin – wie von der unab­hän­gi­gen EU-Prüf­stel­le bean­stan­det – teil­wei­se auf einem Fehl­ver­hal­ten des Beklag­ten beruht habe, hät­te der Beklag­te dies hin­sicht­lich des Umfangs des Wider­rufs in sei­ne Ermes­sens­er­wä­gun­gen ein­stel­len müs­sen. Dem Gericht sei es ver­wehrt, anstel­le des Beklag­ten Ermes­sen aus­zu­üben, sodass der ergan­ge­ne Wider­rufs­be­scheid und das Rück­zah­lungs­ver­lan­gen auf­zu­he­ben sei­en.

Ver­wal­tungs­ge­richt Trier, Urteil vom 22. April 2010 – 5 K 702/​09.TR