Ziel­ab­wei­chungs­be­scheid für ein Fac­to­ry-Out­let-Cen­ters

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig hat heu­te in drei Ver­fah­ren über die Anfecht­bar­keit eines raum­ord­ne­ri­schen Ziel­ab­wei­chungs­be­schei­des ent­schie­den. Nach den Urtei­len des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts ist die Kla­ge einer Gemein­de gegen einen raum­ord­ne­ri­schen Zwi­schen­be­scheid unzu­läs­sig.

Ziel­ab­wei­chungs­be­scheid für ein Fac­to­ry-Out­let-Cen­ters

Die bei­gela­de­ne Stadt Mon­ta­baur bean­trag­te bei der obers­ten Lan­des­pla­nungs­be­hör­de des beklag­ten Lan­des Rhein­land-Pfalz die Durch­füh­rung eines Raum­ord­nungs­ver­fah­rens und, soweit erfor­der­lich, eines Ziel­ab­wei­chungs­ver­fah­rens, um eine Bau­leit­pla­nung zur Errich­tung eines Fac­to­ry-Out­let-Cen­ters im Bereich des ICE-Bahn­hofs Mon­ta­baur zu ermög­li­chen. Die Behör­de erließ einen Ziel­ab­wei­chungs­be­scheid, in dem eine Abwei­chung vom lan­des- und regio­nal­pla­ne­ri­schen Inte­gra­ti­ons­ge­bot zuge­las­sen wur­de. Außer­dem wur­den Ver­kaufs­flä­chen­ober­gren­zen und Sor­ti­ments­be­gren­zun­gen als "Maß­ga­ben" fest­ge­legt, unter deren Ein­hal­tung die Zulas­sung einer Abwei­chung vom Beein­träch­ti­gungs­ver­bot, das die Funk­ti­on benach­bar­ter zen­tra­ler Orte und ihrer Ver­sor­gungs­be­rei­che schützt, nicht erfor­der­lich sei. Die kla­gen­den Städ­te Lim­burg, Koblenz und Diez sind zen­tra­le Orte im Umkreis der Stadt Mon­ta­baur. Sie machen gel­tend, durch den Bescheid in eige­nen Rech­ten ver­letzt zu sein.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz hat die Kla­gen der Nach­bar­städ­te als unzu­läs­sig ver­wor­fen. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz in Koblenz hat in Zwi­schen­ur­tei­len fest­ge­stellt, dass die Kla­gen zuläs­sig sei­en, weil der Bescheid mit ver­bind­li­cher Wir­kung rege­le, dass unter den genann­ten Maß­ga­ben kei­ne Ziel­ab­wei­chung vom dritt­schüt­zen­den Beein­träch­ti­gungs­ver­bot erfor­der­lich sei 1. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat nun auf die vom Ober­ver­wal­tungs­ge­richt zuge­las­se­ne Revi­si­on des beklag­ten Lan­des und der Stadt Mon­ta­baur die Zwi­schen­ur­tei­le des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Rhein­land-Pfalz auf­ge­ho­ben und die Beru­fun­gen der drei Nach­bar­städ­te zurück­ge­wie­sen.

Eine ver­bind­li­che Rege­lung tref­fe der Ziel­ab­wei­chungs­be­scheid nur, soweit er eine Abwei­chung von dem Inte­gra­ti­ons­ge­bot zulas­se; das Inte­gra­ti­ons­ge­bot ver­mit­te­le den Klä­ge­rin­nen aber kei­ne sub­jek­ti­ve Rechts­po­si­ti­on, so das Leip­zi­ger Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt. Eine ver­bind­li­che Fest­stel­lung zur Ver­ein­bar­keit des Fac­to­ry-Out­let-Cen­ter mit dem Beein­träch­ti­gungs­ver­bot ent­hal­te der Bescheid nicht.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urtei­le vom 5. Novem­ber 2009 – 4 C 1.09, 4 C 2.09 und 4 C 3.09

  1. OVG Koblenz – 1 A 10387/​09, 1 A 10388/​09 und 1 A 10389/​08[]