Tier­seu­chen­ver­dacht und Tier­seu­chen­kas­sen

Tier­seu­chen­kas­se muss auch die Kos­ten der Besei­ti­gung seu­chen­kran­ker oder seu­chen­ver­däch­ti­ger Tie­re erstat­ten und kann die­se nach einem Urteil des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Müns­ter nicht auf die Tier­hal­ter abwälzen.Damit obliegt der Tier­seu­chen­kas­se auch die Erstat­tung der Kos­ten, die bei der Besei­ti­gung von Tie­ren ent­stan­den sind, die wegen einer Seu­chen­er­kran­kung oder eines Seu­chen­ver­dachts getö­tet wor­den sind.

Tier­seu­chen­ver­dacht und Tier­seu­chen­kas­sen

Im Okto­ber 2001 for­der­te der Land­rat des Mär­ki­schen Krei­ses die Inha­be­rin (Klä­ge­rin) eines im Mär­ki­schen Kreis ansäs­si­gen Fisch­zucht­be­triebs auf, ihre Forel­len, die Anzei­chen einer Virus­in­fek­ti­on zeig­ten, sofort töten und unver­züg­lich unschäd­lich besei­ti­gen zu las­sen. Die Klä­ge­rin kam die­ser Auf­for­de­rung nach und for­der­te vom Lan­des­amt für Ernäh­rungs­wirt­schaft und Jagd Nord­rhein-West­fa­len ‑Tier­seu­chen­kas­se – (Beklag­ter) neben einer Ent­schä­di­gung für den Wert der Forel­len von 18.600,- DM die Erstat­tung der an die Tier­kör­per­be­sei­ti­gungs­an­stalt gezahl­ten Ent­sor­gungs­kos­ten von 3.300,- DM. Der Beklag­te wei­ger­te sich, auch die Ent­sor­gungs­kos­ten zu erstat­ten. Dar­auf erhob die Klä­ge­rin Kla­ge beim Ver­wal­tungs­ge­richt Arns­berg, das die­ser Kla­ge im Dezem­ber 2003 statt­gab. Die gegen die­ses Urteil gerich­te­te Beru­fung des Beklag­ten hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt nun­mehr mit dem o. g. Urteil zurück­ge­wie­sen. Zur Begrün­dung hat es aus­ge­führt:

Die Klä­ge­rin kön­ne vom Beklag­ten die Erstat­tung der für die Ent­sor­gung der Forel­len ent­stan­de­nen Kos­ten in Höhe von 3.300,- DM (=1.687,60 ?) ver­lan­gen. Dies fol­ge zwar nicht ohne wei­te­res aus dem Wort­laut der inso­weit ein­schlä­gi­gen Vor­schrift des Tier­seu­chen­ge­set­zes, weil die­ser Wort­laut nicht ein­deu­tig sei. Aus den Geset­zes­ma­te­ria­li­en erge­be sich aber, dass nach dem Tier­seu­chen­recht nicht nur die Kos­ten des Tötungs­vor­gangs, son­dern auch die Kos­ten der anschlie­ßen­den unschäd­li­chen Besei­ti­gung des Kada­vers zu erstat­ten sei­en.

Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hat die Revi­si­on zum Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt nicht zuge­las­sen. Dage­gen ist die Beschwer­de mög­lich, über die das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schei­det.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter, Urteil vom 13. Juni 2006 – 13 A 910/​04