Das öffent­lich gebun­de­ne Unter­neh­men – und sein Recht am ein­ge­rich­te­ten und aus­ge­üb­ten Gewer­be­be­trieb

Ein öffent­lich beherrsch­tes Unter­neh­men der Pri­vat­wirt­schaft ist bei eige­nem Han­deln unmit­tel­bar grund­rechts­ge­bun­den 1. Den­noch kann es sich auf das Recht am ein­ge­rich­te­ten und aus­ge­üb­ten Gewer­be­be­trieb beru­fen.

Das öffent­lich gebun­de­ne Unter­neh­men – und sein Recht am ein­ge­rich­te­ten und aus­ge­üb­ten Gewer­be­be­trieb

Das Recht am ein­ge­rich­te­ten und aus­ge­üb­ten Gewer­be­be­trieb als sons­ti­ges Recht iSd. § 823 Abs. 1 BGB ist ein bereits vor­kon­sti­tu­tio­nell und damit unab­hän­gig von Art. 12 GG und Art. 14 GG ent­wi­ckel­tes Rechts­in­sti­tut. Es ist dar­auf gerich­tet, ein Unter­neh­men in sei­ner wirt­schaft­li­chen Betä­ti­gung und Funk­ti­ons­fä­hig­keit vor dar­auf bezo­ge­nen rechts­wid­ri­gen Ein­grif­fen Drit­ter zu schüt­zen. Es ergänzt den gesetz­li­chen Delikt­schutz und füllt ansons­ten bestehen­de Haf­tungs­lü­cken aus 2.

Zwar unter­lie­gen öffent­lich beherrsch­te Unter­neh­men wegen ihrer unmit­tel­ba­ren Grund­rechts­bin­dung spe­zi­fi­schen Beschrän­kun­gen, denen ande­re Pri­vat­rechts­sub­jek­te auf­grund ihrer nur mit­tel­ba­ren Bin­dung an die Grund­rech­te nicht aus­ge­setzt sind. Die­se gra­du­el­len Unter­schie­de der Grund­rechts­bin­dung hin­dern öffent­lich beherrsch­te Unter­neh­men der Pri­vat­wirt­schaft aber nicht, in adäqua­ter und weit­hin gleich­be­rech­tig­ter Wei­se wie Pri­va­te die Hand­lungs­in­stru­men­te des Zivil­rechts für ihre Auf­ga­ben­wahr­neh­mung zu nut­zen und am pri­va­ten Wirt­schafts­ver­kehr teil­zu­neh­men 3.

Voll­zieht sich die­se Teil­nah­me im Wege einer erwerbs­wirt­schaft­li­chen Betä­ti­gung, ist ein Unter­neh­men der öffent­li­chen Hand in Bezug auf Ein­grif­fe, die sich gegen sei­ne wirt­schaft­li­che Betä­ti­gung rich­ten, nicht weni­ger schutz­wür­dig als Pri­va­te.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 26. Juli 2016 – 1 AZR 160/​14

  1. BVerfG 22.02.2011 – 1 BvR 699/​06 – [Fra­port, Urteil] Rn. 49, BVerfGE 128, 226[]
  2. vgl. bereits RG 27.02.1904 – I 418/​03RGZ 58, 24; ausf. BGH 9.12 1958 – VI ZR 199/​57, zu 1 a der Grün­de, BGHZ 29, 65; vgl. auch BAG 22.09.2009 – 1 AZR 972/​08, Rn. 21 mwN, BAGE 132, 140; BGH 24.01.2006 – XI ZR 384/​03, Rn. 93, BGHZ 166, 84[]
  3. BVerfG 22.02.2011 – 1 BvR 699/​06 – [Fra­port, Urteil] Rn. 56, BVerfGE 128, 226[]