Die Flug­gast­rech­te­ver­ord­nung und der Anschluss­flug

Der Bun­des­ge­richts­hof hat Fra­gen zu den Aus­gleichs­an­sprü­chen nach der Flug­gast­rech­te­ver­ord­nung bei ver­spä­te­ter Ankunft am End­ziel dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­ge­legt.

Die Flug­gast­rech­te­ver­ord­nung und der Anschluss­flug

In dem beim Bun­des­ge­richts­hof rechts­hän­gi­gen Kla­ge­ver­fah­ren ver­langt die Klä­ge­rin von dem beklag­ten Luft­fahrt­un­ter­neh­men unter ande­rem eine Aus­gleichs­zah­lung in Höhe von 600 € nach Arti­kel 7 der EU-Flug­gast­rech­te­ver­ord­nung [1]. Für die Klä­ge­rin war bei der Beklag­ten eine Flug­rei­se von Bre­men über Paris und São Pau­lo nach Asunción/​Paraguay gebucht. Die Klä­ge­rin erhielt bei Antritt der Rei­se in Bre­men die Bord­kar­ten für sämt­li­che Flü­ge. Der Abflug von Bre­men nach Paris ver­zö­ger­te sich um knapp zwei­ein­halb Stun­den. Die Klä­ge­rin erreich­te des­halb den plan­mä­ßig durch­ge­führ­ten Anschluss­flug von Paris nach São Pau­lo nicht mehr. Die Beklag­te buch­te die Klä­ge­rin auf einen spä­te­ren Flug um, mit dem sie rund elf Stun­den spä­ter als ursprüng­lich vor­ge­se­hen in Asun­ción ankam.

Das erst­in­stanz­lich mit der Kla­ge befass­te Amts­ge­richt Bre­men hat der Kla­ge hin­sicht­lich der Aus­gleichs­zah­lung nach der Flug­gast­rech­te­ver­ord­nung statt­ge­ge­ben [2]. Die inso­weit zuge­las­se­ne Beru­fung der Beklag­ten ist vor dem Han­sea­ti­schen Ober­lan­des­ge­richt Bre­men erfolg­los geblie­ben [3]. Gegen das Beru­fungs­ur­teil leg­te das beklag­te Luft­fahrt­un­ter­neh­men Revi­si­on zum Bun­des­ge­richts­hof ein.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat das Ver­fah­ren aus­ge­setzt und dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on zur Vor­ab­ent­schei­dung über die Fra­gen vor­ge­legt, ob dem Flug­gast eine Aus­gleichs­zah­lung nach Arti­kel 6 und Arti­kel 7 der Flug­gast­rech­te­ver­ord­nung zusteht, wenn sich der Abflug um eine Zeit­span­ne ver­zö­gert hat, die unter­halb der von der Ver­ord­nung defi­nier­ten Gren­zen (im kon­kre­ten Fall für einen Flug nach Süd­ame­ri­ka vier Stun­den) liegt, die Ankunft am letz­ten Ziel­ort aber min­des­tens drei Stun­den nach der plan­mä­ßi­gen Ankunfts­zeit erfolgt, und ob dabei auch dar­auf abzu­stel­len ist, dass der Abflug nur bei iso­lier­ter Betrach­tung der ers­ten Teil­stre­cke nach Arti­kel 6 der Ver­ord­nung eine rele­van­te Ver­spä­tung (mehr als zwei Stun­den) auf­ge­wie­sen hat.

Beschluss vom 9. Dezem­ber 2010 – Xa ZR 80/​10

  1. Ver­ord­nung (EG) Nr. 261/​2004 des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates über eine gemein­sa­me Rege­lung für Aus­gleichs- und Unter­stüt­zungs­leis­tun­gen für Flug­gäs­te im Fall der Nicht­be­för­de­rung und bei Annul­lie­rung oder gro­ßer Ver­spä­tung von Flü­gen[]
  2. AG Bre­men, Urteil vom 08.05.2007 – 4 C 420/​06[]
  3. OLG Bre­men, Urteil vom 23.04.2010 – 2 U 50/​07[]