Ban­ken­haf­tung bei Kapi­tal­an­la­ge­be­ra­tung – Gebüh­ren­rück­ver­gü­tun­gen

Der Ver­käu­fer von Akti­en­fonds muss, wie der Bun­des­ge­richts­hofs ent­schie­den hat, nicht nur auf die Tat­sa­che, son­dern auch auf die Höhe bzw. Grö­ßen­ord­nung von Rück­ver­gü­tun­gen hin­wei­sen muss, die er von Drit­ten erhält 1.

Ban­ken­haf­tung bei Kapi­tal­an­la­ge­be­ra­tung – Gebüh­ren­rück­ver­gü­tun­gen

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Karls­ru­he kann offen­blei­ben, ob der Auf­trag­neh­mer eines Depot­ver­wal­tungs­ver­tra­ges die­se Auf­klä­rungs­pflicht eben­so wie den Fonds­ver­käu­fer trifft. Denn hat er vor Erlass die­ser Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs, die am 19.12.2006 erging, auf mög­li­che Rück­ver­gü­tun­gen von Trans­ak­ti­ons­ge­büh­ren hin­ge­wie­sen, aus­drück­lich über die dar­aus für den Anle­ger fol­gen­de Gefahr auf­ge­klärt und ange­bo­ten, dem Anle­ger die Gebüh­ren­hö­he auf Anfra­ge mit­zu­tei­len, hat er eine etwai­ge Pflicht jeden­falls nicht schuld­haft ver­letzt.

Zur Auf­klä­rung über die Ver­ein­ba­rung von Rück­ver­gü­tun­gen mit dem bei der Ver­mö­gens­ver­wal­tung ein­ge­schal­te­ten Fir­men bzw. Ban­ken war der Depot­ver­wal­ter nach der Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs vom 19.12.2000 2 ver­pflich­tet. Die­ser Ver­pflich­tung ist er indes­sen nach­ge­kom­men. Dahin­ste­hen kann, ob er auch zu einem Hin­weis auf die Höhe bzw. Grö­ßen­ord­nung der Rück­ver­gü­tun­gen ver­pflich­tet war, wie ihn der Bun­des­ge­richts­hof in sei­nem Urteil vom 19.12.2006 1 für die Rück­ver­gü­tung von Aus­ga­be­auf­schlä­gen beim Erwerb von Akti­en­fonds gefor­dert hat. Das erscheint zwei­fel­haft, weil sich in dem vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall der Hin­weis auf den "Anteil" der Bank an dem Aus­ga­be­auf­schlä­gen beschrän­ken konn­te, wäh­rend bei Ver­mö­gens­ver­wal­tungs­ver­trä­gen der vor­lie­gen­den Art neben dem jewei­li­gen "Anteil" der Bank sämt­li­che in Betracht kom­men­den Geschäf­te und die dafür anfal­len­den Gebüh­ren auf­ge­zählt wer­den müß­ten.

Traf ihn jedoch die Pflicht, den Anle­ger von sich aus über die Grö­ßen­ord­nung der an ihn mög­li­cher­wei­se flie­ßen­den Rück­ver­gü­tun­gen auf­zu­klä­ren, so hat er die­se Pflicht nicht schuld­haft ver­letzt. Er konn­te im Jahr 2005 und Anfang 2006 davon aus­ge­hen, daß die in sei­nen Ver­trä­gen ent­hal­te­ne Auf­klä­rung aus­rei­chend war. Der im Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs vom 19.12.2000 sta­tu­ier­ten Auf­klä­rungs­pflicht war er nach­ge­kom­men. Weder die­ses Urteil noch die Richt­li­nie des Bun­des­auf­sichts­am­tes für den Wert­pa­pier­han­del vom 09.05.2000 for­der­ten eine Auf­klä­rung des Anle­gers über die Grö­ßen­ord­nung der Rück­ver­gü­tun­gen. Daß eine der­ar­ti­ge erwei­ter­te Auf­klä­rungs­pflicht Gegen­stand von Gerichts­ent­schei­dun­gen oder von Erör­te­run­gen in rechts­wis­sen­schaft­li­chem Schrift­tum war, ist auch dem Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs vom 19.12.2006 nicht zu ent­neh­men. Er durf­te des­halb, ohne fahr­läs­sig zu han­deln, anneh­men, mit dem von ihm erteil­ten Hin­weis auf die Rück­ver­gü­tun­gen, mit der zusätz­li­chen aus­drück­li­chen Auf­klä­rung über die dar­aus für den Anle­ger fol­gen­de Gefahr und mit dem Ange­bot, dem Anle­ger die Gebüh­ren­hö­he auf Anfra­ge mit­zu­tei­len, habe er sei­nen gesetz­li­chen und von der Rechts­spre­chung bis dahin sta­tu­ier­ten Pflich­ten nicht nur genügt, son­dern sogar dar­über hin­aus­ge­hen­de Hin­wei­se gege­ben 3.

Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Urteil vom 23. Juli 2009 – 1 U 194/​08

  1. BGHZ 170, 226[][]
  2. BGHZ 146, 235[]
  3. vgl. auch Dieckmann/​Langen NJW 2009, 1417 f.[]