Gerichts­kos­ten im Kapi­tal­an­le­ger-Mus­ter­ver­fah­ren

In einem Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren nach dem Kapi­tal­an­le­ger-Mus­ter­ver­fah­rens­ge­setz schul­det der Muster­klä­ger die Gerichts­ge­büh­ren nach § 22 Abs. 1 Satz 1 und Abs. 4 Satz 2, § 51a Abs. 2 GKG aF nur nach Maß­ga­be der ihm zure­chen­ba­ren Tei­le des Gesamt­streit­werts.

Gerichts­kos­ten im Kapi­tal­an­le­ger-Mus­ter­ver­fah­ren

Das Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren nach dem Kapi­tal­an­le­ger­Mus­ter­ver­fah­rens­ge­setz ist eine bür­ger­li­che Rechts­strei­tig­keit gemäß § 6 Abs. 1 Nr. 1 GKG aF, für das die Ver­fah­rens­ge­bühr mit der Ein­rei­chung der Rechts­mit­tel­schrift fäl­lig wird 1. Das Mus­ter­fest­stel­lungs­ver­fah­ren wird als Zwi­schen­ver­fah­ren vor dem im Rechts­zug über­ge­ord­ne­ten Ober­lan­des­ge­richt geführt 2 und ist damit eben­so wie die nach § 7 Abs. 1 Kap­MuG aF (§ 8 Abs. 1 Kap­MuG nF) aus­ge­setz­ten Aus­gangs­ver­fah­ren eine bür­ger­li­che Rechts­strei­tig­keit nach § 3 Abs. 1 EGZPO 3. Nach altem wie nach neu­em Kos­ten­recht gilt das erst­in­stanz­li­che Mus­ter­ver­fah­ren als Teil des ers­ten Rechts­zugs des Pro­zess­ver­fah­rens (Vor­be­mer­kung 1.2.1 KV Anla­ge 1 GKG). Daher fal­len ledig­lich Aus­la­gen des Mus­ter­ver­fah­rens an, die gem. § 9 Abs. 1 GKG aF bzw. § 9 Abs. 1 Satz 2 GKG nF erst mit rechts­kräf­ti­gem Abschluss des Mus­ter­ver­fah­rens fäl­lig wer­den. Die Haf­tung des Muster­klä­gers nach § 22 Abs. 1 GKG für die Aus­la­gen ist nach § 22 Abs. 4 Satz 1 GKG aus­ge­schlos­sen 4.

Dem­ge­gen­über fal­len für das Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren die Ver­fah­rens­ge­büh­ren nach Nr. 1821 KV Anla­ge 1 GKG aus dem Wert an, der der Sum­me der in sämt­li­chen nach § 7 Abs. 1 Kap­MuG aF bzw. § 8 Kap­MuG nF aus­ge­setz­ten Pro­zess­ver­fah­ren gel­tend gemach­ten Ansprü­chen ent­spricht. Aus § 22 Abs. 4 Satz 2 GKG ergibt sich, dass der Rechts­be­schwer­de­füh­rer als Schuld­ner nach § 22 Abs. 1 Satz 1 GKG ange­se­hen wird 5. Dar­aus folgt, dass das Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren selbst bür­ger­li­che Rechts­strei­tig­keit nach § 22 Abs. 1 Satz 1 GKG ist.

Der Muster­klä­ger schul­det die Ver­fah­rens­ge­büh­ren nach § 22 Abs. 1 Satz 1, § 51a Abs. 2, § 47 Abs. 1 Satz 1 GKG aF jedoch nur aus einem Wert von 6.036 €. Sei­ne Haf­tung beschränkt sich auf die ihm zure­chen­ba­ren Tei­le des Gesamt­streit­werts. Maß­geb­lich sind inso­weit die Höhe der im Haupt­sa­che­ver­fah­ren gel­tend gemach­ten Ansprü­che, soweit die­se Gegen­stand des Mus­ter­ver­fah­rens sind, sowie die im Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren gestell­ten Anträ­ge 6. Im Streit­fall rich­ten sich die Ver­fah­rens­ge­büh­ren nach dem Wert des Haupt­an­spruchs, den der Muster­klä­ger im Aus­gangs­ver­fah­ren ver­folgt.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 22. Okto­ber 2013 – II ZB 7/​09

  1. vgl. auch Mey­er, GKG, 13. Aufl., § 6 Rn. 2[]
  2. Hess in KK-Kap­MuG, Einl. Rn. 23[]
  3. OLG Mün­chen, Beschluss vom 16.01.2008 – W (KAP) 26/​07; Wolf/​Lange in Vorwerk/​Wolf, Kap­MuG, Ein­lei­tung Rn. 15[]
  4. vgl. auch BT-Drucks. 15/​5091, S. 35[]
  5. Kru­is in KK-Kap­MuG, § 19 Anh. I § 51a GKG Rn. 13[]
  6. vgl. BGH, Beschluss vom 16.10.2012 – II ZB 6/​09, ZIP 2013, 92 Rn. 7; BT-Drucks. 15/​5091, S. 35[]