Kün­di­gung von Prä­mi­en­spar­ver­trä­gen

Eine Bank kann einen Prä­mi­en­spar­ver­trag erst mit Errei­chen der höchs­ten Prä­mi­en­stu­fe kün­di­gen.

Kün­di­gung von Prä­mi­en­spar­ver­trä­gen

In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall begehr­ten Bank­kun­den in der Haupt­sa­che die Fest­stel­lung des Fort­be­stan­des drei­er Spar­ver­trä­ge. Im Jahr 1996 warb die beklag­te Spar­kas­se für das „S‑Prämiensparen fle­xi­bel” mit einer Wer­be­bro­schü­re, in der unter ande­rem eine Mus­ter­rech­nung ent­hal­ten ist, mit der die Ent­wick­lung eines Spar­gut­ha­bens über einen Zeit­raum von 25 Jah­ren bei einer monat­li­chen Spar­ra­te von 150 DM ein­schließ­lich der jähr­li­chen Prä­mi­en­zah­lun­gen dar­ge­stellt wird. In den Jah­ren 1996 und 2004 schlos­sen die Bank­kun­den mit der Spar­kas­se ins­ge­samt drei Spar­ver­trä­ge „S‑Prämiensparen fle­xi­bel”. Neben einer varia­blen Ver­zin­sung des Spar­gut­ha­bens sahen die Ver­trä­ge erst­mals nach Ablauf des drit­ten Spar­jah­res die Zah­lung einer Prä­mie in Höhe von 3% der im abge­lau­fe­nen Spar­jahr erbrach­ten Spar­bei­trä­ge vor. Ver­trags­ge­mäß stieg die­se Prä­mie bis zum Ablauf des 15. Jah­res auf 50% der geleis­te­ten Spar­bei­trä­ge an.

Für alle Spar­ver­trä­ge gal­ten die AGB-Spar­kas­sen der Spar­kas­se (Stand: 21. März 2016). Nr. 26 Abs. 1 AGB-Spar­kas­sen ent­hielt fol­gen­de Rege­lung:

(1) Ordent­li­che Kün­di­gung

Soweit weder eine Lauf­zeit noch eine abwei­chen­de Kün­di­gungs­re­ge­lung ver­ein­bart sind, kön­nen der Kun­de und bei Vor­lie­gen eines sach­ge­rech­ten Grun­des auch die Spar­kas­se die gesam­te Geschäfts­be­zie­hung oder ein­zel­ne Geschäfts­zwei­ge jeder­zeit ohne Ein­hal­tung einer Kün­di­gungs­frist kün­di­gen. Kün­digt die Spar­kas­se, so wird sie den berech­tig­ten Belan­gen des Kun­den ange­mes­sen Rech­nung tra­gen, ins­be­son­de­re nicht zur Unzeit kün­di­gen. …”

Unter Hin­weis auf das nied­ri­ge Zins­um­feld erklär­te die Spar­kas­se am 5. Dezem­ber 2016 die Kün­di­gung des Spar­ver­tra­ges aus dem Jahr 1996 mit Wir­kung zum 1. April 2017 sowie die Kün­di­gung der Spar­ver­trä­ge aus dem Jahr 2004 mit Wir­kung zum 13. Novem­ber 2019. Die Bank­kun­den sind der Ansicht, dass die von der Spar­kas­se erklär­ten Kün­di­gun­gen unwirk­sam sei­en.

Die unter ande­rem auf die Fest­stel­lung des Fort­be­stan­des der Spar­ver­trä­ge gerich­te­te Kla­ge hat das Land­ge­richt Sten­dal erst­in­stanz­lich abge­wie­sen1. Eben­so ist die Beru­fung der Bank­kun­den vor dem Ober­lan­des­ge­richt Naum­burg ohne Erfolg geblie­ben2. Die vom Bun­des­ge­richts­hof – mit Aus­nah­me eines Hilfs­an­trags – zuge­las­se­nen Revi­si­on der Bank­kun­den hat der Bun­des­ge­richts­hof nun zurück­ge­wie­sen und damit die Ent­schei­dun­gen der Vor­in­stan­zen bestä­tigt. Die beklag­te Spar­kas­se durf­te, so der Bun­des­ge­richts­hof, die Spar­ver­trä­ge nach Nr. 26 Abs. 1 AGB-Spar­kas­sen nach Errei­chen der höchs­ten Prä­mi­en­stu­fe, d.h. hier jeweils nach Ablauf des 15. Spar­jah­res, kün­di­gen.

Die Spar­kas­se hat das ordent­li­che Kün­di­gungs­recht aus Nr. 26 Abs. 1 AGB-Spar­kas­sen für einen Zeit­raum bis zum Errei­chen der höchs­ten Prä­mi­en­stu­fe – hier: 15 Jah­re – aus­ge­schlos­sen. Die Spar­ver­trä­ge sind auf der Grund­la­ge der ver­ein­bar­ten Prä­mi­en­staf­fel und der wei­te­ren ver­trag­li­chen Bestim­mun­gen dahin zu ver­ste­hen, dass dem Spa­rer das Recht zukommt, ein­sei­tig zu bestim­men, ob er bis zum Errei­chen der höchs­ten Prä­mi­en­stu­fe spart. Die Spar­kas­se hat mit der ver­ein­bar­ten Prä­mi­en­staf­fel einen beson­de­ren Bonus­an­reiz gesetzt. Die­ser Bonus­an­reiz bedingt einen kon­klu­den­ten Aus­schluss des Kün­di­gungs­rechts aus Nr. 26 Abs. 1 AGB-Spar­kas­sen bis zum Ablauf des – hier – 15. Spar­jah­res, weil andern­falls die Spar­kas­se den Bank­kun­denn jeder­zeit den Anspruch auf Gewäh­rung der Spar­prä­mi­en ent­zie­hen könn­te. Einen kon­klu­den­ten und zeit­lich befris­te­ten Aus­schluss des Kün­di­gungs­rechts aus Nr. 26 Abs. 1 AGB-Spar­kas­sen, die im Übri­gen kei­nen Wirk­sam­keits­be­den­ken begeg­net, haben die Par­tei­en wirk­sam ver­ein­ba­ren kön­nen, weil die Spar­ver­trä­ge dem Recht der unre­gel­mä­ßi­gen Ver­wah­rung unter­lie­gen.

Einen über das Ende des 15. Spar­jah­res hin­aus­wir­ken­den Aus­schluss des Kün­di­gungs­rechts haben die Par­tei­en dage­gen auch im Hin­blick auf die unbe­fris­te­te Lauf­zeit des Ver­tra­ges nicht ver­ein­bart. Nach dem Inhalt der Ver­trags­an­trags­for­mu­la­re hat die Spar­kas­se die Zah­lung einer Spar­prä­mie ledig­lich bis zum 15. Spar­jahr ver­spro­chen. Ab die­sem Zeit­punkt waren die Spar­ver­trä­ge zwar nicht auto­ma­tisch – mit der Fol­ge der Fäl­lig­keit und Rück­zah­lung der Spar­ein­la­gen – been­det, son­dern lie­fen wei­ter. Nach dem Ver­trags­in­halt stand der Spar­kas­se aber ab die­sem Zeit­punkt ein Recht zur ordent­li­chen Kün­di­gung nach Nr. 26 Abs. 1 AGB-Spar­kas­sen unter Beach­tung der in Nr. 4 Satz 1 der Bedin­gun­gen für den Spar­ver­kehr gere­gel­ten Aus­lauf­frist von drei Mona­ten zu.

Schließ­lich ergibt sich etwas ande­res auch nicht aus dem von der Spar­kas­se ver­wen­de­ten Wer­be­fly­er. Die in dem Wer­be­pro­spekt ent­hal­te­ne Mus­ter­rech­nung, die auf einen Zeit­raum von 25 Jah­ren bezo­gen ist, stellt ledig­lich ein Rechen­bei­spiel dar, mit dem kei­ne ver­bind­li­che Aus­sa­ge zur tat­säch­li­chen Lauf­zeit des Ver­tra­ges ver­bun­den ist. Die­se ergibt sich viel­mehr aus den Ver­trags­an­trags­for­mu­la­ren, in denen die Spar­kas­se ein Errei­chen der höchs­ten Prä­mi­en­stu­fe mit dem 15. Spar­jahr zuge­sagt hat. Bei den wei­ter­ge­hen­den Aus­sa­gen han­delt es sich nach Dar­stel­lungs­art, Inhalt und For­mu­lie­rung ledig­lich um eine wer­ben­de Anprei­sung der Leis­tung, der ein durch­schnitt­li­cher Spa­rer eine Ände­rung oder gar – hier in Bezug auf die Lauf­zeit – Erwei­te­rung der wech­sel­sei­ti­gen Ansprü­che und der aus dem Spar­ver­trag fol­gen­den Rech­te, Pflich­ten und Oblie­gen­hei­ten nicht ent­neh­men kann.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 14. Mai 2019 – XI ZR 345/​18

  1. LG Sten­dal, Urteil vom 29.01.2018 – 21 O 39/​17
  2. OLG Naum­burg, Urteil vom 16.05.2018 – 5 U 29/​18