Rote Bank­ge­schäf­te

Der Streit zwi­schen den Spar­kas­sen und dem Bank­kon­zern San­tan­der wegen Ver­let­zung der zuguns­ten der Spar­kas­sen gech­hütz­ten Farb­mar­ke Rot geht in eine wei­te­re Run­de, der Bun­des­ge­richts­hof hat den Rechts­streit an das Han­sea­ti­sche Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg zurück­ver­wie­sen.

Rote Bank­ge­schäf­te

Der Klä­ger, der Deut­sche Spar­kas­sen- und Giro­ver­band, ist der Dach­ver­band der Spar­kas­sen-Finanz­grup­pe, zu der die Spar­kas­sen gehö­ren, die in Deutsch­land 16.000 Geschäfts­stel­len betrei­ben und Bank­dienst­leis­tun­gen für Pri­vat­kun­den erbrin­gen. Die Spar­kas­sen set­zen seit Jahr­zehn­ten in Deutsch­land die rote Far­be im Rah­men ihres Markt­auf­tritts ein. Der Klä­ger ist seit 2002 Inha­ber der als ver­kehrs­durch­ge­setz­tes Zei­chen ein­ge­tra­ge­nen deut­schen Farb­mar­ke "Rot" (HKS-Far­be 13), die für Bank­dienst­leis­tun­gen für Pri­vat­kun­den ein­ge­tra­gen ist.

Die Beklag­te ist zum einen die Mut­ter­ge­sell­schaft des inter­na­tio­nal ope­rie­ren­den spa­ni­schen Finanz­kon­zerns San­tan­der, der größ­ten Finanz­grup­pe im Euro­raum. Sie unter­hält eine Zweig­nie­der­las­sung in Frank­furt am Main und besitzt die Erlaub­nis, in Deutsch­land Bank­ge­schäf­te zu betrei­ben. Die zwei­te Beklag­te ist ihre Toch­ter­ge­sell­schaft, die in Deutsch­land etwa 200 Bank­fi­lia­len unter­hält. Die spa­ni­sche San­tan­der-Mut­ter­ge­sell­schaft ver­wen­det seit Ende der 1980er Jah­re in zahl­rei­chen Län­dern bei ihrem Markt­auf­tritt einen roten Farb­ton. Die deut­sche Toch­ter­ge­sell­schaft setzt seit dem Jahr 2004 eben­falls die rote Far­be ein. Die Logos der San­tan­der-Bank ent­hal­ten auf recht­ecki­gem rotem Grund ein wei­ßes Flam­men­sym­bol und dane­ben den in Weiß gehal­te­nen Schrift­zug "San­tan­der CONSUMER BANK" oder "San­tan­der" (bei der deut­schen Toch­ter­ge­sell­schaft) oder "Gru­po San­tan­der" (bei der spa­ni­schen Mut­ter­ge­sell­schaft). Das Har­mo­ni­sie­rungs­amt für den Bin­nen­markt wies im Jahr 2009 den Antrag der spa­ni­schen San­tan­der-Hol­ding zurück, einen roten Farb­ton als Gemein­schafts­mar­ke mit Schutz für die Mit­glied­staa­ten der Euro­päi­schen Uni­on in das Mar­ken­re­gis­ter ein­zu­tra­gen.

Die Par­tei­en strei­ten dar­um, ob die bei­den San­tan­der-Gesell­schaf­ten durch die Ver­wen­dung der roten Far­be im Rah­men ihres Markt­auf­tritts das Recht des Deut­schen Spar­kas­sen- und Giro­ver­ban­des an der kon­tur­lo­sen Farb­mar­ke Rot in Deutsch­land ver­let­zen.

Das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Land­ge­richt Ham­burg hat der gegen die deut­sche San­tan­dar-Toch­ter­ge­sell­schaft gerich­te­ten Kla­ge über­wie­gend statt­ge­ge­ben und die gegen die spa­ni­sche Mut­ter­ge­sell­schaft gerich­te­te Kla­ge abge­wie­sen 1. Das Han­sea­ti­sche Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg hat im Beru­fungs­ver­fah­ren durch Teil­ur­teil das land­ge­richt­li­che Urteil bestä­tigt, soweit die Kla­ge gegen die spa­ni­sche Mut­ter­ge­sell­schaft abge­wie­sen wor­den ist, und hat den Rechts­streit gegen die deut­sche Toch­ter­ge­sell­schaft vor­läu­fig bis zur Ent­schei­dung über den von San­tan­der beim Deut­schen Patent- und Mar­ken­amt gestell­ten Antrag auf Löschung der Farb­mar­ke Rot aus­ge­setzt 2. Das Bun­des­pa­tent­ge­richt hat mit Beschluss vom 8. Juli 2015 die Löschung der Farb­mar­ke Rot des Deut­schen Spar­kas­sen- und Giro­ver­ban­des ange­ord­net. Die Ent­schei­dung ist nicht rechts­kräf­tig. Gegen den Beschluss des Bun­des­pa­tent­ge­richts ist beim Bun­des­ge­richts­hofs noch das Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren anhän­gig.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat nun das Ham­bur­ger Beru­fungs­ur­teil, mit dem das OLG Ham­burg die Kla­ge gegen die spa­ni­sche Mut­ter­ge­sell­schaft abge­wie­sen hat, auf­ge­ho­ben und die Sache an das Han­sea­ti­sche Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg zurück­ver­wie­sen. Er hat eine Aus­set­zung des vor­lie­gen­den Ver­let­zungs­ver­fah­rens bis zur rechts­kräf­ti­gen Ent­schei­dung über den Antrag San­tan­ders, die Farb­mar­ke Rot des DSGV zu löschen, abge­lehnt, weil der Aus­gang des Löschungs­ver­fah­rens offen ist. Er hat ange­nom­men, dass das Ober­lan­des­ge­richt über die Kla­ge gegen die spa­ni­sche San­tan­der-Hol­ding nicht iso­liert ent­schei­den durf­te, weil sich im wei­te­ren Ver­fah­ren gegen bei­de San­tan­der-Gesell­schaf­ten zum Teil die­sel­ben Rechts­fra­gen stel­len und der Rechts­streit des­halb ein­heit­lich gegen­über bei­den Gesell­schaf­ten ent­schie­den wer­den muss, um wider­sprüch­li­che Ent­schei­dun­gen zu ver­mei­den.

Wei­ter hat der Bun­des­ge­richts­hof ange­nom­men, dass mar­ken- und kenn­zei­chen­recht­li­che Unter­las­sungs­an­sprü­che, ins­be­son­de­re aus § 14 Abs. 2 Nr. 2 und 3 sowie Abs. 5 Mar­kenG, mit der vom Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg gege­be­nen Begrün­dung nicht voll­stän­dig ver­neint wer­den kön­nen. Er hat die Annah­me des Ober­lan­des­ge­richts nicht gebil­ligt, wegen der Zurück­wei­sung des Antrags, den roten Farb­ton als Gemein­schafts­mar­ke ein­zu­tra­gen, dro­he kei­ne Ver­wen­dung der roten Far­be durch die spa­ni­sche San­tan­der-Hol­ding in Deutsch­land. Der Bun­des­ge­richts­hof hat Ansprü­che des Deut­schen Spar­kas­sen- und Giro­ver­ban­des für mög­lich gehal­ten, soweit die spa­ni­sche San­tan­der-Hol­ding ihr in roter und wei­ßer Far­be gestal­te­tes Logo bei der For­mel-1-Ver­an­stal­tung "Gro­ßer Preis San­tan­der von Deutsch­land 2010" und bei ihrem Inter­net­auf­tritt ein­ge­setzt hat. Zwar hat die spa­ni­sche San­tan­der-Hol­ding die rote Far­be in ihrem Logo nicht iso­liert benutzt, son­dern den roten Farb­ton in einem aus meh­re­ren Ele­men­ten bestehen­den Kom­bi­na­ti­ons­zei­chen ver­wen­det. Das Ober­lan­des­ge­richt hat jedoch nicht geprüft, ob die abs­trak­te Farb­mar­ke der Spar­kas­sen eine in Deutsch­land bekann­te Mar­ke ist, mit der das San­tan­der-Logo im Rah­men ihres Inter­net­auf­tritts ver­wech­selt wer­den kann. Ist die rote Far­be eine bekann­te Mar­ke, kann der DSGV sich selbst wenn kei­ne Ver­wechs­lungs­ge­fahr bestehen soll­te gegen die Ver­wen­dung des roten Farb­tons durch die spa­ni­sche San­tan­der-Mut­ter­ge­sell­schaft bei der Ban­den­wer­bung und beim Inter­net­auf­tritt wen­den, wenn der ange­spro­che­ne Ver­kehr deren Logo gedank­lich mit der Farb­mar­ke der Spar­kas­sen ver­knüpft und die Kla­ge­mar­ke als Ele­ment des Markt­auf­tritts der Spar­kas­sen durch den Ein­satz des roten Farb­tons als Haus­far­be der Bank San­tan­der beein­träch­tigt wird. Die hier­zu not­wen­di­gen Fest­stel­lun­gen muss das Han­sea­ti­sche Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg nun nach­ho­len.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 23. Sep­tem­ber 2015 – I ZR 78/​14

  1. LG Ham­burg, Urteil vom 24.02.2011 – 315 O 263/​10[]
  2. OLG Ham­burg, Urteil vom 06.03.2014 – 5 U 82/​11[]