Wider­ruf eines Dar­lehns­ver­trags in Alt­fäl­len

Die Rechts­fol­gen, die nach Wider­ruf der auf Abschluss eines Dar­le­hens­ver­tra­ges gerich­te­ten Wil­lens­er­klä­rung in Alt­fäl­len ein­tre­ten, in denen § 357a BGB noch kei­ne Anwen­dung fin­det, sind höchst­rich­ter­lich geklärt.

Wider­ruf eines Dar­lehns­ver­trags in Alt­fäl­len

Der Bun­des­ge­richts­hofs­recht­spre­chung1 lässt sich ohne wei­te­res ent­neh­men, dass der Dar­le­hens­neh­mer dem Dar­le­hens­ge­ber gemäß § 346 Abs. 1 Halb­satz 1 BGB Her­aus­ga­be der gesam­ten Dar­le­hens­va­lu­ta ohne Rück­sicht auf eine (Teil-)Til­gung und gemäß § 346 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 und Satz 2 BGB Her­aus­ga­be von Wert­er­satz für Gebrauchs­vor­tei­le am jeweils tat­säch­lich noch über­las­se­nen Teil der Dar­le­hens­va­lu­ta schul­det.

Der Dar­le­hens­ge­ber schul­det dem Dar­le­hens­neh­mer gemäß § 346 Abs. 1 Halb­satz 1 BGB die Her­aus­ga­be bereits erbrach­ter Zins- und Til­gungs­leis­tun­gen und gemäß § 346 Abs. 1 Halb­satz 2 BGB die Her­aus­ga­be von Nut­zungs­er­satz wegen der (wider­leg­lich) ver­mu­te­ten Nut­zung der bis zum Wirk­sam­wer­den des Wider­rufs erbrach­ten Zins- und Til­gungs­leis­tun­gen2.

Soweit Dar­le­hens­ge­ber oder Dar­le­hens­neh­mer gegen­über den gemäß § 348 Satz 1 BGB jeweils Zug um Zug zu erfül­len­den Leis­tun­gen die Auf­rech­nung erklä­ren, hat dies nicht zur Fol­ge, dass der Anspruch des Dar­le­hens­neh­mers gegen den Dar­le­hens­ge­ber gemäß § 346 Abs. 1 Halb­satz 2 BGB auf Her­aus­ga­be von Nut­zungs­er­satz als nicht ent­stan­den zu behan­deln wäre.

Dass die­se Grund­sät­ze in jün­ge­rer Zeit von ein­zel­nen Stim­men in der Lite­ra­tur mit nicht über­zeu­gen­den Argu­men­ten in Fra­ge gestellt wer­den3, ver­leiht der Rechts­sa­che kei­ne Grund­satz­be­deu­tung4. Anlass zur Rechts­fort­bil­dung besteht eben­falls nicht. Schließ­lich ver­langt die Siche­rung der Ein­heit­lich­keit der Recht­spre­chung ein Ein­grei­fen des Revi­si­ons­ge­richts nicht. Das Beru­fungs­ge­richt hat sich bei der Ermitt­lung der Rechts­fol­gen des Wider­rufs ersicht­lich an den höchst­rich­ter­li­chen Vor­ga­ben ori­en­tie­ren wol­len. Soweit es einen Anspruch der Beklag­ten nach § 346 Abs. 1 Halb­satz 2 BGB ver­neint hat, liegt dem ledig­lich ein ein­fa­cher Rechts­an­wen­dungs­feh­ler im Ein­zel­fall zugrun­de, der die Zulas­sung der Revi­si­on nicht recht­fer­tigt.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 22. Sep­tem­ber 2015 – XI ZR 116/​15

  1. BGH, Urteil vom 10.03.2009 – XI ZR 33/​08, BGHZ 180, 123 Rn.19 f. []
  2. vgl. BGH, Urteil vom 10.03.2009 aaO Rn. 29 []
  3. vgl. Edelmann/​Hölldampf, KSzW 2015, 148, 152 f.; Hölldampf/​Suchowerskyj, WM 2015, 999, 1001 ff.; Müller/​Fuchs, WM 2015, 1094, 1095 f., 1098 f.; Piekenbrock/​Rodi, WM 2015, 1085, 1086 f.; Schnau­der, NJW 2015, 2689, 2691 f. []
  4. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 08.02.2010 – II ZR 54/​09, WM 2010, 936 Rn. 3 und – II ZR 156/​09, ZIP 2010, 1080 Rn. 3 []
  5. BGH, Urteil vom 28.10.2015 – IV ZR 405/​14, VersR 2015, 1545 []