Mons­ter­ba­cke – So wich­tig wie das täg­li­che Glas Milch!

Der Wer­be­slo­gan "So wich­tig wie das täg­li­che Glas Milch!" für einen Früch­te­quark ist weder irre­füh­rend noch stellt er eine nach der Health-Claims-Ver­ord­nung unzu­läs­si­ge gesund­heits­be­zo­ge­ne Anga­be dar.

Mons­ter­ba­cke – So wich­tig wie das täg­li­che Glas Milch!

Dies muss­te jetzt der Bun­des­ge­richts­hof ent­schei­den, nach­dem ein Kon­kur­rent die­sen für den Früch­te­quark "Mons­ter­ba­cke" ver­wen­de­te Slo­gan als gegen die Health-Claims-Ver­ord­nung [EG] Nr.1924/2006 über nähr­wert- und gesund­heits­be­zo­ge­ne Anga­ben über Lebens­mit­tel ver­sto­ßend ansah, weil der Wer­be­slo­gan nähr­wert- und gesund­heits­be­zo­ge­ne Anga­ben über Lebens­mit­tel ent­hal­te. Im Übri­gen sei der Slo­gan irre­füh­rend.

In den Vor­in­stan­zen haben die Gerich­te unter­schied­lich geur­teilt: Wäh­rend das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Land­ge­richt Stutt­gart die Unter­las­sungs­kla­ge abge­wie­sen hat 1, hat in der Beru­fungs­in­stanz das Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart die Quark­her­stel­le­rin zur Unter­las­sung ver­ur­teilt 2. Dabei hat das Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart ange­nom­men, der Slo­gan sei irre­füh­rend, weil der Ver­kehr nicht erwar­te, dass das Pro­dukt der Beklag­ten einen wesent­lich höhe­ren Zucker­ge­halt als Milch auf­wei­se.

Im nach­fol­gen­den Revi­si­ons­ver­fah­ren hat der Bun­des­ge­richts­hof das Ver­fah­ren im Dezem­ber 2012 zuächst aus­ge­setzt und dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on die Fra­ge zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­ge­legt, ob die Infor­ma­ti­ons­pflich­ten nach Art. 10 Abs. 2 der Ver­ord­nung (EG) Nr.1924/2006 bereits im Jah­re 2010 zu beach­ten waren 3. Nach­dem der Uni­ons­ge­richts­hof die­se Fra­ge bejaht hat 4 hat der Bun­des­ge­richts­hof nun­mehr das die Kla­ge abwei­sen­de erst­in­stanz­li­che Urteil des Land­ge­richts Stutt­gart im Wesent­li­chen wie­der­her­ge­stellt.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat dabei ent­schie­den, dass die bean­stan­de­te Wer­bung der Beklag­ten nicht irre­füh­rend ist. Bei Früch­te­quark han­delt es sich – so der Bun­des­ge­richts­hof – für den Ver­brau­cher erkenn­bar um ein Pro­dukt, das sich in sei­ner Zusam­men­set­zung deut­lich von Milch unter­schei­det. Der in dem bean­stan­de­ten Slo­gan ent­hal­te­ne Ver­gleich bezieht sich nicht auf den Zucker­an­teil, der bei einem Früch­te­quark schon wegen des dar­in ent­hal­te­nen Frucht­zu­ckers natur­ge­mäß höher ist als bei Milch. Eben­so wenig fasst der Ver­kehr den Slo­gan als eine nähr­wert­be­zo­ge­ne Anga­be im Sin­ne von Art. 2 Abs. 2 Nr. 4 der Ver­ord­nung (EG) Nr.1924/2006 auf. Es han­delt viel­mehr um eine nach Art. 10 Abs. 3 zuläs­si­ge gesund­heits­be­zo­ge­ne Anga­be im Sin­ne des Art. 2 Abs. 2 Nr. 5 der Ver­ord­nung (EG) Nr.1924/2006. Der Slo­gan knüpft an die ver­brei­te­te Mei­nung an, Kin­der und Jugend­li­che soll­ten im Hin­blick auf die gesund­heits­för­dern­de Wir­kung täg­lich ein Glas Milch trin­ken.

Ledig­lich zur Ver­hand­lung und Ent­schei­dung über die von der Klä­ge­rin im Hin­blick auf eine Ver­let­zung der in Art. 10 Abs. 2 der Ver­ord­nung (EG) Nr.1924/2006 vor­ge­se­he­nen Infor­ma­ti­ons­pflich­ten hat der Bun­des­ge­richts­hof das Ver­fah­ren an das Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart zurück­ver­wie­sen. In der wie­der­eröff­ne­ten Beru­fungs­in­stanz wird das Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart nun­mehr Fest­stel­lun­gen dazu zu tref­fen haben, inwie­weit die beklag­te Mol­ke­rei Infor­ma­tio­nen im Sin­ne von Art. 10 Abs. 2 der Ver­ord­nung (EG) Nr.1924/2006 hät­te geben müs­sen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 12. Febru­ar 2015 – I ZR 36/​11

  1. LG Stutt­gart, Urteil vom 31.05.2010 – 34 O 19/​10 KfH[]
  2. OLG Stutt­gart – Urteil vom 03.02.2011 – 2 U 61/​10, ZLR 2011, 352[]
  3. BGH, Beschluss vom 05.12 2012 – I ZR 36/​11, GRUR 2013, 189 = WRP 2013, 180 – Mons­ter­ba­cke I[]
  4. EuGH – Urteil vom 10.04.2014 – C609/​12, GRUR 2014, 587 = WRP 2014, 819 – Ehr­mann[]