Preis­miss­brauch beim Trink­was­ser

Der Kar­tell­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat in einem heu­te ver­kün­de­ten Beschluss eine Preis­sen­kungs­ver­fü­gung der Hes­si­schen Lan­des­kar­tell­be­hör­de bestä­tigt, mit der die­se den Was­ser­ver­sor­ger der Stadt Wetz­lar, die enwag Ener­gie und Was­ser­ge­sell­schaft mbH (enwag), im Jahr 2007 ver­pflich­tet hat­te, die Was­ser­prei­se um etwa 30% zu sen­ken. Der Bun­des­ge­richts­hof bestä­tig­te damit den Vor­wurf des Preis­miss­brauchs bei Was­ser­lie­fe­run­gen in Wetz­lar. Der Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs dürf­te über die Stadt Wetz­lar hin­aus für die kar­tell­recht­li­che Miss­brauchs­kon­trol­le von Was­ser­prei­sen grund­sätz­li­che Bedeu­tung zukom­men.

Preis­miss­brauch beim Trink­was­ser

In der Stadt Wetz­lar belie­fert die enwag Haus­halts- und Klein­ge­wer­be­kun­den mit Trink­was­ser. Seit dem 1. Janu­ar 2003 hat sie dafür bei dem typi­schen Jah­res­ver­brauch eines Ein­fa­mi­li­en-Hau­ses einen Preis von 2,35 €/​m³ und bei dem typi­schen Jah­res­ver­brauch eines Mehr­fa­mi­li­en-Hau­ses einen Preis von 2,10 €/​m³ berech­net. Die Lan­des­kar­tell­be­hör­de hat die­sen Preis mit den Was­ser­prei­sen von 18 ande­ren Was­ser­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men aus dem gesam­ten Bun­des­ge­biet ver­gli­chen und ist dabei zu dem Ergeb­nis gekom­men, dass die­ser von der enwag ver­lang­te Was­ser­preis um etwa 30% über­höht ist. Mit Ver­fü­gung vom 9. Mai 2007 hat sie die Hes­si­sche Lan­des­kar­tell­be­hör­de daher die enwag zu einer ent­spre­chen­den Preis­sen­kung für die Zeit bis zum 31. Dezem­ber 2008 ver­pflich­tet.

Auf die Beschwer­de der enwag hin hat das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main die­se Anord­nung als recht­mä­ßig bestä­tigt 1. Die gegen die­se Ent­schei­dung des OLG Frank­furt gerich­te­te Rechts­be­schwer­de der enwag hat­te nun auch beim BGH kei­nen Erfolg.

Nach der Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs sind öffent­li­che Was­ser­ver­sor­ger der ver­schärf­ten kar­tell­recht­li­chen Miss­brauchs­auf­sicht nach § 103 Abs. 5, § 22 Abs. 5 GWB idF der Bekannt­ma­chung vom 20. Febru­ar 1990 unter­wor­fen. Die­se Vor­schrif­ten ermög­li­chen es der Kar­tell­be­hör­de, einen Preis­miss­brauch von Ver­sor­gungs­un­ter­neh­men durch einen Ver­gleich mit den Prei­sen gleich­ar­ti­ger Ver­sor­gungs­un­ter­neh­men fest­zu­stel­len, und legen dem betrof­fe­nen Unter­neh­men auf, sei­ne höhe­ren Prei­se zu recht­fer­ti­gen. Die­se Vor­schrif­ten sind zwar für Strom- und Gas­ver­sor­ger schon 1999 außer Kraft getre­ten, gel­ten aber – wie der Bun­des­ge­richts­hof näher begrün­det hat – ent­ge­gen der Auf­fas­sung der enwag für die Was­ser­ver­sor­ger wei­ter. Ihr Anwen­dungs­be­reich darf, wie in der Ent­schei­dung fer­ner betont wird, auch nicht dadurch zu sehr ein­ge­schränkt wer­den, dass an die Fest­stel­lung der Gleich­ar­tig­keit der Ver­gleichs­un­ter­neh­men über­höh­te Anfor­de­run­gen gestellt wer­den. Aus­ge­hend von die­sen Grund­sät­zen hat die nähe­re Über­prü­fung der Preis­sen­kungs­ver­fü­gung der Hes­si­schen Kar­tell­be­hör­de kei­nen Rechts­feh­ler erge­ben. Umstän­de, die ihre höhe­ren Was­ser­prei­se recht­fer­ti­gen könn­ten, hat die enwag nicht nach­ge­wie­sen.

Soweit die Kar­tell­be­hör­de dar­über hin­aus – um den betrof­fe­nen Kun­den die Rück­for­de­rung bereits geleis­te­ter Rech­nungs­be­trä­ge zu erleich­tern – die Fest­stel­lung aus­ge­spro­chen hat, die Was­ser­prei­se der enwag sei­en schon seit dem 1. Juli 2005 – also bereits vor dem Erlass der Ver­fü­gung – ent­spre­chend über­höht gewe­sen, hat­te der Bescheid kei­nen Bestand. Wie schon die Vor­in­stanz hat der Bun­des­ge­richts­hof ange­nom­men, das gel­ten­de Recht ermäch­ti­ge die Kar­tell­be­hör­de ledig­lich zu einem zukunfts­ge­rich­te­ten Ein­schrei­ten, nicht aber zu für zurück­lie­gen­de Abrech­nungs­zeit­räu­me gel­ten­den Maß­nah­men.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 2. Febru­ar 2010 – KVR 66/​08

  1. Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main, Beschluss vom 18.11.2008 – 11 W 23/​07 (Kart).[]