Regu­lie­rung beim DSL-Aus­bau

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig hat ges­tern einer Kla­ge der Deut­sche Tele­kom AG gegen die im Hin­blick auf den VDSL-Aus­bau ver­füg­te Regu­lie­rung des Mark­tes für Teil­neh­mer­an­schlüs­se teil­wei­se statt­ge­ge­ben.

Regu­lie­rung beim DSL-Aus­bau

Zum Fest­netz der Deut­sche Tele­kom AG gehört das sog. Teil­neh­mer­an­schluss­netz, das her­kömm­lich aus Kup­fer­draht besteht und die bun­des­weit ca. 39 Mil­lio­nen End­kun­den­an­schlüs­se über rund 300 000 Kabel­ver­zwei­ger mit den etwa 8 000 Haupt­ver­tei­lern ver­bin­det. Im Jahr 2005 erleg­te die Bun­des­netz­agen­tur der Deut­sche Tele­kom AG die Ver­pflich­tung auf, ande­ren Unter­neh­men Zugang zum Teil­neh­mer­an­schluss in Form der Kup­fer­dop­pel­a­der am Haupt­ver­tei­ler zu gewäh­ren. Die­ser Regu­lie­rungs­ver­fü­gung lag die Fest­stel­lung zugrun­de, dass die Klä­ge­rin den bun­des­wei­ten Markt für den Zugang zur Teil­neh­mer­an­schluss­lei­tung beherrsch­te.

Seit dem Jahr 2006 baut die Deut­sche Tele­kom AG ihr Anschluss­netz zur Erzie­lung beson­ders hoher Daten­über­tra­gungs­ra­ten nach dem VDS­L2-Stan­dard aus. Dies setzt vor­aus, dass die Dop­pel­a­der-Metall­lei­tung eine Län­ge von eini­gen hun­dert Metern nicht über­schrei­tet, die bis­her in den Haupt­ver­tei­lern instal­lier­te Über­tra­gungs­tech­nik muss also näher an die End­kun­den­an­schlüs­se her­an­ge­führt wer­den. Aus die­sem Grund wird von der Deut­sche Tele­kom AG mit hohem Inves­ti­ti­ons­auf­wand die bis­her am Haupt­ver­tei­ler instal­lier­te Ver­mitt­lungs­tech­nik im Kabel­ver­zwei­ger unter­ge­bracht, Haupt­ver­tei­ler und Kabel­ver­zwei­ger wer­den mit Glas­fa­ser­lei­tun­gen ver­bun­den.

Vor die­sem Hin­ter­grund ver­pflich­te­te die Bun­des­netz­agen­tur die Deut­sche Tele­kom AG durch Beschluss vom 27. Juni 2007 unter ande­rem, ihren Wett­be­wer­bern Zugang zu den Kabel­ver­zwei­gern sowie zu den Kabel­ka­nä­len zwi­schen Kabel­ver­zwei­gern und Haupt­ver­tei­lern bzw., soweit aus­rei­chen­de Kabel­ka­nä­le im Ein­zel­fall nicht zur Ver­fü­gung ste­hen, Zugang zu unbe­schal­te­ter Glas­fa­ser zwi­schen Kabel­ver­zwei­gern und Haupt­ver­tei­lern zu gewäh­ren.

Die Deut­sche Tele­kom AG hielt die neu auf­er­leg­ten Ver­pflich­tun­gen in Anbe­tracht der von ihr im Zusam­men­hang mit dem VDSL-Aus­bau ein­ge­gan­ge­nen Inves­ti­ti­ons­ri­si­ken für unver­hält­nis­mä­ßig, zumal ihre VDSL-Leis­tun­gen als „neu­er Markt" einem beson­de­ren gesetz­li­chen Schutz unter­lä­gen. Sie beruft sich auf ihre eige­nen erheb­li­chen Inves­ti­tio­nen, die sie erst nach der Libe­ra­li­sie­rung der Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­märk­te, also schon unter Wett­be­werbs­be­din­gun­gen, getä­tigt habe.

Die gegen die Bun­des­netz­agen­tur gerich­te­te Kla­ge der Deut­sche Tele­kom AG wur­de vom Ver­wal­tungs­ge­richt Köln im Wesent­li­chen abge­wie­sen 1. Ihre gegen die­ses Urteil ein­ge­leg­te Revi­si­on zum Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat­te nun bei den Leip­zi­ger Bun­des­rich­tern zum Teil Erfolg.

In Bezug auf den Zugang zu den Kabel­ver­zwei­gern und den Kabel­ka­nä­len zwi­schen Kabel­ver­zwei­gern und Haupt­ver­tei­lern bestä­tig­te das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt das von der Bun­des­netz­agen­tur ver­folg­te Regu­lie­rungs­kon­zept. Durch die Mög­lich­keit, die Kabel­ver­zwei­ger von den Haupt­ver­tei­lern aus mit eige­nen Glas­fa­ser­ka­beln zu erschlie­ßen und mit eige­ner Über­tra­gungs­tech­nik aus­zu­rüs­ten, kön­nen einer­seits die Wett­be­wer­ber mit zumut­ba­rem Auf­wand eine eige­ne Infra­struk­tur auf­bau­en und sich aus der tech­ni­schen Abhän­gig­keit von der Deut­sche Tele­kom AG lösen. Ande­rer­seits blei­ben die eigent­li­chen Netz­kom­po­nen­ten des von der Deut­sche Tele­kom AG mit hohem Inves­ti­ti­ons­auf­wand errich­te­ten VDSL-Net­zes von dem Regu­lie­rungs­ein­griff unbe­rührt. Aller­dings hat die Bun­des­netz­agen­tur nicht hin­rei­chend begrün­det, dass der den Wett­be­wer­bern unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen eröff­ne­te Zugriff auf die von der Deut­sche Tele­kom AG im Zuge ihres VDSL-Aus­baus zwi­schen dem Haupt­ver­tei­ler und den Kabel­ver­zwei­gern ver­leg­ten Glas­fa­ser­lei­tun­gen gerecht­fer­tigt ist. Die­se Ver­pflich­tung wur­de des­halb vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt auf­ge­ho­ben.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 27. Janu­ar 2010 – 6 C 22.08

  1. VG Köln – 21 K 2701/​07[]