Ver­ga­be von Funk­fre­quen­zen

Vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig hat­te die Kla­ge eines Mobil­funk­un­ter­neh­mens gegen eine Ent­schei­dung der Bun­des­netz­agen­tur über die Ver­ga­be von Funk­fre­quen­zen teil­wei­se Erfolg. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat den Rechts­streit zur wei­te­ren Auf­klä­rung des Sach­ver­halts an das Ver­wal­tungs­ge­richt Köln zurück­ver­wie­sen.

Ver­ga­be von Funk­fre­quen­zen

Die Klä­ge­rin ist eines der vier Unter­neh­men, die in Deutsch­land Mobil­funk­dienst­leis­tun­gen für die Öffent­lich­keit anbie­ten. Die Netz­be­trei­ber ver­fü­gen his­to­risch bedingt über unter­schied­li­che Fre­quenz­aus­stat­tun­gen. Im Bereich der Fre­quen­zen unter­halb von 1 GHz, die sich auf­grund grö­ße­rer Nutz­reich­wei­ten beson­ders für die Ver­sor­gung in der Flä­che eig­nen, ver­füg­te die Klä­ge­rin bis­lang nur über ein gerin­ges Spek­trum. Nach­dem Fre­quen­zen ver­schie­de­ner Berei­che, dar­un­ter auch sol­che unter­halb von 1 GHz, ver­füg­bar gewor­den waren, ord­ne­te die Bun­des­netz­agen­tur die gemein­sa­me Ver­ga­be die­ser Fre­quen­zen an, bestimm­te als Ver­fah­rens­art die Ver­stei­ge­rung und leg­te detail­lier­te Durch­füh­rungs­re­geln fest.

Gegen die­se Anord­nun­gen erhob die Klä­ge­rin vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Köln Kla­ge. Nach der Abwei­sung die­ser Kla­ge 1 fand im April und Mai 2010 das Ver­stei­ge­rungs­ver­fah­ren statt. Als ein­zi­gem der vier Mobil­funk­un­ter­neh­men gelang es dabei der Klä­ge­rin nicht, Fre­quen­zen in dem von ihr begehr­ten Bereich unter­halb von 1 GHz zu erwer­ben, wäh­rend die Betrei­ber der Kon­kur­renz­net­ze – T‑Mobile, Voda­fone und O2 – im Ver­stei­ge­rungs­ver­fah­ren jeweils Fre­quen­zen zuge­wie­sen beka­men.

Mit der Revi­si­on zum Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt bezweck­te die unter­le­ge­ne Mobil­funk­netz­be­trei­be­rin nun, der umstrit­te­nen Fre­quenz­ver­ga­be nach­träg­lich die Grund­la­ge ent­zie­hen.

Nach Auf­fas­sung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts ist der ent­schei­dungs­er­heb­li­che Sach­ver­halt bis­lang aber noch nicht voll­stän­dig auf­ge­klärt. Das betrifft zum einen die Fre­quenz­knapp­heit als Vor­aus­set­zung für die Anord­nung eines Ver­ga­be­ver­fah­rens. Ein das Fre­quenz­an­ge­bot über­stei­gen­der Bedarf, bezo­gen auf den Zeit­punkt der Ver­ga­be­ent­schei­dung und die Gesamt­heit der zur gemein­sa­men Ver­ga­be ver­bun­de­nen Fre­quen­zen, wur­de nicht hin­rei­chend fest­ge­stellt. Auch ist nicht genü­gend geklärt, ob und inwie­weit auf dem­sel­ben sach­lich und räum­lich rele­van­ten Markt, auf dem die neu ver­ge­be­nen Funk­fre­quen­zen ver­wen­det wer­den dür­fen, in der Ver­gan­gen­heit bereits Fre­quen­zen ohne Ver­stei­ge­rungs­ver­fah­ren zuge­teilt wor­den sind. Eine dahin­ge­hen­de Fest­stel­lung hat regel­mä­ßig wesent­li­che Bedeu­tung für die Beur­tei­lung der Fra­ge, ob die Ver­stei­ge­rung das geeig­ne­te Ver­fah­ren für die Ver­ga­be (auch) der nun­mehr ver­füg­ba­ren Fre­quen­zen dar­stellt. Da das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt die feh­len­den Fest­stel­lun­gen nicht selbst tref­fen konn­te, hat es die Sache an das Ver­wal­tungs­ge­richt Köln zurück­ver­wie­sen.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 23. März 2011 – 6 C 6.10

  1. VG Köln, Urteil vom 17.03.2010 – 21 K 7769/​09[]