Ver­set­zungs­be­wer­ber bei Bezirks­schon­stein­fe­gern

§ 5 Abs. 1 SchfG erfasst "Ver­set­zungs­be­wer­ber" unter den Bezirks­schorn­stein­fe­ger­meis­tern nicht; daher exis­tiert der Vor­rang der Bewer­ber um einen ande­ren Kehr­be­zirk vor Erst­be­wer­bern für einen Kehr­be­zirk als Schorn­stein­fe­ger nach der Neu­re­ge­lung nicht mehr, wie jetzt das Ver­wal­tungs­ge­richt Stutt­gart fest­stell­te.

Ver­set­zungs­be­wer­ber bei Bezirks­schon­stein­fe­gern

Nach § 5 Abs. 1 SchfG 1 wird als Bezirks­schorn­stein­fe­ger­meis­ter auf bis zum 31.12.2009 frei wer­den­de Bezir­ke nur bestellt, wer bis zum Tag vor Inkraft­tre­ten die­ses Geset­zes in die Bewer­ber­lis­te nach § 4 des Schorn­stein­fe­ger­ge­set­zes in der bis zu die­sem Tag gel­ten­den Fas­sung ein­ge­tra­gen ist. Nach die­sem § 4 SchfG a.F. waren Bewer­ber, die sich als Bezirks­schorn­stein­fe­ger­meis­ter bestel­len las­sen woll­ten, auf Antrag in eine Bewer­ber­lis­te ein­ge­tra­gen. § 4 Abs. 2 SchfG a.F. ent­hielt eine Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge für das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Wirt­schaft und Tech­no­lo­gie zum Erlass einer Rechts­ver­ord­nung über z.B. Vor­aus­set­zun­gen der Ein­tra­gung in die Bewer­ber­lis­te (§ 4 Abs. 2 Nr. 2 a.F.) oder auch zu den Vor­aus­set­zun­gen für die Bewer­bung um einen ande­ren Kehr­be­zirk (§ 4 Abs. 2 Nr. 5 SchfG a.F.).

Die­se Rechts­ver­ord­nung war die Ver­ord­nung über das Schorn­stein­fe­ger­we­sen, die nun­mehr durch Art. 4 Abs. 2 des Geset­zes zur Neu­re­ge­lung des Schorn­stein­fe­ger­we­sens am Tag nach der Ver­kün­dung des Geset­zes außer Kraft trat. Danach wur­de die sog. Lan­des­be­wer­ber­lis­te B mit Neu­be­wer­bern nach §§ 6 SchfG a.F., 11 SchfVO geführt, eben­so wie das Ver­zeich­nis nach § 12 Abs. 2 SchfG mit den bereits bestell­ten Bezirks­schorn­stein­fe­ger­meis­tern, die sich um einen ande­ren Kehr­be­zirk bewor­ben haben (sog. Lan­des­be­wer­ber­lis­te A). § 12 Abs. 2 Satz 2 SchfVO ord­ne­te die Bevor­rech­ti­gung die­ser „Ver­set­zungs­be­wer­ber“ gegen­über ande­ren Bewer­bern nach § 4 SchfG a.F. an. Ob nun durch die Bezug­nah­me des § 5 SchfG n.F. auf die Bewer­ber­lis­te nach § 4 SchfG a.F. die Bestel­lun­gen bis 31.12.2009 nur noch nach der Lan­des­be­wer­ber­lis­te B oder nach bei­den Lis­ten – mit dem Ergeb­nis der Wei­ter­gel­tung des Vor­rangs nach § 12 Abs. 2 Satz 2 SchVO – vor­ge­nom­men wer­den soll­ten, erschließt sich weder ein­deu­tig aus dem Wort­laut der Vor­schrift noch aus ande­ren Umstän­den. Gegen eine Wei­ter­gel­tung auch der Bewer­ber­lis­te A könn­te ins Feld geführt wer­den, dass es sich bei die­ser Lis­te nach § 12 Abs. 2 Satz 1 SchfVO eben ledig­lich um ein Ver­zeich­nis und nicht um eine Bewer­ber­lis­te han­delt. Hier­an ändert nichts, dass das Ver­zeich­nis nach § 12 SchfVO in der bun­des­wei­ten Anwen­dungs­pra­xis – so auch vom Regie­rungs­prä­si­di­um Stutt­gart – nicht als Ver­zeich­nis, son­dern eben als Lan­des­be­wer­ber­lis­te A bezeich­net wird. Zudem hat das Regie­rungs­prä­si­di­um Stutt­gart zutref­fend dar­auf hin­ge­wie­sen, dass der Gesetz­ge­ber mit der Ände­rung des Schorn­stein­fe­ger­ge­set­zes zugleich die Ver­ord­nung über das Schorn­stein­fe­ger­we­sen auf­ge­ho­ben hat. Hin­zu kommt, dass ein „Ver­set­zungs­be­wer­ber“ nach § 12 SchfVO ein bereits end­gül­tig bestell­ter Bezirks­schorn­stein­fe­ger­meis­ter war, an des­sen Bestel­lung sich durch die Ver­set­zung nichts geän­dert hat 2, so dass zwei­fel­haft ist, ob die Neu­fas­sung des § 5 SchfG, in dem von „Bestel­lung“ die Rede ist, „Ver­set­zungs­be­wer­ber“ über­haupt erfas­sen woll­te. Ande­rer­seits geht Steh­mer 3 ohne wei­te­re Begrün­dung davon aus, dass Lan­des­be­wer­ber­lis­te nach § 4 Abs. 1 SchfG nicht nur die Lis­te derer ist, die sich erst­mals um einen Kehr­be­zirk bewer­ben, son­dern auch das beson­de­re Ver­zeich­nis nach § 12 Abs. 2 Satz 2 SchfVO umfas­se. In die­se Rich­tung deu­tet auch die Stel­lung­nah­me des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Wirt­schaft und Tech­no­lo­gie vom 23.09.2008 hin, aller­dings auch hier ohne nähe­re Begrün­dung. Die Aus­le­gung des § 5 Abs. 1 SchfG n.F. ist danach nach gegen­wär­ti­gem Erkennt­nis­stand nicht ein­deu­tig mög­lich, so dass die Klä­rung die­ser Rechts­fra­ge dem Haupt­sa­che­ver­fah­ren vor­be­hal­ten blei­ben muss.

Ver­wal­tungs­ge­richt Stutt­gart, Urteil vom 26. Novem­ber 2009 – 4 K 4599/​08

  1. Gesetz über das Schorn­stein­fe­ger­we­sen (Schorn­stein­fe­ger­ge­setz – SchfG -) in der Fas­sung von Arti­kel 2 des Geset­zes zur Neu­re­ge­lung des Schorn­stein­fe­ger­we­sens vom 26.11.2008, BGBl. I Nr. 54, S. 2242[]
  2. vgl. Musielak/​Schira/​Manke, Schorn­stein­fe­ger­ge­setz, 6. Aufl., § 4 SchfG, Rd. 38[]
  3. Steh­mer, Hand­buch für das Schorn­stein­fe­ger­we­sen in Baden-Würt­tem­berg, 5. Aufl., in den Erläu­te­run­gen zur Ver­ord­nung des Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­ums über Zustän­dig­kei­ten nach dem Schorn­stein­fe­ger­ge­setz (Schorn­stein­fe­ger – Zustän­dig­keits­ver­ord­nung – SchfZu­VO -), Rand­num­mer 7[]