Das Ende einer Bal­lon­fahrt

Ein Bal­lon­füh­rer ver­stößt gegen Auf­sichts- und Auf­klä­rungs­pflich­ten, wenn er uner­fah­re­ne Hel­fer ohne wei­te­re, genaue­re Instruk­tio­nen für das Ver­set­zen eines Bal­lons ein­setzt und für kei­ne Koor­di­nie­rung der Hel­fer sorgt.

Das Ende einer Bal­lon­fahrt

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Olden­burg in dem hier vor­lie­gen­den Fall einen Bal­lon­füh­rer aus der Graf­schaft Bent­heim dazu ver­ur­teilt, für den Scha­den ein­zu­ste­hen, den ein Hel­fer beim Bal­lon­um­set­zen erlit­ten hat. Gleich­zei­tig ist damit das Urteil des Land­ge­richts Osna­brück 1 bestä­tigt wor­den. Der Geschä­dig­te hat­te zusam­men mit zwei ande­ren Män­nern an einer Bal­lon­fahrt teil­ge­nom­men. Nach der Lan­dung auf einem Mais­feld in der Nähe von Mep­pen bat der Bal­lon­füh­rer sei­ne drei Fahr­gäs­te, den noch schwe­ben­den Bal­lon an den am Bal­lon­korb ange­brach­ten Hal­te­schlau­fen auf eine nahe­ge­le­ge­ne Wie­se zu zie­hen. Dort soll­te der Bal­lon abge­ta­kelt wer­den. Als die Hel­fer über­rascht fest­stell­ten, dass sich zwi­schen dem Mais­feld und der Wie­se ein Gra­ben befand, lie­ßen zwei von ihnen den Bal­lon los. Der drit­te hielt wei­ter fest und stieg mit dem Bal­lon, der durch das Los­las­sen der bei­den ande­ren Auf­trieb bekam, in die Höhe. Er glaub­te, der Bal­lon­füh­rer wer­de den Bal­lon wie­der absen­ken. Dem Bal­lon­füh­rer war dage­gen zunächst nicht bewusst, dass noch einer der Hel­fer am Bal­lon hing. Er befeu­er­te den Bal­lon, um durch wei­te­ren Auf­stieg eine dro­hen­de Kol­li­si­on mit einem Baum zu ver­mei­den. Der Geschä­dig­te wur­de schließ­lich an Baum­wip­feln, die der Bal­lon­fah­rer über­que­ren woll­te, abge­streift. Er stürz­te aus gro­ßer Höhe zu Boden und erlitt schwers­te Ver­let­zun­gen. Er ist seit­dem quer­schnitts­ge­lähmt und dienst­un­fä­hig. Da der Ver­letz­te Beam­ter des Lan­des Nie­der­sach­sen war, ver­lang­te das Land von dem Bal­lon­füh­rer den Ersatz von Bei­hil­fe­kos­ten sowie Dienst- und Ver­sor­gungs­be­zü­gen. Das Land­ge­richt Osna­brück gab dem kla­gen­den Land Recht. Der Bal­lon­füh­rer habe gegen Auf­sichts- und Auf­klä­rungs­pflich­ten ver­sto­ßen und müs­se daher für den Scha­den ein­ste­hen. Gegen die­ses Urteil ist Beru­fung ein­ge­legt wor­den.

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Olden­burg habe der Bal­lon­füh­rer gegen sei­ne Ver­kehrs­si­che­rungs­pflich­ten ver­sto­ßen. Er hät­te die uner­fah­re­nen Hel­fer nicht ohne wei­te­re, genaue­re Instruk­tio­nen für das Ver­set­zen des Bal­lons ein­set­zen dür­fen. Auch hät­te er für eine Koor­di­nie­rung der Hel­fer Sor­ge tra­gen müs­sen. Dem Geschä­dig­ten kön­ne auch kein Mit­ver­schul­den ange­las­tet wer­den. Von ihm sei in der kon­kre­ten Situa­ti­on ein recht­zei­ti­ges Los­las­sen des Bal­lons nicht zu erwar­ten gewe­sen.

Ober­lan­des­ge­richt Olden­burg, Urteil vom 24. Mai 2013 – 6 U 233/​12

  1. LG Osna­brück – 9 O 2907/​11[]