Das spie­len­de Kind am Gar­ten­zaun

Zwar muss man mit Fehl­ver­hal­ten von Kin­dern rech­nen, aber gegen offen­sicht­li­che Gedan­ken­lo­sig­keit müs­sen die­se nicht geschützt wer­den.

Das spie­len­de Kind am Gar­ten­zaun

In einem vom Land­ge­richt Coburg ent­schie­de­nen Fall begehr­te die sie­ben­jäh­ri­gen Klä­ge­rin von dem Eigen­tü­mer eines Zauns 7.500,00 € Schmer­zens­geld und über 6.000,00 € Scha­den­er­satz. Das zum Unfall­zeit­punkt sechs­jäh­ri­ge Mäd­chen hat­te sich an die Eisen­stan­ge einer Umzäu­nung gehängt und war mit der Stre­be zu Boden gefal­len. Dabei zog sie sich schwe­re inne­re Ver­let­zun­gen zu.

Das Mäd­chen besuch­te mit sei­nem Vater im Jahr 2009 eine öffent­li­che Ver­an­stal­tung in der Nähe des Anwe­sens des Beklag­ten. Dort häng­te sie sich, wäh­rend der Vater die jün­ge­re Schwes­ter aus dem Auto hob, an eine Eisen­stan­ge. Die­se lös­te sich und fiel mit der Klä­ge­rin zu Boden, wobei das Kind schwe­re inne­re Ver­let­zun­gen erlitt. Es muss­te zehn Tage im Kran­ken­haus ver­brin­gen.

Die Eltern der Klä­ge­rin lie­ßen vor­tra­gen, der Beklag­te habe die Stan­ge nicht aus­rei­chend befes­tigt. Daher müs­se er 7.500,00 Euro Schmer­zens­geld zah­len und für die zehn Tage Kran­ken­haus­auf­ent­halt über 6.000,00 Euro ent­gan­ge­nen Arbeits­ein­kom­mens für den Vater. Der Vater habe die Toch­ter täg­lich im Kran­ken­haus besucht.

Der Beklag­te ver­tei­dig­te sich damit, dass sei­ne Umzäu­nung bis zum Unfall­tag in ein­wand­frei­em Zustand gewe­sen sei. Er habe sie eini­ge Wochen vor dem Unfall kon­trol­liert. Mög­li­cher­wei­se hät­ten Jugend­li­che die Eisen­stan­ge ver­bo­gen, so dass es zum Unfall gekom­men sei.

Das Land­ge­richt Coburg wies die Kla­ge jedoch ab und stell­te fest, dass der Beklag­te die Umzäu­nung nicht wei­ter­ge­hend sichern muss­te.

Zwar hat der Eigen­tü­mer eines Grund­stücks grund­sätz­lich im Rah­men des Zumut­ba­ren dafür zu sor­gen, dass ande­re nicht zu Scha­den kom­men. Dies gilt jedoch nur gegen­über befug­ten Benut­zern eines Grund­stücks. Zwar muss man bei Kin­dern auch mit einer unbe­fug­ten oder bestim­mungs­wid­ri­gen Benut­zung rech­nen, weil die­se aus Spiel­trieb, Uner­fah­ren­heit und Leicht­sinn Gefah­ren nicht rich­tig ein­schät­zen kön­nen.

Im vor­lie­gen­den Fall stell­te das Land­ge­richt Coburg fest, dass nur sel­ten im Jahr Kin­der an der Umzäu­nung anzu­tref­fen sind. Auch muss­te der Beklag­te nicht damit rech­nen, dass sich sechs­jäh­ri­ge Kin­der allei­ne und ohne Auf­sicht dort auf­hal­ten wür­den. Der Umstand, dass der Vater der Klä­ge­rin abge­lenkt war und somit nicht recht­zei­tig ein­grei­fen konn­te, kann nicht zu Las­ten des Beklag­ten gehen.

Das Ver­hal­ten des Mäd­chens stellt nach Auf­fas­sung des Land­ge­richts Coburg eine so offen­sicht­li­che Zweck­ent­frem­dung des Zau­nes dar, dass der Beklag­te dage­gen kei­ne Siche­rungs­maß­nah­men ergrei­fen muss­te. Einem ver­nünf­ti­gen Erwach­se­nen hät­te sich auf­drän­gen müs­sen, dass die Stre­be einer sol­chen Belas­tung mög­li­cher­wei­se nicht stand­hält.

Land­ge­richt Coburg, Urteil vom 06.04.2011 – 21 O 609/​10