Der im Beru­fungs­ver­fah­ren unter­blie­be­ne Voll­stre­ckungs­schutz­an­trag

Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs kommt die Ein­stel­lung der Zwangs­voll­stre­ckung im Ver­fah­ren der Revi­si­on oder der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de grund­sätz­lich nicht in Betracht, wenn der Schuld­ner es ver­säumt hat, im Beru­fungs­rechts­zug einen Voll­stre­ckungs­schutz­an­trag nach § 712 Abs. 1 ZPO zu stel­len 1.

Der im Beru­fungs­ver­fah­ren unter­blie­be­ne Voll­stre­ckungs­schutz­an­trag

Ist ein sol­cher Antrag nicht gestellt wor­den, ent­las­tet es den Beklag­ten auch nicht, dass er nach sei­ner Auf­fas­sung hier­zu kei­ne Not­wen­dig­keit gese­hen haben will, weil er davon aus­ge­gan­gen sei, dass die Ent­schei­dung zu sei­nen Guns­ten erge­hen wer­de. Die Ein­schät­zung der Erfolgs­aus­sich­ten eines Rechts­mit­tels fällt regel­mä­ßig in den Risi­ko­be­reich der Par­tei­en 2. Dies gilt umso mehr, wenn das erst­in­stanz­li­che Urteil zum Nach­teil des Beklag­ten aus­ge­fal­len ist. Es war des­halb damit zu rech­nen, dass sich das Beru­fungs­ge­richt der Beur­tei­lung des Land­ge­richts anschlie­ßen wird. Der Beklag­te hat­te somit hin­rei­chend Grund, vor­sorg­lich einen Schutz­an­trag zu stel­len.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 15. Juni 2016 – VI ZA 6/​16

  1. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 06.05.2004 – V ZA 4/​04, NJW-RR 2004, 936; vom 04.06.2008 – XII ZR 55/​08, NJW-RR 2008, 1038 Rn. 5; vom 20.03.2012 – V ZR 275/​11, NJW 2012, 1292 Rn. 5; vom 08.07.2014 – X ZR 61/​13, GRUR 2014, 1028[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 26.09.1991 – I ZR 189/​91, BGHR ZPO § 719 Abs. 2 Gläu­bi­ger­inter­es­sen 2; Beschluss vom 29.07.2004 – III ZR 263/​04, NJW-RR 2005, 147 Rn. 4[]