Der durch ein Hoch­was­ser beschä­dig­te Pkw

Um sei­ner Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht für eine BAB, die sich auch auf deren Grä­ben und Ent­wäs­se­rungs­an­la­gen erstreckt, zu genü­gen, hat ein Bun­des­land im Rah­men des Zumut­ba­ren Hoch­was­ser­schä­den vor­zu­beu­gen und den Ablei­tungs­gra­ben aus­rei­chend zu dimen­sio­nie­ren.

Der durch ein Hoch­was­ser beschä­dig­te Pkw

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm in dem hier vor­lie­gen­den Fall das Land Nord­rhein-West­fa­len ver­ur­teilt, für zwei durch ein Hoch­was­ser beschä­dig­te Fahr­zeu­ge zu haf­ten und hat gleich­zei­tig damit die erst­in­stanz­li­che Ent­schei­dung des Land­ge­richts Arns­berg bestä­tigt. Der Klä­ger ist Eigen­tü­mer eines in der Nähe der BAB 46 in einem Bau­ge­biet in Arns­berg gele­ge­nen Haus­grund­stücks. In der Nähe sei­nes Grund­stücks ver­läuft ein Was­ser­tun­nel unter der Auto­bahn, der in einen offe­nen Ablei­tungs­gra­ben mün­det. Durch die­sen fließt auch ein Bach. Bedingt durch die nach­träg­li­che Anla­ge des Bau­ge­biets voll­zieht das Bett des Gra­bens zwei Krüm­mun­gen von ca. 90 Grad, die ers­te in der Nähe des Grund­stücks des Klä­gers. Am 09.08.2007 reg­ne­te es in einer Stär­ke, die sel­te­ner als alle 100 Jah­re vor­kommt. Dabei wur­de das Grund­stück des Klä­gers durch das Was­ser des Ablei­tungs­gra­bens über­schwemmt. Zwei dort abge­stell­te Pkw des Klä­gers lie­fen mit schlam­mi­gem Was­ser voll. Sie sind wirt­schaft­lich wert­los gewor­den, wofür der Klä­ger vom beklag­ten Land Ersatz für den ihm ent­stan­de­nen Scha­den in Höhe von ca. 7.100 € ver­langt. Er hat gemeint, dass das Land haf­te, weil es den Abwas­ser­gra­ben zu gering dimen­sio­niert habe.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm aus­ge­führt, das Land sei für die BAB 46 ver­kehrs­si­che­rungs­pflich­tig. Die Pflicht erstre­cke sich auf deren Grä­ben und Ent­wäs­se­rungs­an­la­gen. Bei der Beur­tei­lung des vor­lie­gen­den Fal­les sei zu berück­sich­ti­gen, dass der bereits beim Bau der BAB 46 vom beklag­ten Land ver­än­der­te Ver­lauf des Ablei­tungs­gra­bens mit der Anla­ge des Wohn­ge­bie­tes wei­ter ver­än­dert wor­den sei, so dass im Bereich des klä­ge­ri­schen Grund­stücks zwei ca. 90 Grad Krüm­mun­gen ent­stan­den sei­en. Hier­aus habe sich die Gefahr eines Hoch­was­sers erge­ben. Auf­grund des zunächst vom Land und dar­an anknüp­fend dann von der Stadt Arns­berg ver­än­der­ten Gra­ben­ver­laufs habe das Land im Rah­men des Zumut­ba­ren Hoch­was­ser­schä­den vor­beu­gen und den Ablei­tungs­gra­ben aus­rei­chend dimen­sio­nie­ren müs­sen, um sei­ner Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht zu genü­gen.

Den genann­ten Anfor­de­run­gen habe der vor­han­de­ne Gra­ben nicht ent­spro­chen. Mit den in sei­nem Ver­lauf ange­leg­ten Krüm­mun­gen habe die vor­han­de­ne Gewäs­ser­tie­fe von 0,4 m den bei der Pla­nung zu berück­sich­ti­gen­den Hoch­was­ser­men­gen nicht mehr Rech­nung getra­gen. Die Krüm­mun­gen begrün­de­ten die erhöh­te Gefahr über das Ufer tre­ten­den Was­sers. Um dem Rech­nung zu tra­gen habe der Gra­ben nach den Anga­ben des Sach­ver­stän­di­gen eine Abfluss­tie­fe von ins­ge­samt 1,15 m auf­wei­sen müs­sen.

Selbst wenn die Stadt Arns­berg und nicht das Land beim Anle­gen des Bau­ge­biets den Ver­lauf des Ablei­tungs­gra­bens gestal­tet habe, haf­te das Land. Es habe dann im Rah­men der ihm oblie­gen­den Über­wa­chung auf eine aus­rei­chen­de Dimen­sio­nie­rung des Ablei­tungs­gra­bens hin­wir­ken müs­sen. Da die zustän­di­gen Mit­ar­bei­ter des Lan­des inso­weit nicht tätig gewor­den sei­en, fal­le dem beklag­ten Land Fahr­läs­sig­keit zur Last.

Nach den Aus­füh­run­gen des Sach­ver­stän­di­gen sei wei­ter davon aus­zu­ge­hen, dass der Scha­den bei einem aus­rei­chend dimen­sio­nier­ten Gra­ben nicht ent­stan­den wäre. Des­we­gen kön­ne sich das Land auch nicht dar­auf beru­fen, dass der Regen ein „Jahr­hun­dert­re­gen“ gewe­sen sei, gegen den es kei­nen zumut­ba­ren Schutz gebe. Im vor­lie­gen­den Fall hät­ten die zumut­ba­ren Schutz­maß­nah­men den Scha­dens­ein­tritt ver­hin­dert.

Ober­lan­des­ge­richts Hamm, Urteil vom 13. März 2013 – 11 U 198/​10
(nicht rechts­kräf­tig, anhän­gig beim BGH unter III ZR 113/​13)