Der über­be­setz­te Spruch­kör­per – und die Geschäfts- und Mit­wir­kungs­re­geln

Die Geschäfts- und Mit­wir­kungs­re­geln eines über­be­setz­ten Spruch­kör­pers müs­sen die Mit­wir­kung im Vor­aus gene­rell­abs­trakt regeln und dür­fen kei­nen ver­meid­ba­ren Spiel­raum las­sen. Sofern dem – auch bei der Ände­rung – Rech­nung getra­gen ist, dür­fen Mit­wir­kungs­re­geln auch wäh­rend ihrer Gel­tungs­dau­er und auch mit Wir­kung für anhän­gi­ge Ver­fah­ren unter Ver­wen­dung unbe­stimm­ter und aus­le­gungs­be­dürf­ti­ger Begrif­fe (hier: Sach­zu­sam­men­hang) geän­dert wer­den 1.

Der über­be­setz­te Spruch­kör­per – und die Geschäfts- und Mit­wir­kungs­re­geln

So war in dem hier ent­schie­de­nen Fall für den Bun­des­ge­richts­hof eine feh­ler­haf­te Beset­zung des Gerichts, mit­hin ein Ver­stoß gegen Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG, nicht ersicht­lich: Das Ober­lan­des­ge­richt hat aus­ge­führt, das Dezer­nat der zum 31.03.2014 aus dem Notar­se­nat aus­ge­schie­de­nen Rich­te­rin am Ober­lan­des­ge­richt P., die für die Bear­bei­tung der End­zif­fer 2 zustän­dig gewe­sen sei, sei am 1.04.2014 von dem zu dem Bun­des­ge­richts­hof hin­zu­tre­ten­den Rich­ter am Ober­lan­des­ge­richt S. über­nom­men wor­den. Anläss­lich des Rich­ter­wech­sels und wegen der vor­han­de­nen Belas­tung sei das Dezer­nat durch eine Ände­rung der Geschäfts­ver­tei­lung vom 01.04.2014 von drei Ein­gän­gen des Jah­res 2014 frei­ge­stellt wor­den. Hier­von sei­en sol­che Ver­fah­ren aus­ge­nom­men wor­den, die kraft Sach­zu­sam­men­hangs in das Dezer­nat fie­len oder bereits vor dem 1.03.2014 zuge­wie­sen gewe­sen sei­en. In der vor­lie­gen­den, am 22.04.2014 durch Ver­fü­gung des Vor­sit­zen­den zuge­wie­se­nen Sache sei es wegen des Sach­zu­sam­men­hangs mit den Ver­fah­ren 1 Not 2/​13, 1 Not 3/​13 und 1 Not 4/​13 bei der Zustän­dig­keit von Rich­ter am Ober­lan­des­ge­richt S. ver­blie­ben.

Das begeg­net nach den an die Bestim­mung der Sitz- oder Spruch­grup­pen von Berufs­rich­tern anzu­le­gen­den Maß­stä­ben (Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG) ent­ge­gen der Ansicht des Klä­gers kei­nen Beden­ken. Die Geschäfts- und Mit­wir­kungs­re­ge­lun­gen der Spruch­kör­per müs­sen im Vor­aus gene­rell­abs­trakt die Mit­wir­kung der Rich­ter in über­be­setz­ten Spruch­kör­pern regeln 2 und dür­fen kei­nen ver­meid­ba­ren Spiel­raum las­sen 3. Sofern dem Rech­nung getra­gen ist, dür­fen Mit­wir­kungs­plä­ne – auch wäh­rend ihrer Gel­tungs­dau­er und mit Wir­kung für anhän­gi­ge Ver­fah­ren – unter Ver­wen­dung unbe­stimm­ter und aus­le­gungs­be­dürf­ti­ger Begrif­fe – wie hier: "Sach­zu­sam­men­hang" – geän­dert wer­den 4.

Soweit der Klä­ger in die­sem Zusam­men­hang auch einen Ver­stoß gegen § 109 VwGO rügt, kann das Urteil nicht auf der von dem Klä­ger ver­miss­ten Zwi­schen­ent­schei­dung beru­hen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 21. Novem­ber 2016 – NotZ(Brfg) 2/​16

  1. Anschluss an BVerfGE 95, 322 ff.; BVerfG, NJW 2005, 2689 ff.; NJW 2009, 1734 ff.[]
  2. BVerfGE 95, 322, 328 f.[]
  3. BVerfG, aaO, 329[]
  4. BVerfG, aaO, 332 f.[]