Der Sturz bei einer orga­ni­sier­ten Wan­de­rung

Ein Ver­an­stal­ter von orga­ni­sier­ten und kos­ten­pflich­ti­gen Wan­de­run­gen ist ver­pflich­tet, eine Wan­der­stre­cke an beson­ders pro­ble­ma­ti­schen Stel­len auf ihre gefahr­lo­se Begeh­bar­keit zu prü­fen. Bei Ver­let­zung der Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht haf­tet er grund­sätz­lich, denn der Ver­an­stal­ter einer kos­ten­pflich­ti­gen Wan­de­rung kann die Haf­tung für Kör­per­schä­den nicht im Vor­feld wirk­sam aus­schlie­ßen.

Der Sturz bei einer orga­ni­sier­ten Wan­de­rung

So das Ober­lan­des­ge­richt Koblenz in dem hier vor­lie­ge­nen Fall der Kla­ge einer Teil­neh­me­rin an einer orga­ni­sier­ten Wan­de­rung, die aus­rutsch­te und sich beim Sturz erheb­lich ver­letz­te. Die Klä­ge­rin nahm an Fron­leich­nam 2011 an einer von dem Beklag­ten orga­ni­sier­ten Wan­der­ver­an­stal­tung im und rund um das Ahr­tal teil. Wie bereits an den Tagen zuvor reg­ne­te es auch wäh­rend der Wan­de­rung. Die Klä­ge­rin rutsch­te beim Abstieg vom Aus­sichts­punkt „Teu­fels­loch“ aus, stürz­te und ver­letz­te sich erheb­lich. Dar­auf­hin nahm sie den beklag­ten Ver­ein mit der Begrün­dung auf Scha­dens­er­satz in Anspruch, die­ser habe sei­ne Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht ver­letzt. Die Wan­der­stre­cke habe sich am Unfall­tag in einem der­art gefähr­li­chen Zustand befun­den, dass der Beklag­te sie habe sper­ren oder vor ihr war­nen müs­sen. Der Beklag­te erwi­der­te, die Klä­ge­rin sei infol­ge eige­ner Unacht­sam­keit gestürzt. Das Land­ge­richt wies die Kla­ge mit der Begrün­dung ab, der Beklag­te habe ihre Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht nicht ver­letzt. Es sei für die Klä­ge­rin offen­kun­dig gewe­sen, dass der tage­lan­ge Regen die Wege rut­schig gemacht habe. Von dem Beklag­ten kön­ne zudem nicht erwar­tet wer­den, dass er sämt­li­che Wan­der­we­ge stän­dig kon­trol­lie­re. Hier­ge­gen rich­te­te die Klä­ge­rin ihre Beru­fung.

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Koblenz fol­ge aus der Ver­pflich­tung des Beklag­ten, die Wan­de­rung zu orga­ni­sie­ren, grund­sätz­lich auch sei­ne Haf­tung bei der Ver­let­zung einer Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht. Denn der Ver­an­stal­ter einer kos­ten­pflich­ti­gen Wan­de­rung kön­ne die Haf­tung für Kör­per­schä­den nicht im Vor­feld wirk­sam aus­schlie­ßen.

Eine Ver­let­zung der Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht sei dem Beklag­ten aber im kon­kre­ten Fall nicht vor­zu­wer­fen. Das Ahr­tal sei ein zer­klüf­te­tes Wan­der­ge­biet und am Teu­fels­loch mit stei­len An- und Abstie­gen ver­bun­den. Gera­de bei Regen bestehe in beson­ders stei­len Abschnit­ten auch eine erhöh­te Sturz­ge­fahr. Der Beklag­te als Ver­an­stal­ter aber hät­te erst dann reagie­ren müs­sen, wenn ein­zel­ne Stre­cken­ab­schnit­te wit­te­rungs­be­dingt nur unter sol­chen Anstren­gun­gen zu bege­hen sei­en, die ein durch­schnitt­li­cher Wan­de­rer nicht mehr bewäl­ti­gen kön­ne. Die­se Umstän­de sei­en für den Unfall­tag aber gera­de nicht fest­stell­bar gewe­sen.

So hät­te eine Viel­zahl ande­rer Wan­de­rer den Aus­sichts­punkt „Teu­fels­loch“ pro­blem­los erreicht und auch wie­der ver­las­sen, ohne Scha­den zu neh­men. Die Stel­le, an der sich der Unfall ereig­ne­te, sei bis kurz zuvor noch pas­sier­bar gewe­sen. Des­halb hät­ten auch die beglei­ten­den Mit­ar­bei­ter des Beklag­ten frü­hes­tens auf­grund des Stur­zes der Klä­ge­rin die Erkennt­nis gewin­nen kön­nen, dass eine Sper­rung des Weges oder eine Siche­rung der Gefah­ren­stel­le zu ver­an­las­sen sei. Im Unfall­zeit­punkt aber habe für den Beklag­ten kei­ne Siche­rungs- und Warn­pflicht bestan­den. Ins­ge­samt sei daher ein Ver­schul­den des beklag­ten Ver­eins nicht fest­stell­bar gewe­sen.

Ober­lan­des­ge­richt Koblenz, Beschluss vom 18. Febru­ar 2013 – 5 U 34/​13