Nega­ti­ve Fest­stel­lungs­kla­ge bei einer nicht fäl­li­gen For­de­rung

Der Schuld­ner einer For­de­rung kann ein Inter­es­se an der Fest­stel­lung haben, dass er die­se man­gels Fäl­lig­keit der­zeit nicht erbrin­gen muss. Dies setzt jedoch im Hin­blick auf den Kon­dik­ti­ons­aus­schluss des § 813 Abs. 2 BGB vor­aus, dass er die gefor­der­te Leis­tung noch nicht erfüllt hat.

Nega­ti­ve Fest­stel­lungs­kla­ge bei einer nicht fäl­li­gen For­de­rung

Zwar kann der Schuld­ner einer For­de­rung ein Inter­es­se an der Fest­stel­lung haben, dass er die­se man­gels Fäl­lig­keit der­zeit nicht erfül­len muss. Dies setzt jedoch vor­aus, dass er die gefor­der­te Leis­tung noch nicht erbracht hat. Denn nur in einem sol­chen Fall kann er aus einem Erfolg der Fest­stel­lungs­kla­ge für sich güns­ti­ge Rechts­fol­gen, näm­lich die Berech­ti­gung, die Erfül­lung der noch nicht fäl­li­gen For­de­rung zu ver­wei­gern, ablei­ten. Hat der Schuld­ner hin­ge­gen die nicht fäl­li­ge For­de­rung erfüllt, kann er gemäß § 813 Abs. 2 BGB kei­ne hier­auf gestütz­te Rück­erstat­tung ver­lan­gen 1 und auch kei­ne Zwi­schen­zin­sen gel­tend machen 2. Die Bestim­mung des § 813 Abs. 2 BGB soll bei Zah­lung einer bereits bestehen­den, aber noch nicht fäl­li­gen Schuld ein sinn­lo­ses Hin- und Her­be­we­gen der an sich geschul­de­ten Leis­tung ver­mei­den 3.

Dem Schuld­ner ver­bleibt in die­sen Fäl­len nur dann ein Berei­che­rungs­an­spruch, wenn die erfüll­te Ver­bind­lich­keit – unab­hän­gig von ihrer man­geln­den Fäl­lig­keit – mate­ri­ell­recht­lich nicht bestand. Dies ist jedoch kei­ne Fra­ge der Fäl­lig­keit und begrün­det kein Fest­stel­lungs­in­ter­es­se für einen Kla­ge­an­trag, der sich auf die Fest­stel­lung der feh­len­den Fäl­lig­keit einer bereits erfüll­ten For­de­rung beschränkt. Soweit sich aus der Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs vom 9. Febru­ar 2011 4 etwas ande­res erge­ben soll­te, hält der Bun­des­ge­richts­hof hier­an nicht fest.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 6. Juni 2012 – VIII ZR 198/​11

  1. vgl. Münch­Komm-BGB/­Schwab, 5. Aufl., § 813 Rn. 15 f.; Staudinger/​Lorenz, BGB, Neubearb.2007, § 813 Rn.16; Erman/​BuckHeeb, BGB, 13. Aufl., § 813 Rn. 5; Palandt/​Sprau, BGB, 71. Aufl., § 813 Rn. 7[]
  2. Staudinger/​Lorenz, BGB, aaO Rn.19; Palandt/​Sprau, aaO[]
  3. Staudinger/​Lorenz, aaO Rn. 16; Erman/​BuckHeeb, aaO; Palandt/​Sprau, aaO Rn. 1[]
  4. BGH, Urteil vom 09.02.2011 – VIII ZR 295/​09, WM 2011, 1860 Rn. 48[]