Rechts­mit­tel in der Kos­ten­fest­set­zung

Gegen die Beschwer­de­ent­schei­dung in Kos­ten­fest­set­zungs­sa­chen in Streit­ver­fah­ren der frei­wil­li­gen Gerichts­bar­keit fin­det die Rechts­be­schwer­de nach den Vor­schrif­ten der Zivil­pro­zess­ord­nung statt, wenn das Beschwer­de­ge­richt sie zuge­las­sen hat.

Rechts­mit­tel in der Kos­ten­fest­set­zung

Anwend­ba­res Recht in Alt­fäl­len

Auf das Fest­set­zungs­ver­fah­ren sind die Vor­schrif­ten des Geset­zes über das Ver­fah­ren in Fami­li­en­sa­chen und in den Ange­le­gen­hei­ten der frei­wil­li­gen Gerichts­bar­keit (FamFG) anwend­bar. Nach Art. 111 Abs. 1 FGG-Reform­ge­setz 1 fin­den das Gesetz über die Ange­le­gen­hei­ten der frei­wil­li­gen Gerichts­bar­keit und das Spruch­ver­fah­rens­ge­setz in der bis zum 1.09.2009 gel­ten­den Fas­sung aller­dings wei­ter Anwen­dung, wenn das Ver­fah­ren in ers­ter Instanz vor Inkraft­tre­ten des Geset­zes über das Ver­fah­ren in Fami­li­en­sa­chen und in den Ange­le­gen­hei­ten der frei­wil­li­gen Gerichts­bar­keit am 1.09.2009 ein­ge­lei­tet wor­den ist 2. Maß­ge­bend ist nicht die Ein­lei­tung des Haupt­ver­fah­rens oder die Bestel­lung des Ver­tre­ters, son­dern der Zeit­punkt der Ein­lei­tung des Fest­set­zungs­ver­fah­rens. Das Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren nach §§ 103 ff. ZPO i.V.m. § 85 FamFG bzw. § 13a Abs. 3 FGG ist ein selb­stän­di­ges Ver­fah­ren (Art. 111 Abs. 2 FGG-RG) und das anwend­ba­re Ver­fah­rens­recht rich­tet sich nicht nach dem Zeit­punkt der Ein­lei­tung des vor­an­ge­gan­ge­nen Haupt­sa­che­ver­fah­rens, son­dern der Ein­lei­tung des Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­rens selbst 3.

Ent­spre­chen­des gilt für die Fest­set­zung der Ver­gü­tung und der Aus­la­gen des gemein­sa­men Ver­tre­ters nach § 6 Abs. 2 Satz 2 SpruchG. Zwar han­delt es sich nicht um ein Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren nach § 17 Abs. 1 SpruchG i.V.m. § 85 FamFG. Die Fest­set­zung knüpft nicht an eine Kos­ten­grund­ent­schei­dung an und regelt nicht die Erstat­tung von Aus­la­gen und Ver­fah­rens­ge­büh­ren, son­dern setzt eine Ver­gü­tung und Aus­la­gen­er­satz fest. Zustän­dig ist das Gericht, in ers­ter Instanz der Vor­sit­zen­de der Kam­mer für Han­dels­sa­chen, nicht der Rechts­pfle­ger (§ 6 Abs. 2 Satz 2 SpruchG i.V.m. § 2 Abs. 2 Nr. 5 bzw. Nr. 6 SpruchG). Die Fest­set­zung der end­gül­ti­gen Ver­gü­tung ist aber kei­ne Zwi­schen- oder Neben­ent­schei­dung des Haupt­sa­che­ver­fah­rens, son­dern geschieht in einem davon getrenn­ten Ver­fah­ren, an dem der gemein­sa­me Ver­tre­ter und der Antrags­geg­ner als Schuld­ner der Ver­gü­tung (§ 6 Abs. 2 Satz 1 SpruchG) betei­ligt sind.
Die­ses Fest­set­zungs­ver­fah­ren beginnt erst mit dem Ende des Haupt­sa­che­ver­fah­rens. Die Fest­set­zung wird nach § 6 Abs. 2 Satz 2 SpruchG nicht durch einen Antrag des gemein­sa­men Ver­tre­ters, son­dern von Amts wegen ein­ge­lei­tet, wenn sie auch ohne sei­ne Anga­ben zu den Aus­la­gen nicht mög­lich sein wird. Zwar kann das Gericht auch Vor­schüs­se fest­set­zen (§ 6 Abs. 2 Satz 4 SpruchG), eine end­gül­ti­ge Fest­set­zung der Ver­gü­tung ist aber erst nach Ver­fah­rens­ab­schluss mög­lich, weil Gegen­stands­wert für die Ver­gü­tung, die sich an die Rechts­an­walts­ver­gü­tung anlehnt, der für die Gerichts­ge­büh­ren maß­ge­ben­de Geschäfts­wert ist (§ 6 Abs. 2 Satz 3 SpruchG). Die­ser rich­tet sich aber nach dem Ergeb­nis des Ver­fah­rens und kann daher erst mit sei­nem Ende bestimmt wer­den (§ 15 Abs. 1 Satz 2 SpruchG).

Zuläs­sig­keit der Rechts­be­schwer­de

Gegen die Fest­set­zungs­ent­schei­dung des Land­ge­richts fin­det in ent­spre­chen­der Anwen­dung von § 85 FamFG i.V.m. § 104 Abs. 3 ZPO die sofor­ti­ge Beschwer­de nach §§ 567 ff. ZPO statt 4. Auch wenn die Fest­set­zung der Ver­gü­tung kei­ne Kos­ten­fest­set­zung im Sinn von § 85 FamFG ist, ähnelt sie ihr doch nach der Aus­ge­stal­tung in § 6 Abs. 2 SpruchG so, dass die ent­spre­chen­de Anwen­dung der Rechts­mit­tel­vor­schrif­ten über die Anfech­tung der Kos­ten­fest­set­zungs­ent­schei­dung nach dem Gesetz über das Ver­fah­ren in Fami­li­en­sa­chen und in den Ange­le­gen­hei­ten der frei­wil­li­gen Gerichts­bar­keit (FamFG) ange­zeigt ist. Die Ver­wei­sung in § 85 FamFG auf §§ 103 bis 107 ZPO erfasst über § 104 Abs. 3 ZPO auch die Aus­ge­stal­tung des Rechts­mit­tels gegen die Fest­set­zungs­ent­schei­dung und des Ver­fah­rens der sofor­ti­gen Beschwer­de in §§ 567 ff. ZPO 5.

Der Gesetz­ge­ber hat zu § 85 FamFG nur aus­ge­führt, dass die Vor­schrift dem bis­he­ri­gen § 13a Abs. 3 Halb­satz 2 FGG ent­spre­che 6. Für die Ver­wei­sung in § 13a Abs. 3 Halb­satz 2 FGG war aber aner­kannt, dass damit auch die sofor­ti­ge Beschwer­de nach den Vor­schrif­ten der Zivil­pro­zess­ord­nung in Bezug genom­men war 7. Aus der Geset­zes­be­grün­dung zu §§ 58 ff. FamFG lässt sich nicht ent­neh­men, dass der Gesetz­ge­ber dar­an für Kos­ten­fest­set­zungs­be­schlüs­se etwas ändern woll­te. Im Gegen­teil woll­te er durch Bezug­nah­me auf die Zivil­pro­zess­ord­nung für eini­ge Beschlüs­se die Anfecht­bar­keit durch die sofor­ti­ge Beschwer­de aus­drück­lich anord­nen, um die Statt­haf­tig­keit des Rechts­mit­tels nach den­sel­ben Vor­schrif­ten wie in bür­ger­li­chen Rechts­strei­tig­kei­ten zu gewähr­leis­ten 8. Auch für die Kos­ten­fest­set­zung ist das Rechts­mit­tel­sys­tem ein­heit­lich nach der Zivil­pro­zess­ord­nung aus­zu­ge­stal­ten.

Gegen die Beschwer­de­ent­schei­dung in Kos­ten­fest­set­zungs­sa­chen fin­det ent­spre­chend §§ 574 ff. ZPO die Rechts­be­schwer­de nach den Vor­schrif­ten der Zivil­pro­zess­ord­nung statt, wenn das Beschwer­de­ge­richt sie nach § 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 ZPO zuge­las­sen hat 9. Soweit der Bun­des­ge­richts­hof in Ange­le­gen­hei­ten der Kos­ten­fest­set­zung der frei­wil­li­gen Gerichts­bar­keit für die Beschwer­de die all­ge­mei­nen Rege­lun­gen nach § 21 ff. FGG für anwend­bar und ins­be­son­de­re die sofor­ti­ge wei­te­re Beschwer­de nach §§ 27 ff. FGG statt der Rechts­be­schwer­de nach §§ 574 ff. ZPO für das statt­haf­te Rechts­mit­tel gehal­ten hat 10, soll­te dies nur bis zu einer Geset­zes­än­de­rung gel­ten, die mit dem Gesetz zur Reform des Ver­fah­rens in Fami­li­en­sa­chen und in den Ange­le­gen­hei­ten der frei­wil­li­gen Gerichts­bar­keit vor­liegt 11.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 22. Okto­ber 2013 – II ZB 4/​13

  1. Gesetz zur Reform des Ver­fah­rens in Fami­li­en­sa­chen und in den Ange­le­gen­hei­ten der frei­wil­li­gen Gerichts­bar­keit vom 17.12.2008 (FGG-Reform­ge­setz – FGG-RG), BGBl. I S. 2586[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 19.07.2010 – II ZB 18/​09, BGHZ 186, 229 Rn. 5 – Stoll­werck; Beschluss vom 13.12.2011 – II ZB 12/​11, ZIP 2012, 266 Rn. 3[]
  3. OLG Köln, FGPrax 2010, 267; Keidel/​Engelhardt, FamFG, 17. Aufl., Art. 111 FGGRG Rn. 3; Bumiller/​Harders, FamFG, 10. Aufl., Art. 111 FGGRG Rn. 1[]
  4. vgl. Was­mann in KK-AktG, 3. Aufl., § 6 SpruchG Rn. 39 m.w.N.[]
  5. Münch­Komm-FamFG/­Schind­ler, 2. Aufl., § 85 Rn. 40; Prütting/​Helms/​Feskorn, 2. Aufl., FamFG, § 85 Rn. 9 ff.; Zöller/​Feskorn, ZPO, 30. Aufl., § 85 FamFG Rn. 2; Schul­te-Bun­er­t/Wein­reich/Kes­ke, FamFG, 3. Aufl., § 85 Rn. 16; Keidel/​Zimmermann, FGG, 17. Aufl., § 85 FamFG Rn. 16; aA Wit­ten­stein in Bah­ren­fuss, FamFG, 2. Aufl., § 85 Rn. 16[]
  6. Gesetz­ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung eines Geset­zes zur Reform des Ver­fah­rens in Fami­li­en­sa­chen und in den Ange­le­gen­hei­ten der frei­wil­li­gen Gerichts­bar­keit [FGG-Reform­ge­setz – FGG-RG], BT-Drucks. 16/​6308 S. 216[]
  7. vgl. BGH, Beschluss vom 06.10.1960 – VII ZB 14/​60, BGHZ 33, 205, 208[]
  8. BT-Drucks. 16/​6308 S.203; vgl. zur Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe auch BGH, Beschluss vom 04.03.2010 – V ZB 222/​09, BGHZ 184, 323 Rn. 5[]
  9. Münch­Komm-FamFG/­Schind­ler, 2. Aufl., § 85 Rn. 43; Prütting/​Helms/​Feskorn, 2. Aufl., FamFG, § 85 Rn. 13; Keidel/​Zimmermann, FGG, 17. Aufl., § 85 FamFG Rn. 16; offen SchulteBunert/​Weinreich/​Keske, FamFG, 3. Aufl., § 85 Rn. 16[]
  10. BGH, Beschluss vom 28.09.2006 – V ZB 105/​06, WM 2007, 324 Rn. 14; Beschluss vom 18.07.2007 – IV ZB 36/​06, NJW-RR 2008, 305 Rn. 4[]
  11. vgl. BGH, Beschluss vom 28.09.2006 – V ZB 105/​06, WM 2007, 324 Rn. 14[]