Unfall im Möbel­haus

Der Inha­ber von Ver­kaufs­räu­men (hier: eines Möbel­hau­ses) hat dafür zu sor­gen, dass sei­ne Kun­den mög­lichst gefahr­los das Geschäfts­lo­kal bege­hen und hier­bei Waren aus­su­chen kön­nen [1].

Unfall im Möbel­haus

In dem hier vom Land­ge­richt Kon­stanz ent­schie­de­nen Fall wur­de die Kun­din in der Bil­der­ab­tei­lung des Bau­mark­tes auf dem Rücken lie­gend, mit gerahm­ten Glas­bil­dern zuge­deckt, auf­ge­fun­den. Die­se Bil­der befan­den sich ursprüng­lich in einer Regal­vor­rich­tung, die den Kun­den eine Besich­ti­gung der Bil­der durch Blät­tern ermög­li­chen soll­te. Zwi­schen den Par­tei­en ist strei­tig, ob die größ­ten und schwers­ten Bil­der in der mitt­le­ren Rei­he (so der Klä­ger) oder in der unte­ren Rei­he ein­sor­tiert gewe­sen sind. Die Kun­din hat­te ver­sucht, aus der obe­ren Rei­he des Rega­les ein klei­nes Bild zu ent­neh­men. Auf eine leich­te Berüh­rung hin waren die gro­ßen Bil­der mit einem Domi­no­ef­fekt auf die Kun­din gefal­len. Hier­durch war die­se zum Sturz gekom­men und von den Bil­der­rah­men buch­stäb­lich begra­ben wor­den, wobei sie sich einen Wir­bel­bruch zuzog.

Ein Ver­trags­an­bah­nungs­ver­hält­nis zwi­schen dem (poten­ti­el­len) Kun­den und dem Inha­ber des Kauf­hau­ses bestand, weil der Kun­de das Laden­lo­kal mit der Absicht auf­such­te, etwas zu erwer­ben.

Die Laden­in­ha­be­rin hat die ihr dem­nach oblie­gen­den vor­ver­trag­li­chen Neben­pflich­ten ver­letzt, weil sie nicht aus­rei­chend Sor­ge dafür trug, dass sich das Regal­sys­tem vom Kun­den gefah­ren­frei bedie­nen ließ. Das Regal ist der­art mit schwe­ren Bil­dern auf­ge­füllt gewe­sen, dass bereits eine leich­te Berüh­rung aus­reich­te, um einen Domi­no­ef­fekt aus­zu­lö­sen, der zum Kip­pen zahl­rei­cher Bil­der geführt hat.

Der Ein­wand der Laden­in­ha­be­rin, ver­gleich­ba­re Vor­fäl­le sei­en nicht bekannt gewor­den, ist in mehr­fa­cher Hin­sicht unbe­hel­flich, da zum einen nicht jeder Vor­fall zur Kennt­nis des Her­stel­lers oder gar der Laden­in­ha­be­rin gelan­gen muss und zum zwei­ten als Ursa­che des Stur­zes die Art der Befül­lung im Ein­zel­fall aus­schlag­ge­bend war.

Dem Beweis­an­ge­bot der Laden­in­ha­be­rin, ein Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten zu der Behaup­tung, die Sicher­heit des Regal­sys­tems sei durch die Schräg­stel­lung des Bodens gewähr­leis­tet, ist man­gels Erheb­lich­keit nicht nach­zu­ge­hen. Ob die­se – über­schau­ba­re – Sicher­heits­vor­keh­rung bei sach­ge­rech­ter Bedie­nung aus­rei­chen­de Sicher­heit gewähr­leis­ten kann, muss nicht ent­schie­den wer­den, weil das Regal nicht sach­ge­recht ein­sor­tiert gewe­sen ist. Auch die Laden­in­ha­be­rin behaup­tet nicht, dass der­ar­ti­ge Bedie­nungs­feh­ler tech­nisch aus­ge­schlos­sen sei­en.

Die Laden­in­ha­be­rin han­del­te gem. §§ 280 Abs. 1 S. 2, 276 BGB schuld­haft. Sofern sich die Laden­in­ha­be­rin auf die gene­rel­le Sicher­heit des Regal­sys­tems beruft, ent­bin­det sie dies nicht von der Ver­ant­wor­tung für Bedie­nungs­feh­ler.

Die Ansprü­che des Klä­gers sind nicht wegen eines Mit­ver­schul­dens der Kun­din gem. § 254 BGB zu kür­zen. Ein Mit­ver­schul­den der Kun­din liegt nicht dar­in begrün­det, dass die­se es unter­las­sen hat, beim Bedie­nen des Bil­der­re­gals Per­so­nal der Laden­in­ha­be­rin zu Hil­fe zu bit­ten. Das Gericht hält die Anga­ben der Kun­din für ver­läss­lich, es sei ihr auch bei einer Kör­per­grö­ße von 1,65 m mög­lich gewe­sen, nach dem Bild im obe­ren Regal zu grei­fen. Im Übri­gen wäre es Sache der Laden­in­ha­be­rin, das Waren­sor­ti­ment so auf­zu­bau­en, dass es für Kun­den von noch durch­schnitt­li­cher Grö­ße auch ohne Mit­hil­fe des Per­so­nals erreich­bar ist.

Land­ge­richt Kon­stanz, Urteil vom 16. Janu­ar 2013 – 6 O 197/​12 B

  1. OLG Koblenz, NJW-RR 1996, 670; Bran­den­bur­gi­sches OLG, ZGS 2010, 536[]