Ver­knap­pung der Pro­zess­kos­ten­hil­fe

Die Bun­des­län­der ver­su­chen wie­der ein­mal, bei der Jus­tiz zu spa­ren. Dies­mal soll es die Pro­zess­kos­ten­hil­fe tref­fen. Die Bun­des­län­der wol­len die Aus­ga­ben für Pro­zess­kos­ten­hil­fe mög­lichst umge­hend und dau­er­haft begren­zen. In einem heu­te vom Bun­des­rat ver­ab­schie­de­ten Gesetz­ent­wurf sind hier­zu drei Maß­nah­men­pa­ke­te vor­ge­se­hen:

Ver­knap­pung der Pro­zess­kos­ten­hil­fe
  1. Zum einen möch­te der Bun­des­rat die Vor­aus­set­zun­gen für die Bewil­li­gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe ver­schär­fen. Die Ver­sa­gung der Leis­tung sei bei mut­wil­li­ger Rechts­ver­fol­gung oder -ver­tei­di­gung bzw. bei mut­wil­li­gen Beweis­an­trä­gen zu erleich­tern. Bei einem mut­wil­li­gen Ver­hal­ten kann frei­lich auch heu­te schon die Gewäh­rung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe ver­sagt wer­den. Was der Bun­des­rat will, ist tat­säch­lich auch kei­ne Beschrän­kung bei Mut­wil­lig­keit, son­dern eine Beschrän­kung für eine Rei­he von Fäl­len, in denen der Erfolg – nach einer bis­her nicht erlaub­ten vor­weg­ge­nom­me­nen Beweis­pro­gno­se – unge­wiss ist.
  2. Eine zwei­te Maß­nah­me betrifft die Eigen­be­tei­li­gung der bedürf­ti­gen Par­tei an den Pro­zess­kos­ten. Dabei sol­len sich zunächst die Grund­frei­be­trä­ge an den sozi­al­hil­fe­recht­li­chen Regel­sät­zen ori­en­tie­ren. Dane­ben wird die Höhe der aus dem ver­blei­ben­den Ein­kom­men zu zah­len­den Raten neu bestimmt und die Ober­gren­ze für die Anzahl der Raten auf­ge­ho­ben. Um den angeb­li­chen Auf­wand für die Prü­fung der Bewil­li­gungs­vor­aus­set­zun­gen abzu­gel­ten, soll eine ein­ma­li­ge Gebühr in Höhe von 50 € von all den­je­ni­gen erho­ben wer­den, die über ein ein­zu­set­zen­des Ein­kom­men ver­fü­gen.
  3. Und schließ­lich wol­len die Bun­des­län­der durch geän­der­te Ver­fah­rens­vor­schrif­ten nach sei­ner eige­nen Begrün­dung sicher­stel­len, dass die Anga­ben zu den per­sön­li­chen und wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­sen, die für die Bewil­li­gung ent­schei­dend sind, ein­heit­lich und zutref­fend erfasst wer­den. Hin­ter die­ser For­mu­lie­rung ver­ste­cken sich Aus­kunfts­an­sprü­che der jewei­li­gen Gerich­te gegen­über den Finanz­äm­tern, der Bun­des­an­stalt für Finanz­dienst­leis­tungs­auf­sicht, den Sozi­al­leis­tungs­trä­gern und auch dem Arbeit­ge­ber der bedürf­ti­gen Par­tei.

Der Gesetz­ent­wurf wird nun­mehr der Bun­des­re­gie­rung zuge­lei­tet, die ihn inner­halb von sechs Wochen an den Deut­schen Bun­des­tag wei­ter­lei­ten muss. Dabei soll sie ihre Auf­fas­sung dar­le­gen. Der Ent­wurf ent­spricht einem Beschluss des Bun­des­ra­tes, der dem Bun­des­tag bereits im Mai 2006 zuge­lei­tet wur­de. Die­ser hat ihn jedoch vor Ablauf der letz­ten Legis­la­tur­pe­ri­ode nicht abschlie­ßend behan­delt, so dass er zwi­schen­zeit­lich der Dis­kon­ti­nui­tät anheim gefal­len ist.

Ent­wurf eines Geset­zes zur Begren­zung der Auf­wen­dun­gen für die Pro­zess­kos­ten­hil­fe (Pro­zess­kos­ten­hil­fe­be­gren­zungs­ge­setz – PKHBe­grenzG)

Druck­sa­che 37/​10 (Beschluss)