Wer zahlt die Fotos für die Kar­tei des Escor­t­ser­vice?

Eine Escor­t­agen­tur kann Foto­shoo­ting­kos­ten nicht den Bewer­bern auf­bür­den.

Wer zahlt die Fotos für die Kar­tei des Escor­t­ser­vice?

Mit die­ser Begrün­dung hat das Amts­ge­richt Mün­chen in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Kla­ge einer Ham­bur­ger Escor­t­agen­tur auf Erstat­tung von Foto­shoo­ting­kos­ten von 952 Euro und damit zusam­men­hän­gen­der Hotel­zim­mer­kos­ten von 700 Euro gegen eine 26jährige allein­er­zie­hen­de Mut­ter aus Mün­chen abge­wie­sen. Die Beklag­te bewarb sich in schwie­ri­ger finan­zi­el­ler Situa­ti­on auf­grund einer ent­spre­chen­den Anzei­ge im Inter­net im Herbst 2013 bei der Klä­ge­rin, einer Escor­t­ser­vice-Agen­tur. Die Klä­ge­rin ver­sprach der Beklag­ten, dass eine Zusam­men­ar­beit mit ihr die­se Pro­ble­me lösen wür­de. Die Beklag­te wur­de dar­auf hin­ge­wie­sen, dass vor einer mög­li­chen Ver­mitt­lung an den Stamm­kun­den­pool der Klä­ge­rin zuvor pro­fes­sio­nel­le Foto­auf­nah­men gefer­tigt wer­den müs­sen, deren Kos­ten die Beklag­te zu tra­gen habe. Es wur­de mit zuge­sand­tem und von der Beklag­ten unter­schrie­be­nem Ver­trags­for­mu­lar ein per­sön­li­cher Vor­stel­lungs- und Foto­shoo­ting­ter­min im Sep­tem­ber 2013 in Ham­burg ver­ein­bart.

Als der Beklag­ten auf­grund des mit der Fahrt nach Ham­burg ver­bun­de­nen Auf­wands Zwei­fel kamen, erkun­dig­te sie sich bei der Beklag­ten eini­ge Tage vor­her nach den Kos­ten des Foto­shoo­tings. Die Klä­ge­rin ant­wor­te­te, dass die Kos­ten hier­für – wie im bereits über­mit­tel­ten Ver­trag vor­ge­se­hen – 800 Euro net­to betra­gen wür­den. Die Beklag­te mein­te dar­auf­hin, dass ihr die­se Kos­ten zuvor nicht bewusst waren und dass sie wegen der hohen Kos­ten nicht mehr bereit sei, den Ter­min in Ham­burg wahr­zu­neh­men. Dar­auf­hin erklär­te die Klä­ge­rin, dass sie die­se Kos­ten vor­schie­ßen kön­ne und die Beklag­te die Kos­ten sodann mit ihren ers­ten Auf­trä­gen abar­bei­ten kön­ne, wor­auf­hin die Beklag­te nach Ham­burg fuhr. Dort wur­de ihr von der Klä­ge­rin wie­der­um zuge­si­chert, dass sie sich um die Foto­kos­ten kei­ne Sor­gen machen müs­se, da sie in Kür­ze ein Viel­fa­ches mit den Auf­trä­gen ver­die­nen wer­de.

Als sich beim Foto­shoo­ting dann her­aus­stell­te, dass das Wet­ter für Außen­auf­nah­men in Unter­wä­sche und Biki­ni zu kalt war, wur­den spon­tan noch zwei Hotel­zim­mer für Foto­auf­nah­men zum Preis von 700 Euro gebucht. Nach­fol­gend kam es zu kei­ner Auf­trags­ver­mitt­lung.

Die Klä­ge­rin behaup­tet, man habe sich vor Ort in Ham­burg dar­über geei­nigt, dass die Beklag­te neben den Kos­ten für das Foto­shoo­ting auch die Kos­ten der Hotel­mie­te zu tra­gen habe. Zudem habe die Beklag­te noch­mals aus­drück­lich zuge­stimmt, dass sie die gesam­ten Kos­ten des Foto­shoo­tings tra­gen wer­de. Die Ver­mitt­lung von Auf­trä­gen sei an man­geln­der Bereit­schaft und feh­len­den Eng­lisch­kennt­nis­sen der Beklag­ten geschei­tert.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Amts­ge­richt Mün­chen aus­ge­führt, dass die Kos­ten­re­ge­lung zu Las­ten des Models unwirk­sam ist, da sie den Ver­wen­dungs­geg­ner ent­ge­gen der Gebo­te von Treu und Glau­ben unan­ge­mes­sen benach­tei­li­gen. Die Bil­der wer­den aus­drück­lich „aus­schließ­lich“ der Agen­tur über­ge­ben. Der Ver­wen­dungs­geg­ner ver­pflich­tet sich sogar, es zu unter­las­sen, das Foto­stu­dio um eine Über­las­sung der ange­fer­tig­ten Bil­der zu ersu­chen. Es ist dem Ver­wen­dungs­geg­ner sogar unter­sagt, selbst Bil­der anfer­ti­gen zu las­sen. Dies lässt in der Gesamt­schau nur den Schluss zu, dass die Auf­nah­men ein­zig im Inter­es­se des Ver­wen­ders ange­fer­tigt wer­den. Daher benach­tei­ligt die Rege­lung den Ver­wen­dungs­geg­ner unan­ge­mes­sen. Hier­für spielt es kei­ne Rol­le, ob ent­spre­chen­de Rege­lun­gen bran­chen­üb­lich sind. Die Bran­chen­üb­lich­keit einer unan­ge­mes­se­nen Rege­lung allein kann nicht zur Ange­mes­sen­heit der Rege­lung füh­ren.

Selbst wenn, wie von der Klä­ge­rin behaup­tet, die Beklag­te vor Ort zuge­stimmt hät­te, die Kos­ten des Foto­gra­fen sowie die Hotel-Kos­ten zu über­neh­men, könn­te sich die Klä­ge­rin wegen des Ver­bots wider­sprüch­li­chen treu­wid­ri­gen Ver­hal­tens nach § 242 BGB nicht dar­auf beru­fen. Die Beklag­te hat­te in Kennt­nis der maxi­ma­len Kos­ten und der Mög­lich­keit eines „Abar­bei­tens“ die­ser Kos­ten ihre ursprüng­li­che Mei­nung geän­dert und war zum Foto­ter­min gereist. Sofern sie – den Vor­trag der Klä­ge­rin als wahr unter­stellt – dort auf­grund des Mit­te Sep­tem­ber in Ham­burg für Biki­ni- und Unter­wä­sche­auf­nah­men zu kal­ten Wet­ters der Kos­ten­tra­gung bezüg­lich der Hotel­kos­ten zuge­stimmt hat, um eine kos­ten­in­ten­si­ve und auf­wän­di­ge Ver­schie­bung des Ter­mins zu ver­hin­dern, erfolg­te die­se Zustim­mung ersicht­lich nur auf­grund der von der Klä­ge­rin her­bei­ge­führ­ten Zwangs­la­ge.

Aus die­sen Grün­den ist die Kla­ge auf Erstat­tung von Foto­shoo­ting­kos­ten von 952 Euro und damit zusam­men­hän­gen­der Hotel­zim­mer­kos­ten von 700 Euro abge­wie­sen wor­den.

Amts­ge­richt Mün­chen, Urteil vom 1. August 2017 – 243 C 8000/​16