Frei­ber­ger Fle­der­mäu­se

Fle­der­mäu­se genie­sen manch­mal mehr Schutz als Men­schen – ins­be­son­de­re mehr als die von einer Orts­um­ge­hung betrof­fe­nen Grund­stücks­nach­barn.

Frei­ber­ger Fle­der­mäu­se

So hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig jetzt über die Kla­gen einer aner­kann­ten Natur­schutz­ver­ei­ni­gung und zwei­er Grund­stücks­ei­gen­tü­mer gegen den Plan­fest­stel­lungs­be­schluss der Lan­des­di­rek­ti­on Chem­nitz für den Bau der Orts­um­ge­hung Frei­berg im Zuge der Bun­des­stra­ßen B 101 und B 173 ent­schie­den. Wäh­rend das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt die Kla­gen der Grund­stücks­ei­gen­tü­mer abwies, stell­te es auf die Kla­ge der Natur­schutz­ver­ei­ni­gung hin fest, dass der Plan­fest­stel­lungs­be­schluss rechts­wid­rig ist und nicht voll­zo­gen wer­den darf.

Es ist geplant, die 13,4 km lan­ge Umge­hungs­stra­ße von der Bestands­stre­cke der B 101 nord­west­lich von Frei­berg süd­lich um die Stadt her­um­zu­füh­ren und öst­lich des Stadt­ge­biets mit der Bestands­stre­cke der B 173 zu ver­knüp­fen. Die Tras­se soll den Hos­pi­tal­wald que­ren, süd­lich von Frei­berg in der Nähe des FFH-Gebiets "Frei­ber­ger Berg­werks­tei­che" ver­lau­fen und öst­lich der Stadt auf einer Brü­cke über das Tal der Frei­ber­ger Mul­de und das dor­ti­ge FFH-Gebiet "Obe­res Frei­ber­ger Mul­de­tal" geführt wer­den.

Die Kla­ge der Natur­schutz­ver­ei­ni­gung hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt im Ergeb­nis als über­wie­gend begrün­det ange­se­hen. Der Plan­fest­stel­lungs­be­schluss lei­de an Rechts­feh­lern, die zwar nicht sei­ne Auf­he­bung, wohl aber die Fest­stel­lung sei­ner Rechts­wid­rig­keit und Nicht­voll­zieh­bar­keit recht­fer­tig­ten. Die für das FFH-Gebiet "Obe­res Frei­ber­ger Mul­de­tal" durch­ge­führ­te Ver­träg­lich­keits­prü­fung habe die in die­sem Gebiet gele­ge­nen Kreu­zer­mark­tei­che feh­ler­haft nicht als voll­ent­wi­ckel­te Aus­prä­gung, son­dern als blo­ße Ent­wick­lungs­flä­che eines habi­tat­recht­lich geschütz­ten Lebens­raum­typs gewer­tet und auf die­ser Grund­la­ge die mit dem Betrieb der geplan­ten Stra­ße ver­bun­de­nen Schad­stoff­be­las­tun­gen der Tei­che unzu­rei­chend ermit­telt und beur­teilt. Die­ser Man­gel las­se sich in einem ergän­zen­den Ver­fah­ren durch wei­te­re Ermitt­lun­gen und erneu­te Bewer­tung hei­len, sodass er nicht zur Auf­he­bung, son­dern nur zur Fest­stel­lung der Rechts­wid­rig­keit und Nicht­voll­zieh­bar­keit des Plan­fest­stel­lungs­be­schlus­ses füh­re. Ent­spre­chen­des gel­te für meh­re­re Fehl­be­ur­tei­lun­gen der arten­schutz­recht­li­chen Tötungs- und Zer­stö­rungs­ver­bo­te, die ver­schie­de­ne Fle­der­maus­ar­ten im Hos­pi­tal­wald und die Zaun­ei­dech­se im Bereich der Hal­den öst­lich von Frei­berg beträ­fen.

Die bei­den wei­te­ren Kla­gen, mit denen sich Grund­stücks­ei­gen­tü­mer gegen die Inan­spruch­nah­me ihrer Flä­chen sowie gegen Lärm- und Schad­stoffim­mis­sio­nen bzw. die Tras­sen­füh­rung des Anschlus­ses der B 101 an die Umge­hungs­stra­ße wand­ten, hat das Gericht als unbe­grün­det abge­wie­sen, da der Plan­fest­stel­lungs­be­schluss die­se Klä­ger nicht in ihren Rech­ten ver­let­ze. Dies ändert nichts dar­an, dass der Plan­fest­stel­lungs­be­schluss auf­grund des von der Natur­schutz­ver­ei­ni­gung erwirk­ten Urteils vor­be­halt­lich des Aus­gangs eines von der Plan­fest­stel­lungs­be­hör­de durch­zu­füh­ren­den ergän­zen­den Ver­fah­rens zunächst nicht umge­setzt wer­den darf.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urtei­le vom 14. Juli 2011 – 9 A 12.10, 14.10 und 17.10